Von schrägen Rettungsschwimmern, streitlustigen Omas und neugierigen Schwänen - als Bademeister erlebt Eric Henschel so einiges. Doch gerade das macht seinen Job im Michaelibad so unterhaltsam.
München - Eric Henschel ist Fachangestellter für Bäderbetriebe im Michaelibad in München. 2024 schloss der 27-Jährige nach drei Jahren seine Ausbildung ab. Seit zwei Jahren ist er schon im Michaelibad tätig. Bis zu 8.000 Besucher kämen je nach Wochentag und Wetterlage ins größte Freizeitbad Münchens in Neuperlach. In dieser kurzen Zeit hat er schon viel erlebt. „Es passieren sehr viele witzige Dinge hier und jeden Tag gibt es was anderes. Man muss immer spontan reagieren. Selbst einer unserer ältesten Mitarbeiter, der schon seit 50 Jahren hier ist, wird regelmäßig überrascht“, erzählt der Bademeister.
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Besonders die Badegäste halten das Personal auf Trab. „Man denkt sich oft: Die denken sich jedes Mal was neues aus, um uns zu ärgern“, sagt Henschel scherzhaft, „Sobald man ihnen den Rücken kehrt, versuchen die einen auszutricksen.“ Da wären einmal die Absperrungen, die manche eher als Herausforderung verstehen. „Die meinen, das ist ein Hürdenlauf. Die machen da Saltos drüber“, sagt Henschel kopfschüttelnd. Andere wiederum scheinen die Schwimmbad-Etikette nicht verstanden zu haben: „Wir hatten schon Leute, die in Straßenkleidung oder nur in Unterhose ins Wasser wollten. Manche wollen auch mit dem Handtuch oder gleich ganz nackt rein. Die fragen uns dann: Wie soll ich denn sonst schwimmen gehen?“, erzählt Henschel.
Michaelibad - Öffnungszeiten:
Hallenbad und Sauna: Mo. – So. von 7:30 bis 23 Uhr (Aufgrund von Revisionsarbeiten noch bis 25. Mai geschlossen)
Freibad: Mo. – Do. ab 10 Uhr, Fr. – So. und Feiertage ab 9 Uhr
Die typischen Stereotype von Deutschen im Urlaub gibt es auch hier im Hallenbad: Besucher, die in aller Früh mit ihren Handtüchern schon Liegen beanspruchen, Stammgäste, die zur Öffnungszeit schon im Wasser sein wollen und sich beschweren, wenn man eine Minute zu spät die Türen öffnet. „Und dann gibt es da natürlich immer - blöde gesagt - die Oma, die schon seit 30 Jahren immer an derselben Stelle schwimmt und sich beschwert, wenn jemand Neues kommt“, fügt Henschel schmunzelnd hinzu.
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„Man muss schon etwas verrückt sein, um dabei zu bleiben.“
Wirklich skurril sei jedoch die Masse an Fundsachen, die Henschel und seine Mitarbeiter im Michaelibad finden. „Spielzeug kann ich ja noch nachvollziehen“, meint der Bademeister, „Aber wir finden auch viele Badehosen, Handtücher, Taucher- als auch Lesebrillen, sowie Hosen und Schuhe. Da fragt man sich, wie sind sie nach Hause gekommen?“ Handys würden stattdessen eher selten wegkommen. „Das erstaunt mich schon, weil viele die mittlerweile ja einfach offen herumliegen lassen. Aber die Leute scheinen eher Kleidung zu stehlen“, sagt Henschel achselzuckend.
Neben den Badegästen seien aber auch unter den Rettungsschwimmern ein paar „schräge Leute“ dabei. „Das sind ehemalige Geschäftsleute, viele Studierende, aber auch Rentner, die halt irgendwas erleben wollen. Sogar Buchautoren hatte ich schon bei uns.“ Um Rettungsschwimmer zu werden, brauche es nicht viel: Man müsse lediglich über 18 Jahre alt, körperlich und geistig fit sein und mindestens das Deutsche Schwimmabzeichen Silber haben. Und: „Man muss irgendwo auch etwas verrückt sein, um dabei zu bleiben“, scherzt Henschel.
Tierische Besucher lockern den Alltag im Schwimmbad auf
Körperlich fit müsse man auf jeden Fall sein, wenn es darum ginge, die in der Gegend lebenden Enten und Gänse von den Becken fernzuhalten. Einen ganz besonderen tierischen Besucher hatte das Michaelibad im letzten Jahr. „Wir hatten einen Schwan hier. Der ist überall herumspaziert und hat die Leute angeschnattert“, erinnert sich Henschel und muss dabei lachen. Selbst das Büro besuchte der neugierige Schwan, den die Angestellten „Melmen“ tauften. „Sonst war er aber total entspannt.“