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Die Wolfratshauser Liste hat ein Bürgerbegehren gestartet, um ein Projekt am Marienplatz zu verhindern. Die Gruppierung ist optimistisch - die Sammlung läuft.
Wolfratshausen – Seit gut einer Woche sammelt die Wolfratshauser Liste wie berichtet Unterschriften gegen die Versetzung des Marienbrunnens. Das Ziel ist, den gleichnamigen Platz im Schatten der Stadtpfarrkirche in seinem jetzigen Zustand zu erhalten. Wie Listen-Vorsitzender Helmut Forster auf Nachfrage unserer Zeitung erklärt, ist die Resonanz auf das Bürgerbegehren gegen die Stadtratsentscheidung „sehr gut“.
Marienbrunnen: Gruppierung will Maßnahme mit Bürgerbegehren stoppen - und spürt Rückenwind
Er und seine Mitstreiter würden „ständig darauf angesprochen“, dass „endlich“ etwas gegen die Verschiebung des historischen Brunnens unternommen werde. In fast 20 Restaurants und Geschäften in der Stadt würden die Unterschriftenlisten bereits ausliegen – zum Beispiel im Vereinsheim des Isar-Loisach-Stadions in Farchet, im Restaurant Löwenbräu und der Papeterie am Bahnhof. „Alleine diese Zahl zeigt uns, dass es viele Unterstützer für unser Ansinnen gibt“, sagt Forster. Wie viele Wolfratshauser sich bereits mit ihrer Signatur gegen die Brunnenverschiebung gestellt haben, kann der Ex-Rathauschef nicht beziffern: „Dafür ist es zu früh – uns erreichen aber sehr viele positive Rückmeldungen.“ Er ist „absolut überzeugt“, dass genügend Unterschriften zusammenkommen, um das Bürgerbegehren an den Stadtrat weiter zu geben. Laut Bayerischer Gemeindeordnung sind dafür bei Städten in der Größe Wolfratshausens die Unterschriften von neun Prozent der Wahlberechtigten nötig.
Wolfratshauser Liste sammelt Unterschriften gegen Brunnen-Verschiebung - Marienplatz-Projekt auf dem Prüfstand
Einen konkreten Zeitplan hat sich die Wolfratshauser Liste nicht auferlegt: „Es gibt keinen Termindruck, aber es wäre schön, wenn wir es noch vor der Sommerpause des Stadtrats schaffen würden.“ Mitte Juli trifft sich das Gremium noch, im August steht Stand heute keine Sitzung im städtischen Terminkalender. „Wenn es erst nach der Sommerpause klappt, wäre es für uns auch kein Problem“, sagt Forster.
Wenn die Gruppierung das Bürgerbegehren einreicht – und es für formal zulässig erklärt wird –, gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder revidiert der Stadtrat seine Entscheidung zur Brunnenverschiebung oder es kommt zu einem Bürgerentscheid. Bei diesem würden die Wolfratshauser an die Wahlurne gebeten, um basisdemokratisch über das Vorhaben abzustimmen. Forster: „Sollte der Stadtrat dem Bürgerbegehren nicht nachkommen, werden wir es auf alle Fälle auf diesen Bürgerentscheid ankommen lassen.“
LAW Wolfratshausen wirbt für Altstadtaufwertung - „ein großer Marktplatz“ ist nötig
Die Idee, den Brunnen zu verschieben, stammt aus dem Bürgerbeteiligungsprozess zur Aufwertung der Altstadt, der im Jahr 2018 angelaufen ist. Unter anderem der Verein Lebendige Altstadt Wolfratshausen (LAW) hatte für das Projekt geworben, um die Innenstadt attraktiver zu gestalten und mit Leben zu füllen. Das Ziel der konkreten Maßnahme am Marienplatz ist, diese Fläche im Zentrum der Einkaufsstraße zu vergrößern und Raum für Veranstaltungen zu gewinnen.
LAW-Chef Ernst Gröbmair betont auf Nachfrage unserer Zeitung, dass „mehrere Mosaiksteine“ nötig seien, um die Wolfratshauser Innenstadt zu beleben. Einer davon „ist ein großer Marktplatz“ – und zwar konkret am Marienplatz. Forster ist anderer Meinung: „Wir gewinnen nicht viel Platz und haben bereits jetzt viele Veranstaltungsorte in unserer Stadt.“
Auf einem davon, an der alten Floßlände, richten LAW und Werbekreis Wolfratshausen am Samstag, 2. Juli, das „White Dinner“ aus. Ein Problem dieser Örtlichkeit: „Wenn es in den Tagen vor der Veranstaltung regnet, müssen wir sie absagen, weil die Bierbänke im Batz versinken würden.“ Auf dem Marienplatz wäre das anders.
Bürgerbegehren der Wolfratshauser Liste: Stadtrat stimmte mit breiter Mehrheit für Projekt
Zum Bürgerbegehren der Wolfratshauser Liste sagt Gröbmair: „Es ist ein demokratisches Instrument. Wenn die Wolfratshauser das mehrheitlich wollen, dann ist das eben so.“ Er rechnet – sollte genügend Unterschriften gesammelt werden – mit einem Bürgerentscheid. Dass der Stadtrat seine Meinung revidiert, hält der LAW-Vorsitzende nämlich für unwahrscheinlich. Die Entscheidung für die Brunnen-Versetzung fiel im April mit 15:5 Stimmen. „Das ist schon eine breite Mehrheit.“
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Die Wolfratshauser Liste nennt mehrere Argumente gegen die Versetzung: So bestehe zum Beispiel die Gefahr, dass der Brunnen bei der Maßnahme beschädigt werde, außerdem seien die Ausgaben – taxiert werden die Kosten derzeit auf rund 200 000 Euro – zu hoch. Gröbmair hält dagegen: „Wenn diese Maßnahme im Zuge der Altstadtumgestaltung durchgeführt wird, erhält die Stadt dafür Fördermittel.“ Die Kommune müsste die Kosten nicht alleine schultern. Die Sorge, dass der Brunnen kaputt geht, teilt Gröbmair nicht – vielmehr würde er „neu hergerichtet“.
