Gewerkschaft schlägt Alarm

Gastgewerbe im Landkreis: Personal als Mangelware

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An der Rezeption des Hotels Obermühle: (v.l.) Inhaber Christian Wolf, Katrin Koschmieder, Gavra Bozhilov und Elena Gavrilova.
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Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten schlägt Alarm: Zum Beginn der Hauptreisezeit fehle in vielen Hotels und Gaststätten im Landkreis Garmisch-Partenkirchen das nötige Personal. Die Zahl der offenen Stellen habe sich in der Corona-Zeit verdoppelt. In der Branche sind die Bemühungen groß, dem Problem Herr zu werden.

Landkreis – Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) ist um dramatische Worte nicht verlegen: „Hotellerie am Limit“, ist in einer Pressemitteilung, die sich speziell auf den Landkreis Garmisch-Partenkirchen bezieht, zu lesen. Gewarnt wird vor der Personalnot – ein Problem, mit der das Gastgewerbe schon länger zu kämpfen hat. „Rezeptionistinnen, Köche, Barkeeper, Service- und Reinigungskräfte werden händeringend gesucht. Ohne sie kann die Branche in der wichtigsten Saison des Jahres nicht durchstarten“, warnt NGG-Geschäftsführer Manuel Halbmeier.

Seine Forderung: Die Branche müsse für die Beschäftigten attraktiver werden. Dies gelinge nur, indem sich Löhne und Arbeitsbedingungen verbessern. Und auch die Kunden müssten bereit sein, mehr zu bezahlen: „Ein Schnitzel für neun Euro ist heute nicht mehr machbar“, sagt Halbmeier.

Mehr offene Stellen

Der Funktionär verweist auf eine Statistik der Bundesagentur für Arbeit. Danach zählte das Beherbergungsgewerbe hier im Landkreis Ende Juni 281 offene Stellen – mehr als doppelt so viele wie Mitte 2019, also vor Beginn der Corona-Pandemie. „Für viele Hoteliers ist es aktuell einfacher, Gäste zu finden als Mitarbeiter“, berichtet Halbmeier. Denn in der Folge von Lockdowns und Kurzarbeit hätten etliche Beschäftigte der Branche den Rücken gekehrt und sich umorientiert. Jetzt komme es darauf an, Fachleute mit guten Konditionen anzulocken, um für die steigende Nachfrage nach Urlaubs- und Geschäftsreisen gewappnet zu sein. Wie akut die Lage ist, zeigt ein Blick in den Nachbarlandkreis Weilheim-Schongau: Dort musste das Penzberger Volksfest abgesagt werden – wegen Personalmangels.

Bei der Bezahlung habe sich laut NGG bereits einiges getan: Mit dem neuen Tarifvertrag, den die Gewerkschaft mit dem Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) ausgehandelt hat, steigen die Einkommen in Bayern in diesem und nächstem Jahr um insgesamt bis zu 27 Prozent. Zum Beispiel kommt eine gelernte Köchin mit drei Jahren Berufserfahrung auf einen Stundenlohn von 15,68 Euro.

Bei den Arbeitsbedingungen ist aber nach Ansicht von Halbmeier noch „viel Luft nach oben“. Hotelangestellte arbeiteten oft dann, wenn andere frei haben – nachts, am Wochenende oder an Feiertagen. Dies gehe zulasten von Familie und Freizeit. „Arbeitszeiten müssen im Sinne der Beschäftigten organisiert werden“, fordert Halbmeier.

Mitarbeiterwohnungen und flexible Arbeitszeitmodelle

Der Fachkräfte-Notstand betreffe nicht nur das Gastgewerbe, betont Dehoga-Kreischef Daniel Schimmer, sondern sei ein gesamtgesellschaftliches Problem. Beispielsweise fehlten ebenso Erzieher. In den Hotels und Wirtshäusern im Landkreis werde schon sehr viel unternommen, um Anreize zu schaffen, erläutert der Manager des Garmischer Hofs im Kreisort. Dazu zählten unter anderem bezahlbare Mitarbeiterwohnungen und flexible Arbeitszeitmodelle. So sei es in seinem Betrieb etwa möglich, an vier Tagen länger zu arbeiten und dafür dann drei Tage am Stück frei zu haben – ein Freizeitgewinn. Und auch die Bezahlung stimme: „Wer gut ist, verdient mehr als Tarif.“

„Wir sind gut aufgestellt für den Sommer“, berichtet Christian Wolf, Geschäftsführer des Garmisch-Partenkirchner Traditionshotels Obermühle. Er könnte jedoch in jeder Abteilung eine zusätzliche Kraft gut gebrauchen. Bei der Personalsuche müsse man immer am Ball bleiben und attraktive Rahmenbedingungen schaffen. So hält auch die Obermühle Unterkünfte für die Beschäftigten parat und erfasst deren Arbeitszeiten mit einem modernen, digitalen System. „Der Aufwand ist größer geworden“, sagt der Unternehmer. Was ihn aber gewaltig stört, ist die mitunter ausufernde Bürokratie, wenn es zum Beispiel darum geht, Azubis mit einem ausländischen Pass zu übernehmen. Hier müssten dringend unnötige Hürden abgebaut werden, fordert der Hotelier.

„Die Leute brauchen ihre Freizeit“, betont Volker Neuroth. Es sei mittlerweile in der Gastronomie „sehr schwierig“, geeignetes Personal zu finden. Der Wirt des Berggasthofs Pflegersee verzichtet daher lieber auf einige größere Veranstaltungen wie Hochzeiten oder Geburtstagsfeiern, um seine Mitarbeiter nicht zu überlasten. Denn: „Die können nicht Tag und Nacht arbeiten.“

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