Die Weilheimer Mariensäule muss aufpoliert werden. Deshalb hat Stadtarchivar Joachim Heberlein das Benefiz-Team der Heilig-Geist-Spitalkirche reaktiviert, um Spenden einzutreiben. Der Termin für die Einweihung der renovierten Säule mit der barocken Mondsichelmadonna steht schon fest: 15. Oktober mit Festgottesdienst in Maria-Himmelfahrt.
Weilheim – „Mein Gott, schaust du aus!“ Dieser Gedanke schoss dem promovierten Kunsthistoriker Heberlein im Herbst vergangenen Jahres bei einer seiner Stadtführungen durch den Kopf. Die schon tiefer stehende Sonne schien auf die Madonna mit Kind, Zepter und Krone – und Heberlein, der auch katholische Theologie studiert hat, sah, dass unter anderem das Gold abblätterte, Metallteile angefressen und die Inschriften verblasst waren. Da muss was getan werden! Das war ihm klar. Vor allem, weil die Mariensäule heuer 325 Jahr alt wird. Bürgermeister Markus Loth – der Stadt gehört die Mariensäule – stimmte der Renovierung zu, auch weil Heberlein ihm zugesichert hatte, das Vorhaben mit Spendengeldern zu finanzieren.
Benefiz-Programm auf die Beine gestellt
Nun, ein paar Monate später, konnte Heberlein in den Räumen des Stadtarchivs den Auftakt der Spendenaktion vermelden. Zusammen mit der 2. Bürgermeisterin Angelika Flock (CSU), Stadträtin Brigitte Holeczek (Bürger für Weilheim), Ingo Remesch (Ex-Vize Bürgermeister, SPD) und Wilhelm Handel (ehemaliger Rechtsanwalt) wurde ein Benefiz-Programm auf die Beine gestellt. Das Team hat Erfahrung mit dem Eintreiben von Spenden: 75 000 Euro sammelten genau diese Fünf zwischen 2015 und 2017 für die Renovierung der ebenfalls der Stadt gehörenden Heilig-Geist-Spitalkirche.
Madonna verliert Krone und Zepter
So viel muss das Team diesmal nicht zusammenbringen. Stadtarchivar Heberlein rechnet mit einem geringeren fünfstelligen Betrag: In den nächsten Tagen kommen Kirchenmaler und Steinmetz, um die Schäden zu begutachten und dann Angebote zu machen: „Erst dann weiß ich genau, was die Renovierung kosten wird“, so Heberlein. 1984 wurde die Mariensäule generalüberholt, jetzt ist eher eine Aufpolierung nötig: Die Handwerker werden von einem Hubwagen aus die Krone, Zepter und andere Metallteile der Madonna abmontieren und ihnen in ihren Werkstätten sozusagen ein frisches Make-up verpassen. In neuem Glanz erstrahlen sollen auch die Säule selbst sowie die Inschrift am Sockel, einem doppelten Postament: „A peste, fame et igne redde Securum Weilhemium, o Maria“ („Vor Pest, Feuer und Hunger behüte Weilheim, o Maria“).
Heberlein ist ein „Marienplatzler“
Gerade nach Corona sei es „schön, wenn die Bürgerinnen und Bürger sich für die Mariensäule engagieren“, sagte Vize-Bürgermeisterin Flock. Auch BfW-Fraktionsvorsitzende Holeczek setzt auf die Weilheimer: „Wir wollen das mit Hilfe der Bevölkerung schaffen.“ Beide hoben im Stadtarchiv hervor, dass alle Angesprochenen sofort bereit waren, die Aktion unentgeltlich zu unterstützen: „Denen gebührt der Dank. Wir sind nur die, die das zusammenführen“, so Holeczek. Für Heberlein, Mitglied der Gesamtkirchenverwaltung von Maria Himmelfahrt, gibt es noch einen anderen Grund, sich für die Mariensäule zu engagieren: Er ist, wie er sagt, „Marienplatzler“. Er und seine Schwester sind dort aufgewachsen; das Stammhaus seiner Eltern „Glas Heberlein“ war am Marienplatz.
Kein Eintritt, aber Spenden erwünscht
Und deshalb gibt es auch einen Programmpunkt, den die Familie Heberlein praktisch allein bestreitet: Am 25. Mai heißt es ab 19 Uhr im Stadttheater „Rund um die Mariensäule“. Es gibt Musik vom Duo Sabine Gruber-Heberlein und ihrem Mann Thomas Gruber. Joachim Heberlein liest Texte aus den früheren gleichnamigen Glossen von Christian Buck in dieser Zeitung. Gut eine Woche davor gibt die Stadtkapelle Weilheim am 14. Mai um 10.30 Uhr ein Standkonzert auf dem Marienplatz. Und dort treten dann am 24. Juni um 11 Uhr Trachtler und Goaßlschnalzer des Heimat- und Trachtenvereins auf. Im Juli (Termin steht noch nicht fest) ist noch eine Lesung im Café Krönner, ebenfalls am Marienplatz, geplant: Heberlein und Remesch tragen „Essensgeschichten“ von Buck vor. Bei allen Veranstaltungen wird kein Eintritt verlangt, aber um Spenden gebeten.
Ralf Scharnitzky
Info
Gespendet werden kann auch auf das Konto der Stadt Weilheim: DE61 7035 1030 0000 0000 18, Betreff „Mariensäule“.