- VonChristiane Breitenbergerschließen
Menschen wollen unabhängiger von fossilen Energieträgern werden. In Indersdorf will der Landwirt Josef Götz will sein Fernwärmenetz erweitern.
Indersdorf – Nie wurde so viel über die Energiewende gesprochen wie derzeit. Der Ausblick auf den kommenden Winter sorgt viele Menschen. In Indersdorf wird noch heuer ein Projekt gestartet, das in Zukunft zumindest einigen eine alternative Form der Wärmeversorgung bieten kann.
Josef Götz aus dem Ortsteil Ried ist seit zwei Jahrzehnten im Biogas-Geschäft – obwohl er dafür als Landwirt anfangs immer wieder belächelt wurde. Vor allem als es hieß, dass er ganze Haushalte, Firmen und gar die Schule mit seiner Wärme versorgen will. Darüber lächelt in Indersdorf längst keiner mehr – höchstens aus Anerkennung – der Unternehmer versorgt mittlerweile seit elf Jahren mit seinem Fernwärmenetz den gesamten Grund- und Mittelschulkomplex samt Turnhalle, das Hallenbad, 80 Objekte im Gewerbegebiet und sich selbst sowie fünf Nachbarn.
Und dieses Fernwärmenetz will Götz nun erneut erweitern. Insgesamt 120 Haushalte in den Ortsteilen Karpfhofen und Eisfeld könnten angeschlossen werden. „Das ist eine Herkulesaufgabe, die wir ohne das Wissen, das wir uns die vergangenen elf Jahre angeeignet haben, nicht schultern könnten“, sagt Götz.
Indersdorfs Bürgermeister Franz Obesser lobte das Projekt in der jüngsten Gemeinderatssitzung: „Es ist schön, mit Josef Götz einen Partner zu haben, mit dem die Energiewende tatsächlich realisiert werden kann.“ Allein bisher würden wegen des bestehenden Fernwärmenetzes bereits 600 000 Liter Heizöl eingespart – pro Jahr. Das entspricht einer Summe von 2000 Tonnen CO2 jährlich.
Der Plan von Josef Götz ist es, zwei Leitungen entlang des Rothbachs zu legen, an zwei Stellen wird der Bach dafür mit Spülbohrungen untergraben. Baubeginn soll noch diesen Herbst sein. „Da könnten wir noch zehn bis 20 Anschlüsse in Karpfhofen schaffen“, prognostiziert Götz. Der Rest in Karpfhofen und im Eisfeld soll im kommenden Jahr folgen.
Das Vorhaben fällt in eine Zeit, in der sich Privatleute, Gemeinden, Städte und Politiker um die Energieversorgung sorgen. Doch die Pläne für die Erweiterungen des Fernwärmenetzes sind bereits um einiges älter, „die Idee haben wir zusammen mit Bürgermeister Franz Obesser um Zuge des Energienutzungsplanes entwickelt“, sagt Götz.
Die Bedingungen, die diese Erweiterung des Fernwärmenetzes möglich machen, sind auf dem Hof der Familie in Ried zu sehen. „Vergangenes Jahr haben wir viel investiert“, erklärt Götz. Er meint den Ausbau des Wärmespeichers in Form eines eine Million Liter Warmwasser fassenden Turms und den Ausbau des Gasspeichers. Am Hof soll die 1,7 Kilometer lange Leitung beginnen. Und die von fossilen Energieträgern unabhängige Ware zu den Haushalten bringen. „Ich will nicht mit den Ängsten der Leute spielen“, betont Götz. Er sei schlicht „froh, dass wir jetzt da sein können und den Leuten in der Situation jetzt helfen können“. Er plädiert seit Jahren dafür, dass „wir CO2-frei heizen und von den fossilen Energien wegkommen müssen“. Götz weiß: „Die Ortsteile Karpfhofen und Eisfeld sind überwiegend geprägt von Häusern aus den 70er bis 90er Jahren, die vielfach mit Heizöl oder Erdgas beheizt werden.“
Bei 120 neuen Anschlüssen könnten in der Gemeinde im Schnitt weitere 250 000 Liter Heizöl und somit 1000 Tonnen CO2 eingespart werden, so Götz. Für die Menschen, die im Eisfeld und in Karpfhofen wohnen, soll es vor dem Baubeginn Infoabende zum Thema geben.