Leiter in der Corona-Krise kreativ

Marionettentheater: Neue Puppen erwachen zum Leben

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Beschäftigen sich derzeit mit neuen Puppen, die auf dem Handrücken gespielt werden: Albert Maly-Motta (li.) und Karlheinz Bille, die beiden Leiter des Tölzer Marionettentheaters. Auf dem Tisch links steht „Stauni“, rechts mit den Skiern ist „Frosti“. Weitere Figuren sind in Arbeit.
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Seit 20 Jahren führen Albert Maly-Motta und Karlheinz Bille das Tölzer Marionettentheater. Wie sie das heuer feiern können, steht noch in den Sternen. An einer neuen Attraktion für das Publikum wird aber schon gearbeitet: Puppen, die auf dem Handrücken gespielt werden.

Bad Tölz Anfang April bekamen die Fans des Marionettentheaters schon einen Vorgeschmack, was Albert Maly-Motta gerade bastelt: Da zeigte er die neue Figur „Stauni“ in einem Video erstmals der Öffentlichkeit. Mittlerweile gibt es noch ein zweites Video im YouTube-Kanal des Theaters, in dem sich „Stauni“ mit dem gelockerten Regeln des öffentlichen Lebens beschäftigt.

„Stauni“ ist eine etwa 25 Zentimeter große Puppe, bekleidet mit gelber Latzhose, rotem Ringel-T-Shirt und einem Strohhut. Sein Markenzeichen sind die großen, beweglichen Kulleraugen. Bei „Stauni“ ist der Name Programm: „Er soll staunend durch die Welt gehen“, sagt Albert Maly-Motta. Mit dieser Art und Weise spricht „Stauni“ sowohl Groß als auch Klein an.

Die technisch anspruchsvolle Figur hat Maly-Motta nach dem Vorbild des russischen Künstlers Wladimir Sacharov gebaut. Der begnadete Puppenspieler kam bei einem Brand in seinem Atelier ums Leben und hinterließ keine Aufzeichnungen. Anhand von Videos hat sich Maly-Motta dessen Puppenbau-Technik abgeschaut – weil er möchte, dass Sacharovs Spielkunst nicht verloren geht.

Seit Schließung des Tölzer Theaters Mitte März beschäftigt sich Maly-Motta zu Hause mit den neuen Puppen. „Stauni“ hat mittlerweile schon ein fertiges Geschwisterchen bekommen namens „Frosti“: Ein Skifahrer mit gestricktem Pullover und Cordhose. Diese Puppen sind leichter als Marionetten und werden mit einer großen Klammer aus Draht auf dem Unterarm und auf dem Handrücken des Spielers befestigt. Der Zeige- und der Mittelfinger stecken in den Hosenbeinen der Puppe, ansonsten wird diese mittels minimalen Daumen- und Handgelenksbewegungen gesteuert. Dutzende Fäden laufen deshalb zu den Klammern auf Unterarm und Handrücken. Fingerchen und Köpfchen der Puppe hat Maly-Motta mit dem 3D-Drucker hergestellt.

„Am schwierigsten ist es, die Finger der Puppe zu bewegen“, sagt der Theaterleiter. „Das sind allein acht Fäden.“ Das Spielen übt er zu Hause auf dem Bügelbrett. Die Idee stammte von seiner Frau Caroline. „Mittlerweile hat mein Mann sein eigenes Bügelbrett“, sagt sie schmunzelnd. Caroline Maly-Motta wurde schon vor Jahren von der Leidenschaft ihres Mannes angesteckt und näht die Kostüme vieler Puppen. „Das Schöne an unserem Beruf ist ja, dass die Fantasie keine Grenzen kennt.“ Weitere Figuren sind bereits in Konstruktion.

Im Theater steht derzeit alles still. Karlheinz Bille bezeichnet sich selbst als „Hausmeister“, der die Spinnweben von der Decke fegt, alle paar Tage die Wasserhähne durchlaufen lässt und den Rasen mäht. „Aber auch die Marionettentechnik muss in Schuss gehalten werden“, sagt der Theaterchef.

Bille und Maly-Motta haben sich Anfang Mai zum ersten Mal wieder in Bad Tölz getroffen, um über ein neues Abendprogramm für Erwachsene zu sprechen. Die beiden fürchten, dass es nicht so leicht werden wird, den Betrieb wieder anzukurbeln. „Die Leute müssen sich erstmal wieder trauen, ins Theater zu gehen“, sagt Bille. Nur jeden zweiten Platz zu besetzen, rentiere sich wirtschaftlich nicht. Und auch für die Puppenspieler hinter der Bühne müsse eine gute Lösung gefunden werden.

Das neue Video steht auf YouTube im Kanal „Marionettentheater Bad Tölz“.

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