VonChristian Masengarbschließen
Der Asiatische Laubholzbockkäfer wurde in Gehölzen vor dem Waitzinger Keller und an der Riviera gefunden. Heißt: Einige von Miesbachs prägendsten Bäumen werden gefällt.
Miesbach – Der Waitzinger Park ist in Gefahr. Der Asiatische Laubholzbockkäfer (ALB) wurde im Baum an der südöstlichen Ecke des Waitzinger Kellers, Richtung Waitzinger Wiese, sicher nachgewiesen, meldet Frank Nüßer, Leiter der Arbeitsgruppe ALB an der Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL). Damit fällt knapp die Hälfte des Parks in die 100-Meter-Zone um den Befall, in der alle bekannten Wirtspflanzen des ALB gefällt werden müssen – und die Bäume im Park sind fast alle Wirtspflanzen. Immerhin: Gerüchte, nach denen Ei-Ablagen direkt im Waitzinger Park gefunden wurden, verneint Nüßer. Baumkletterer hätten den Park durchsucht, ihm seien aber keine Funde bekannt. Für den nördlichen Teil bestehe also Hoffnung, den Fällungen zu entgehen, sagt er.
Seit der Käfer vor einem Monat vor dem Miesbacher Finanzamt gefunden wurde, weiten sich die Fällradien stetig aus. Auch an der Brücke bei der Riviera steht ein Verdachtsfall, berichtet Nüßer. Die Labor-Untersuchungen stehen zwar noch aus, der Baum weist aber alle optischen Merkmale für einen ALB-Befall auf. Selbst Nüßer, der nur todsichere Erkenntnisse an die Medien weitergibt, nennt ihn im Gespräch mit unserer Zeitung als Befall. Bestätigt sich der Verdacht, wird auch der Großteil der Riviera gefällt. Ein weiterer befallener Baum steht auf einem Grundstück gegenüber dem Vitanas-Seniorenheim an der B 472. Zwei Verdachtsfälle nördlich der bisher bestätigten werden sich die Experten noch ansehen. Noch will Nüßer zu ihnen nichts sagen.
Damit es nicht noch schlimmer wird, bittet Elke Zahner-Meike um die Hilfe der Bevölkerung. Die Pressesprecherin der Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) weiß: Selbst Baumkletterer finden nur 70 bis 90 Prozent der befallenen Bäume. Ohne die Hilfe der Miesbacher haben es die Experten daher schwer gegen den ALB. Im Folgenden die wichtigsten Tipps dazu im Überblick.
Lebende Gehölze
Der ALB befällt nur lebende, vitale Laubbäume, Sträucher und Hecken. Der flugfaule Käfer legt seine Eier zwar am liebsten in den Stamm, aus dem er geschlüpft ist. Ist dieser aber bereits geschwächt, wechselt er auf einen nahen stärkeren Baum. In sterbenden oder abgestorbenen Bäumen ist er nie zuhause. Damit ist der ALB eine Ausnahme gegenüber den Käfern, die sonst im Landkreis vorkommen: Der Großteil der Arten lebt auf oder in absterbenden oder toten Bäumen. Das erleichtert die Diagnose. Wer Bohrlöcher oder Späne an einem toten Gehölz entdeckt, weiß: Das kann kein ALB sein. Wer aber Löcher an einem ansonsten gesunden Baum findet, sollte die LfL informieren.
Wirtspflanzen
Zwar befallen auch einige heimische Bockkäfer lebende Bäume. Doch diese leben in anderen Baumarten als der ALB, erläutert die LfL. In Miesbach hat er bislang vor allem Ahornbäume befallen. Die LfL führt auf ihrer Internetseite eine Liste mit 16 bekannten Wirtsgehölzen, in denen der Käfer in Europa nachgewiesen wurde. Wer sich bei der Suche auf diese Gehölze konzentriert, vermeidet Fehlalarme. Gleichzeitig kann man sicher sein: Kreisrunde Bohrlöcher in der Größe eines Ein-Euro-Stücks an einem Ahorn verursacht kein anderer Käfer.
Noch fliegen Käfer
Wer nach dem ALB Ausschau hält, kann derzeit noch den fertig entwickelten Käfer finden, sagt Zahner-Meike. Wegen der noch warmen Temperaturen sollten die Käfer bislang überlebt haben. Sobald es kälter wird, werden sie sterben. Dann verraten sich befallene Bäume nur noch durch Löcher im Stamm, Späne in den Astgabeln und die langsam absterbende Krone. Wer Bäume auf den ALB überprüft, sollte sich also zunehmend auf diese Merkmale konzentrieren.
Überall suchen
Auch wenn der Käfer aus eigener Kraft pro Generation höchstens einige hundert Meter schafft: Selbst wer weit weg wohnt vom derzeitigen Befallszentrum am Finanzamt, sollte seine Bäume auf den ALB überprüfen. Dieser heftet sich auch an Autos und kann sich so auf den Wegen des Menschen verbreiten. Die Experten des LfL durchsuchen wegen der höheren Wahrscheinlichkeit derzeit Bäume um das Finanzamt. Für den Rest der Stadt brauchen sie die Hilfe der Bürger.
Im Zweifel melden
Auch wenn der ALB sich in Details verrät: Die Unterschiede zu anderen Käfern sind nicht immer eindeutig. „Im Zweifelsfall sollen uns die Menschen anrufen“, sagt Zahner-Meike deswegen. Die Experten kontrollieren lieber einen Baum zu viel als einen zu wenig.
Kontakt
Hinweise zum ALB nimmt die Landesanstalt für Landwirtschaft unter der Telefonnummer 0 81 61/71 57 30 entgegen.



