Umfrage unter Gastronomen

Mehrwertsteuer soll wieder steigen, Wirte sorgen sich: „Existenzbedrohend“

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Ein Plakat für den Erhalt der sieben Prozent Mehrwertsteuer: Florian Egner vom Alten Wirt in Krailling setzt sich für den Erhalt des niedrigeren Mehrwertsteuersatzes in der Gastronomie über das Jahresende hinweg ein. Er befürchtet, dass die Preise um mindestens 15 Prozent steigen, wenn wieder der reguläre Mehrwehrsteuersatz gilt. Egner will notfalls Ruhetage einführen oder Personal ausstellen, um als Gastronom überleben zu können. Wir werden bei den Essenspreisen zwölf Prozent draufschlagen müssen. Christine Scholler, Betreiberin vom Gasthof zu Sonne

Kurz nach Beginn der Corona-Pandemie hat die Bundesregierung den Mehrwertsteuersatz für die Gastronomie von 19 auf sieben Prozent gesenkt. Diese Maßnahme soll zum Ende des Jahres auslaufen. Wirte blicken besorgt in die Zukunft.

Landkreis – Was hat ein ofenfrischer Schweinebraten mit dem Auslaufen eines Beschlusses aus der Corona-Pandemie zu tun? Ganz einfach: Sobald die aktuelle Regelung ausläuft, geht die Mehrwertsteuer in der Gastronomie von sieben auf 19 Prozent zurück – und das wirkt sich auch auf den Preis eines Schweinebratens aus. Gastronomen sorgen sich wegen der anstehenden Rückkehr des Mehrwertsteuersatzes. Der Starnberger Merkur hat mit mehreren gesprochen.

  • Sepperlwirt Meiling

Katharina Kowollik (39) führt mit ihrer Familie den Sepperlwirt im Seefelder Ortsteil Meiling. Sie berichtet: „Wir sorgen uns und überlegen, ob wir die Differenz von zwölf Prozent aufschlagen müssen oder schlucken können.“ Derzeit kostet beim Sepperlwirt ein Schweinebraten mit Salat 15,90 Euro, ob es dabei bleibt, ist fraglich. Mittlerweile laufe das Geschäft wieder gut und die Corona-Nachwehen seien auch nicht mehr zu spüren, sagt Kowollik. „Ich hoffe immer noch, dass die Erhöhung nicht kommt, aber ich habe kein gutes Gefühl.“ Essen gehen betrachtet sie als Luxus.

  • Augustiner am Wörthsee

Till Weiß bewirtet den Augustiner am Wörthsee. Er findet es falsch, die Steuer in der Gastronomie wieder zu erhöhen. „Essen sollte leicht zugänglich sein, auch für Familien, aber es ist viel zu teuer“, sagt der 43-Jährige. So kostete ein Schweinebraten mit Salat vor der Inflation 13,90 Euro im Augustiner, mittlerweile liegt der Preis bei 15,90 Euro. Was er bei einem Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent kosten wird, wisse er noch nicht, sagt Weiß.

Die Geldbeutel seien ohnehin durch die Inflation viel enger geworden. „Die Gäste verzichten aufs Apfelküchlein oder auf das letzte Bier“, beobachtet der Wirt. Außerdem sei die Planbarkeit für das kommende Geschäftsjahr miserabel, schließlich wisse niemand so genau, ob es zur Rückkehr auf 19 Prozent komme oder nicht.

  • Gasthof Widmann Gilching

Der Gasthof Widmann in Gilching wird von Michael Jakob-Widmann (40) und seiner Familie geführt. „Wir sind auf den Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent angewiesen, um wirtschaftlich arbeiten und unser Personal gut bezahlen zu können“, sagt er. Mit einer Rückkehr des Steuersatzes würden die Preise extrem steigen, fügt er hinzu. Er habe bislang keine neuen Preise kalkuliert. Den zukünftigen Schweinebratenpreis, der aktuell noch 13,90 Euro inklusive Salat beträgt, schätzt er auf circa 17 Euro. „Die Steuererhöhung kurbelt die Inflation nur weiter an“, kritisiert er und befürchtet ein „Gastronomiesterben“.

  • Gasthof zur Sonne Starnberg

Auch Christine Scholler (56), Betreiberin des Gasthofs zur Sonne in Starnberg, ist die Rückkehr zu 19 Prozent Mehrwertsteuer ein Dorn im Auge. „Wir werden bei den Essenspreisen zwölf Prozent draufschlagen müssen. Es geht leider nicht anders,“ sagt sie und fügt hinzu, dass sich bereits heute viele frühere Stammgäste aufgrund der hohen Energiekosten und der Inflation kein Tagesmenü plus Getränk mehr leisten könnten. Derzeit kostet ein Schweinebraten mit Salat beim Scholler 13,30 Euro. „Wir sind damit noch im unteren Preisgefüge,“ sagt die Gastronomin. An den Preisen von „Scholler’s Partyservice“ werde sich zunächst nichts ändern, betont sie. Das liege daran, dass die Besteuerung bei Essen zum Mitnehmen ohnehin sieben Prozent betrage.

  • Klostergasthof Andechs

Der Klostergasthof Andechs habe die Kosten bereits durchkalkuliert und sei vorbereitet, sagt Wirt Ralf Sanktjohanser (53). „Die Erhöhung auf 19 Prozent ist mit Sicherheit für viele kleine Gasthäuser existenzbedrohend“, prophezeit er. Im Klostergasthof kostet der Schweinebraten mit Salat derzeit 17,50 Euro. Was sich am Preis bei einer Rückkehr zum alten Mehrwertsteuersatz ändern wird, verrät Sanktjohanser noch nicht.

  • Midgardhaus Tutzing

Michael Urban (34) führt mit seinem Vater Alexander Urban das Midgardhaus in Tutzing. Auch er sorgt sich: „Die Steuererleichterung war am Anfang schön, dann kamen aber die exorbitanten Preissteigerungen.“ Die zwölf Prozent Differenz müssten sie an die Gäste weitergeben. Neue Preise habe er aber noch nicht kalkuliert. Auch im Midgardhaus sei die Inflation deutlich zu spüren. Im September 2023 hätten sie 20 Prozent weniger Umsatz als im Jahr zuvor erzielt, obwohl sie einen Tag mehr pro Woche geöffnet hätten. Urban: „Wir befinden uns in einer schlechteren Situation als 2019.“

Pia Maurer und Franziska Weber

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