VonPeter Loderschließen
Dahoam anzukommen hat eigentlich etwas Entspannendes. Bei Martina Schwarzmann war es „natürlich aufregend“, als sie am Dienstagabend – ein Jahr nach ihrem letzten Auftritt im Heimatlandkreis beim Comedy-Festival in Fürstenfeldbruck – in ihrem Maisacher Bierzelt-Wohnzimmer vor ausverkaufter 1500-Personen-Kulisse ein ganz persönliches Heimspiel hatte.
Maisach – „Weil ich wahrscheinlich die Hälfte der Leute im Publikum kenne, obwohl ich sie seit zehn Jahren schon nicht mehr gesehen habe“, hatte die in Überacker aufgewachsene und in Maisachs Realschule aufs bayerische Leben vorbereitete Kabarettistin mit Star-Status mächtig Muffensausen, als sie die Bühne betrat. Doch ihre große Fangemeinde und die „irgendwo dahinten sitzende“ eigene Familie („Die wollen nicht in der ersten Reihe sein“) war von der ersten Sekunde an voll bei der Sache, als die vierfache Mutter mit dem losen Mundwerk loslegte als wäre sie nie weg gewesen.
In Liedern verarbeitet
„So kenn’ ich sie“, schwärmte der in der dritten Bierbankreihe sitzende Christian Kandler, der mit der 43-Jährigen in der gemeinsamen Kindheit so einiges erlebt hat. „Aber Details verrate ich nicht.“ Die kenne ohnehin jeder, „weil Martina sie in ihren Texten und Liedern verarbeitet hat“.
Die jetzt mit ihrer Familie in Altomünster (Kreis Dachau) auf einem Bio-Bauernhof lebende Kabarettistin lässt in ihrem neuen Programm (Titel: „Ganz einfach“) ganz einfach keine Gelegenheit aus, um den alltäglichen Wahnsinn in ihrer Überacker-geprägten boarischen Muttersprache auf den Punkt zu bringen.
Und natürlich hatte sie mitbekommen, was tags zuvor beim Seniorennachmittag im Bierzelt passiert ist („Der Dorffunk funktioniert“). Weshalb sie vor der Pause mahnende Worte ans Feiervolk richtete und um Verständnis für das Bedienungspersonal bot. „Es herrscht momentan in jedem Bierzelt Chaos wegen des fehlenden Personals. Aber man muss immer friedlich bleiben.“
Ähnlich äußerte sich zuvor schon der ebenfalls aus Überacker stammende Tobias Ottillinger. Der neue Volksfestreferent hatte sich bereits zwei Stunden vor Veranstaltungsbeginn ins Zeug geworfen, um die in einer langen Schlange anstehenden Besucher in die richtige Ticketspur zu weisen.
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Schon mitten drin im Getümmel war zu diesem Zeitpunkt Claudia Reischl. Sie hatte Martina Schwarzmann vor 30 Jahren noch hautnah neben sich am dem Sportplatz erlebt, als die mittlerweile erfolgreichste Frauenfußballriege im Landkreis gegründet wurde. „Alle habe sich damals an ihr orientiert, sie war die Allrounderin und konnte auf jeder Position eingesetzt werden“, erinnert sich die mit Ex-Trainer Bernhard Reischl verheiratete, damals noch unter ihrem Mädchennamen Siebenhütter kickende Fußballerin. „Martina war immer da und immer gut.“ Lebhaft in Erinnerung sind noch die Abende im Trainingslager, „als sie uns mit ihrer Gitarre unterhalten und lustige Sachen erzählt hat“.
Familienfest
Lustige Sachen erzählt Martina Schwarzmann noch immer. So lustig, dass der Comedy-Abend im Bierzelt zum rauschenden Familienfest wurde. Ihre nächsten Gastspiele werden sprachlich etwas anstrengender: Nach Ingolstadt und Krumbach geht’s via Frankfurt in den Ruhrpott. Ob in Köln, Düsseldorf und Gelsenkirchen die Pointe verstanden wird? „Alles kein Problem“, sagt Schwarzmann. „Das sind Leute, die kommen ja nicht zufällig, sondern haben sich in unseren Dialekt schon eingehorcht und sind sprachlich fit.“ Sprach die Kabarettistin in der Pause, während sie in der spartanisch eingereichten Container-Garderobe an einem Tischdeckchen häkelte. Ganz entspannt – wie dahoam halt.
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