Zu schwierige Rahmenbedingungen

Maria sagt Servus: Tante-Emma-Laden in Gaißach schließt

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So kennen und schätzen sie ihre Kunden: Viele Jahre stand Maria Kerber hinter der Theke ihres „Kramerladens“ in Gaißach. Am 31. August wird sie dort zum letzten Mal anzutreffen sein.
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Ein Stück Nahversorgung bricht in der Gemeinde Gaißach weg: Zum Monatsende schließt „Marias Kramerladen“ neben dem ehemaligen „Pulverwirt“.

Gaißach – Ende August ist Schluss in „Marias Kramerladen“. Die immer schwieriger werdenden Rahmenbedingungen haben Inhaberin Maria Kerber zu dieser Entscheidung gebracht.

„Marias Kramerladen“ ist ein Tante-Emma-Laden, wie es sie kaum noch gibt. Inhaberin Maria Kerber steht – unterstützt von drei Mini-Jobberinnen – hinter der Ladentheke, bietet von Backwaren über Milch, Eier, Obst und Gemüse bis hin zu Konserven, Wasch- und Spülmitteln eigentlich alles an, was man für den täglichen Bedarf braucht. Fleisch und Wurst bekommt man direkt daneben in der Metzgerei. In der weit verstreuten Gemeinde Gaißach ist der Laden eine wichtige Anlaufstelle, die für viele – gerade aus den Ortsteilen Taxern, Rain und Obergries oder über den Isarsteg auch aus Arzbach – gut zu Fuß oder mit dem Radl zu erreichen ist.

Früher befand sich in den Räumlichkeiten eine Bäckerei, in der Maria Kerber einst im Verkauf mitarbeitete. Vor elf Jahren übernahm sie dann selbst das Geschäft, das bis dahin „Maurers Kramerladen“ geheißen hatte. Im Prinzip macht es ihr bis heute Freude, den kleinen Laden zu führen. „Es läuft gut, ich habe gute Kunden, die Gespräche sind bereichernd, und wir haben Spaß hier herinnen“, sagt die Gaißacherin.

Tante-Emma-Laden: Hauptlieferant will nur noch alle zwei Wochen kommen

Mit Lieferanten, wie etwa der Offmühle, Tegernseer Käse, Früchte Kell, oder Arnhofer Kartoffeln, habe die Zusammenarbeit immer bestens geklappt, betont Maria Kerber zum Abschied.

Doch dann ist da eben auch eine ganze Reihe von Faktoren, die ihr in jüngster Zeit die Freude etwas verleidet haben. Das Fass zum Überlaufen gebracht hat für sie, dass ihr Hauptlieferant Edeka ihr das sogenannte Trockensortiment nicht mehr wöchentlich bringt, sondern nur noch alle zwei Wochen. „Das ist zu wenig“, sagt Maria Kerber. In diese Warengruppe gehören zum Beispiel Putzmittel, Konserven, Nudeln oder Kaffee. Allerdings hat die Geschäftsfrau in ihrem Laden nicht genug Platz, um Vorräte für zwei Wochen einzulagern. Und sie ist durch die längeren Lieferintervalle weniger flexibel, läuft stärker Gefahr, dass ihr bestimmte Waren ausgehen oder verderben. „Es kommt vor, dass ich mittags zum C+C-Markt in Tölz fahre und zum Beispiel Nachschub an Klopapier hole.“ Wenn sie diese Waren dann weiterverkaufe, dann mache sie keinen Gewinn mehr damit.

Tante-Emma-Laden: Lage im Funkloch macht Probleme

Und dann ist da die Sache mit dem mobilen Gerät, mit dem sie ihre Waren bei Edeka bestellen muss. Damit scannt sie die Barcodes der einzelnen Artikel und schickt ihre Order online ab. Eigentlich praktisch, bloß: Der Laden liegt im Funkloch. Um die Bestellungen abzusetzen, muss Maria Kerber vor die Tür und mühsam eine Stelle suchen, wo sie Netz hat.

Zu schaffen machte ihr auch die überbordende Bürokratie, beginnend bei den Nachweisen, dass ihre Lieferanten die Verpackungsabgabe bezahlt haben bis zur korrekten Kennzeichnung pfandfreier Flaschen. „Und wenn nicht alles korrekt ist, droht mir eine Strafe von 10 000 oder 20 000 Euro.“

Einen Nachfolger für den Laden gibt es nicht

Letztlich ist die Geschäftsaufgabe für Maria Kerber auch eine persönliche Entscheidung. Jeden Morgen öffnet sie um 6.30 Uhr ihr Geschäft, eine Stunde vorher ist sie schon da. Abends hat sie bis 18 Uhr offen, dann folgt noch eine Dreiviertelstunde zum Aufräumen. Mittags eilt sie nach Hause zum Kochen. Maria Kerber will sich darüber nicht beklagen. „Ich weiß, dass es vielen anderen genauso geht“, sagt sie. Jetzt, mit 55 Jahren, will sie aber nicht in diesem Rhythmus weitermachen und sich anderweitig eine Anstellung suchen.

Einen Nachfolger für den „Kramerladen“ hat sie nicht gefunden. Zwei Interessenten seien da gewesen – danach habe sie aber nichts mehr von ihnen gehört.

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