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Vielerorts in Deutschland gibt es Klagen über den akuten Lehrermangel. Im Landkreis sieht es vor dem Beginn des Schuljahres 2024/2025 besser aus.
Bad Tölz-Wolfratshausen – Laut Staatlichem Schulamt herrschen gute Voraussetzungen für ein reibungsloses Jahr. „Wir gehen mit einer soliden Versorgung in das Schuljahr“, berichtete Schulamtsdirektorin Petra Burkhardt bei einer Pressekonferenz am Donnerstag. In jeder Klasse gebe es eine Lehrkraft, personell sei der Landkreis „gut aufgestellt“.
Insgesamt 683 Lehrkräfte werden an den staatlichen und privaten Grund- und Mittelschulen im Landkreis arbeiten. Sie decken dabei 11 378 Lehrerwochenstunden im Schuljahr 2024/2025 ab. 374 Stunden und damit rund drei Prozent der Stunden werden von sogenannten Substitutionskräften geleistet. Das sind Menschen, die zwar nicht auf Lehramt studiert haben, aber einen anderweitigen Hochschulabschluss haben.
Schulen im Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen: „Ersatzlehrer“ haben sich bewährt
„Das ist eine Personengruppe, die sich bewährt hat“, so Burkhardt. Die „Ersatzlehrer“ werden vor allem in Nebenfächern und in der Deutschförderung eingesetzt. Einen zunehmenden Mangel gebe es jedoch bei den Lehramtsstudenten für die Mittelschule. Das liege an der Bezahlung und daran, dass es für das Studium im Grundschullehramt nun keine Zulassungsbeschränkung mehr gibt. Burkhardt warb daher für die Mittelschule. Ab 2027 werde die Eingangsbesoldung dort erhöht.
Weil es auch bei den Schülerinnen und Schülern einen Zuwachs gibt, müssen die Schulen laut Burkhardt „sehr straff planen“. Es gehe darum, „wie man die Ressourcen am besten einteilt“. 6516 Buben und Mädchen werden im kommenden Schuljahr eine staatliche Grund- oder Mittelschule besuchen. Das sind 116 mehr als im vergangenen Schuljahr. Dieser Anstieg sei auch auf den Zuzug Geflüchteter zurückzuführen, so Burkhardt. In beiden Schularten gebe es weniger Schulanfänger.
Durchschnittlich liegt die Klassenstärke an den Grund- und Mittelschulen im bei 22,6. Im vergangenen Schuljahr lag der Wert bei 22,8. „Das sind etwas größere Klassen als im Bayern-Schnitt, aber immer noch gut zu vertreten“, befand die Schulamtsdirektorin.
Deutschklassen haben hohe Fluktuation
Nicht zustande gekommen ist heuer eine Vorbereitungsklasse an der Mittelschule. Es habe nicht genügend Bewerber mit den nötigen Voraussetzungen gegeben, sagte Burkhardt. Für die Schülerinnen und Schüler gibt es nun die Möglichkeit, ihren Mittelschulabschluss in zwei Jahren in den M-Klassen zu absolvieren.
Ein wichtiger Beitrag der Schulen zur Integration sind auch in diesem Jahr die Deutschkurse für geflüchtete Kinder. An den Mittelschulen Bad Tölz-Süd, Geretsried und Waldram gibt es dafür eigene Deutschklassen sowie zwei schulartunabhängige Deutschklassen am Gabriel-von-Seidl-Gymnasium in Bad Tölz und an der Isar-Loisach-Realschule Wolfratshausen.
„Die Klassen sind bereits gut gefüllt“, sagte Burkhardt. Es gebe jedoch eine hohe Fluktuation. Die Klassen seien vorgesehen für Kinder ohne Deutschkenntnisse. „Es ist im Interesse aller, dass sie möglichst schnell Deutsch lernen.“ An den Grundschulen werden die Kinder in den Regelklassen integriert. „Die Schulleiter versuchen, sie möglichst sinnvoll zu verteilen“, so Burkhardt. Die Brückenklassen für Kinder aus der Ukraine gibt es hingegen nicht mehr.
Drei weitere Schulen bekommen Tablets
Laut Schulrätin Ute Hübner gibt es an den Schulen im Landkreis mehrere neue Projekte. Neben der Jahn-Grundschule ist nun auch die Grundschule in Reichersbeuern eine „Sport-Grundschule“. Dort gibt es fortan eine dritte Sportstunde in der ersten Klasse und ein vermehrtes Augenmerk auf die Themen Bewegung und gesunde Lebensführung. Die Mittelschulen Gaißach, Königsdorf und Wolfratshausen werden zur „Digitalen Schule der Zukunft“. Sie werden – wie im vergangenen Jahr bereits die Mittelschule in Benediktbeuern – mit digitalen Endgeräten ausgestattet.
Zahlen zum Schulstart
1274 Erstklässler starten am kommenden Dienstag ins Schulleben (Vorjahr: 1303).
7214 Mädchen und Buben besuchen im Schuljahr 2024/2025 die Grund- und Mittelschulen im Landkreis – inklusive Privatschulen (Vorjahr: 7062).
2114 Kinder und Jugendliche haben einen Migrationshintergrund (nur staatliche Schulen).
Von den insgesamt 318 Klassen haben 51 weniger als 20 Schüler, 206 haben 20 bis 25 Schüler, 55 Klassen haben 26 bis 28 Schüler und sechs Klassen haben 29 oder 30 Schüler.
Von den 683 aktiven Lehrpersonen sind 37 Lehramtsanwärter.
8 Schulpsychologinnen und eine Beratungsrektorin (Schulpsychologie) sind im Einsatz.
„Das ist ein sehr gutes Angebot für die Schule“, erklärte Hübner. Die Anschaffung der Geräte wird finanziell gefördert. In der Regel handelt es sich dabei um Tablets. Sie kommen in maximal zwei Jahrgängen und frühestens ab der fünften Klasse zum Einsatz. Für Eltern, die das Gerät nicht anschaffen können oder möchten, gibt es Leihgeräte. „Das Tablet ist kein Heftersatz, sondern eine Möglichkeit, den Unterricht auszubauen“, sagte Hübner. „Wenn wir das in der Schule nicht angehen, wann dann?“, ergänzte Burkhardt. Es sei eine Aufgabe der Schule, die Kinder auf die Herausforderungen der Digitalisierung vorzubereiten. (vfi)
