Preise drohen zu steigen

„Wir sind ohnehin gebeutelt“: Wirte gegen Anstieg der Mehrwertsteuer ab 1. Januar 2024

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20 Euro mehr auf der Rechnung einer vierköpfigen Familie befürchtet Max Schmidramsl aus Ismaning, sollte die Mehrwertsteuer auf Speisen wieder auf 19 Prozent steigen.
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Ab 1. Januar 2024 soll die Mehrwertsteuer auf Speisen wieder von sieben auf 19 Prozent steigen. Wirte fordern, dass der niedrige Satz beibehalten wird. Sonst drohen die Preise massiv zu steigen.

Landkreis – Sie sollte eigentlich nur übergangsweise gelten, um der Gastronomie in der Pandemie das Überleben zu sichern: die Reduzierung der Umsatzsteuer auf Speisen von 19 auf sieben Prozent. Die Branche warnt nun aber davor, ab 1. Januar 2024 zurück zur höheren Mehrwertsteuer zu müssen, wie vom Gesetzgeber vorgesehen. Im Landkreis sind sich die Wirte einig: Die Speisen sollten unbedingt gering besteuert bleiben. Schließlich sind exorbitante Energiekosten, Inflation und der Fachkräftemangel nicht plötzlich verschwunden.

„Nein, sie steigt nicht!“ Die Präsidentin von Dehoga Bayern, Angela Inselkammer aus Aying, hat ihren Optimismus behalten, bekommt auch Rückenwind von der Bayerischen Regierung und kämpft für die sieben Prozent, solange sie keinen anderslautenden Bescheid erhalten hat.

 „Die zwölf Prozent Mehrwertsteuererhöhung können wir unmöglich auch noch schlucken.“ 

Angela Inselkammer 

Falls die Erhöhung kommt, wird es für die Gaststätten sehr schwierig. In allen Bereichen verzeichne die Branche enorme Kostensteigerungen: immer höhere Personalkosten sowie Lebensmittel und Energiekosten. „Die zwölf Prozent Mehrwertsteuererhöhung können wir unmöglich auch noch schlucken.“ Sie müssten an die Gäste weitergegeben werden.

Das ausgerechnet in einer Lage, in der bereits jeder belastet ist. Inselkammer prophezeit für diesen Fall einen zurückgehenden Umsatz, weil sich die Menschen den Restaurantbesuch weniger leisten können. „Entweder essen sie weniger und nur noch ein Gericht statt zwei oder sie gehen seltener aus.“ In einer Umfrage der Gaststättenbranche mit 1200 Teilnehmern habe sich gezeigt, dass in Bayern rund 2000 Betriebe schließen müssten, weil sie in diesem Szenario nicht mehr existieren könnten. Inselkammer: „Eine flächendeckende Versorgung mit Gastronomie wird dann nicht mehr funktionieren.“

„Wir müssten die Preise erhöhen“

In Aying weiß Angela Inselkammer noch nicht, wie die Gäste reagieren würden. Der Brauereigasthof sei nicht preissensibel, das Bräustüberl schon. Dort schätze man das Unkomplizierte und die Gemütlichkeit, aber auch die bezahlbaren Preise. Die Ayinger Dehoga-Präsidentin glaubt allerdings fest daran, dass die Politik auf die Branche eingehen wird. Nicht zuletzt deswegen, weil es knapp 90 Prozent Zustimmung aus der Bevölkerung gebe.

Die Hoffnung teilt Wirt Max Schmidramsl (58) aus Ismaning: „Wir sind ohnehin gebeutelt, und es ist schwierig im Moment. Wir müssten die Preise erhöhen. Aber sicher.“ Bei einer vierköpfigen Familie seien das schnell mal 20 Euro mehr auf der Rechnung. Im Neuwirt achtet die Geschäftsführung auf ein gutes Verhältnis zum Personal. So wurde die Inflationsprämie laut Schmidramsl in voller Höhe an die Mitarbeiter ausbezahlt. Dadurch habe man in Ismaning die Mitarbeiter halten können. Und zwar alle 30 seit der Coronazeit. „Wenn man ihnen das zuteilwerden lässt, was sie verdienen, dann bleiben sie auch.“

Letztlich Erhöhung auf rund zehn Prozent?

Neue zu akquirieren, sei dagegen fast unmöglich. Beim Neuwirt suchte man ein halbes Jahr, bis ein neuer Koch gefunden wurde. Die Ismaninger scheinen die Kreationen zu schätzen. Ohne Reservierung gibt es am Wochenende keine Tische. Beliebt sind die Wildgerichte, die Ochsenbackerl, Kalbshaxn und andere bayerische Klassiker sowie die Saiblinge, Forellen und Karpfen aus dem eigenen Teich.

Wirt Thomas Roiderer (45) aus Straßlach lobt die Umsatzsteuersenkung, die bis Ende des Jahres greift. Sie habe bewirkt, dass der Wildpark die gesamten höheren Kosten abfangen konnte. „Denn es gab höhere Lohnkosten, weil uns die Leute durch Corona abgehauen sind.“ Wie der Haushalt daheim wurde auch die Gastronomie durch die höheren Strom- und Gaspreise erwischt. Bei einer Erhöhung werde es nicht nur Straßlach treffen, sondern die Gastronomen in ganz Deutschland würden gezwungen, die Preise weiterzugeben. „Wir müssten komplett neu kalkulieren.“ Sein Bauchgefühl sagt Roiderer, dass die Erhöhung auf rund zehn Prozent hinauslaufen werde. „Dann hat aber der Wirt keinen Cent mehr verdient.“

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