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Zu wenig Platz und nur drei Waschmaschinen für 72 Bewohner – Franz Leutner (68) kritisiert die Zustände in der Flüchtlingsunterkunft Lindum.
Lindum – „Das sind doch menschenunwürdige Verhältnisse, da gibt es keine Rückzugsmöglichkeiten“, klagt der Dorfener. Zwei vierköpfige Familien leben dort auf nur jeweils 16 Quadratmetern. Gespart werde nicht nur an Raum, sondern auch an Hygiene.
„Diese Kinder sind doch prädestiniert, Problemkinder zu werden“, sagt Leutner, der sich bei der Flüchtlingshilfe Dorfen engagiert. Die Unterkunft in Lindum ist in der Trägerschaft der Regierung von Oberbayern. Deren Pressesprecherin Verena Gros bestätigt: „In der Gemeinschaftsunterkunft in Lindum gibt es zwei Räume, die bei einer Größe von 16 Quadratmetern mit einer vierköpfigen Familie belegt sind.“ Nach Auskunft der Verwaltungsleitung vor Ort habe es aber eine der Familien bereits mehrfach abgelehnt, in ein größeres Zimmer zu wechseln, berichtet Gros. Das weiß auch Leutner, kann aber eine Erklärung liefern: „Weil die Familie bei den neuen Nachbarn Konflikte mit der anderen Nationalität befürchtet hat.“
Die zweite Familie im 16-Quadratmeter-Zimmer erwarte zeitnah ein weiteres Kind, sagt Groß: „Für diese Familie ist ein Umzug nach der Entbindung in eine größere Räumlichkeit geplant.“ Jedem Erwachsenen in Lindum sollen durchschnittlich sieben Quadratmeter Wohnraum zustehen, so Groß. Ergo: Im Fall der vierköpfigen Familien hätten allein die Eltern einen Anspruch auf ein 14 Quadratmeter großes Zimmer.
Schon vor einem Jahr forderte Flüchtlingshelfer Anton Empl aus Dorfen für Lindum einen sofortigen Aufnahmestopp. 60 Personen lebten im März 2018 dort, mittlerweile sind es sogar 72 Geflüchtete. Leutner: „Davon sind 26 Kinder und vier Jugendliche, die Unterkunft ist längst überbelegt.“
Mehrköpfige Familien wohnen häufig in nur einem Raum, sagt Leutner. „Manche Zimmer sind mit Betten so zugestellt, dass ein Durchkommen kaum möglich ist“ – obwohl die Unterkunft laut Regierung sogar für etwa 110 Asylbewerber ausgelegt ist. Zumindest eine gute Nachricht: „Weitere Zuweisungen sind aktuell nicht geplant“, schreibt Regierungssprecherin Gros.
Nicht nur die bedrückende Enge ärgert Leutner: „Drei von sechs Waschmaschinen wurden in Lindum aus nicht näher erläuterten Gründen abgeschafft.“ Dazu sagt Gros: „Als es kürzlich zu einem Defekt von drei der sechs Waschmaschinen kam, wurden die defekten Geräte nicht mehr ersetzt.“ Eine Maschine müsse für 35 Personen reichen: „Die Bereitstellung von drei Waschmaschinen wird als ausreichend empfunden.“ Leutner sieht das anders: „Drei Waschmaschine mit jeweils fünf Litern Volumen für 30 Personen ist bei den vielen Kleinkindern ein Desaster.“
Er schätzt die Lage in Lindum so ein: „Am Geld dürfte es hierzulande nicht liegen, um den Familien und ihren Kindern bessere Lebensbedingungen zuzugestehen“, aber: „Offensichtlich fehlt es am Willen und an der Menschlichkeit.“