„Tausche Alpen gegen Anden“: So heißt der Blog, in dem Martha Ehrtmann aus Lenggries ab September von ihrem Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) in Argentinien berichten will. Bald fliegt die 19-Jährige los.
Lenggries – Im Gegensatz zu vielen Gleichaltrigen, die nach dem Abitur erst einmal „rumreisen“, war für die 19-Jährige klar, dass sie sich sozial engagieren möchte. „Ich habe lange genug das Leben bei meiner Familie genossen, jetzt möchte ich etwas weitergeben“, sagt Martha Ehrtmann.
Nach dem Abitur an der Fachoberschule in Bad Tölz stellt sie sich nun einer großen Herausforderung: Sie kümmert sich um Jugendliche und Kinder, die in einer sozialen Einrichtung der Salesianer Don Boscos leben. Die Schüler können dort schlafen, erhalten Nachhilfe und werden bei den Hausaufgaben betreut. Zudem gibt es Freizeitangebote.
In diesem Team wird Martha Ehrtmann ab September mithelfen. Zusammen mit einer weiteren Volontärin fliegt sie über Madrid ins argentinische Córdoba, um von dort aus eine fünfstündige Busfahrt ins nördlich gelegene Santiago del Estero anzutreten.
Martha Ehrtmann erhofft sich neue Perspektiven auf den Alltag
Die Entscheidung, ins Ausland zu gehen, traf die junge Frau im Abistress. „Ich habe Nachhilfe genommen und Unterstützung von allen Seiten erfahren“, sagt die 19-Jährige. Gerade deshalb möchte die junge Frau etwas an andere weitergeben. Sie möchte den Kindern in Argentinien die europäische Kultur näherbringen und gleichzeitig von den Jugendlichen vor Ort lernen. Ein Anliegen ist ihr auch, Vorurteile abzubauen: „Ich möchte zeigen, dass man gerne hilft, auch wenn man aus Europa kommt. Man darf nicht naiv sein und denken, man könne ganz Argentinien verändern, aber zumindest einen kleinen Teil.“
Außerdem erhofft sie sich durch den Auslandseinsatz eine neue Perspektive auf ihren eigenen Alltag. „Die Ansprüche werden nicht mehr so hoch sein. Man muss sich eben darauf einstellen, dass es nicht jeden Tag warmes Wasser gibt.“
In ihrem Freundeskreis ist Martha Ehrtmann die einzige, die sich nach dem Abitur im Ausland engagiert. Die 19-Jährige findet es schade, dass so wenige ein FSJ wahrnehmen. „Aber das muss jeder für sich selbst entscheiden.“
„Meine Eltern machen sich immer Sorgen“
Seit ihrer Entscheidung herrschen bei Familie und Freunden gemischte Gefühle. „Meine Eltern machen sich immer Sorgen, ob es sicher ist und ob ich an alles denke, aber sie stehen trotzdem voll hinter mir“, sagt die junge Lenggrieserin. Auch Weihnachten wird sie in Argentinien verbringen. „Aber meine Freunde haben versprochen, mich besuchen zu kommen.“
Für den Reiseantritt am 4. September fehlt nur noch ein Schritt: Die Trägerorganisation „Weltwärts“ übernimmt nur 75 Prozent der Kosten. Den Rest finanziert die Don-Bosco-Mission durch Spenden. Einen Teil der insgesamt 10 000 Euro hat
Ehrtmann bereits durch ihre Familie und Freunde zusammengetragen. Sie hofft, dass bis zu ihrer Abreise noch weitere Spender dazukommen. Sponsern können auch Unternehmen, sie bekommen dann regelmäßig einen Bericht. Martha Ehrtmann will aber auch durch ihren Blog im Internet einen Draht zwischen Anden- und Alpental herstellen.
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Im vergangenen Jahr entsendete „Weltwärts“ mehr als 3000 Freiwillige in tausende Einsatzplätze weltweit. In einem pädagogischen Training in Benediktbeuern und einem zweiwöchigen Praktikum im Berufsbildungswerk in Aschau am Inn lernten Ehrtmann und andere Freiwillige den richtigen Umgang mit Jugendlichen.
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Angst vor der Reise hat die junge Frau nicht. Nur ein bisschen unwohl ist ihr, wenn sie daran denkt, dass „nur Jungs im Projekt sind: Ich bin als erste Frau seit sieben Jahren vor Ort.“ Respekt hat die 19-Jährige auch vor den sprachlichen Barrieren und Situationen, in denen ihr Schulspanisch nicht ausreicht. „Die haben dort einen schwierigen Dialekt auf dem Land“, weiß Ehrtmann. Aber das lässt sie nicht zurückschrecken. „Ich bin die erste in meiner Familie, die ins Ausland geht. Meinen Geschwistern möchte ich gerne etwas mitgeben.“ Und wenn dann ein Studium folgt, soll das auch im Ausland sein. (Anton Böhm)
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Der Blog ist im Internet
Auf www.blogs.donboscovolunteers.de/tauschealpengegenanden. Spenden gehen auf das Konto: Don Bosco Mission, Liga Bank München. IBAN: DE 66 7509 0300 0102 1418 76; Verwendungszweck: Martha Ehrtmann S19VR028
Anton Böhm