VonSebastian Grauvoglschließen
Jetzt geht es an die Details. Bis Ende Oktober laufen die Gespräche zwischen dem Landkreis und den beiden siegreichen Architekten im Wettbewerb für den Ersatzbau des Landratsamts.
Miesbach – Die weißen Klötzchen auf den Modellen sollen Struktur bekommen – und ein Innenleben. Wie viele Fenster erhalten die Wohnungen? Werden die Decken und Treppen in den Bürogebäuden aus Holz oder Beton gefertigt? Verteilen sich die Stellplätze in der Tiefgarage auf zwei oder drei Ebenen? Fragen wie diese werden den Arbeitskreis für den Ersatzbau des Landratsamtes in den kommenden Wochen intensiv beschäftigen – und die beiden im Wettbewerb siegreichen Architekten.
Wie berichtet, hat eine Fachjury im Sommer 2018 zwei von 25 eingereichten Entwürfen ins finale Auswahlverfahren aufgenommen: ein z-förmiges (im Wettbewerb Platz eins) und c-förmiges Gebäude (Platz zwei). Kurz danach sprach sich der Kreisausschuss dafür aus, Landratsamt und Wohnbebauung in einem Bauabschnitt zu errichten. Seitdem ist es vermeintlich ruhig geworden um das Großprojekt an der Münchner Straße in Miesbach. Hinter den Kulissen sieht es anders aus, versichert Kreiskämmerer Gerhard de Biasio auf Nachfrage. „Wir arbeiten mit Hochdruck dran.“ Und das immer mehr in den Details.
Die wollen die Fachleute am Landratsamt mit den Architekten besprechen. Der Ersatzbau des Landratsamts ist dabei genauso Thema wie die daneben geplanten Wohnungen und die Tiefgarage, erklärt de Biasio. Auch wenn es sich streng genommen um zwei voneinander getrennte Verfahren handle: „Wir wollen alles in einem Aufwasch vergeben“, sagt der Kämmerer. Die Gewerke seien so eng miteinander verknüpft, dass es keinen Sinn habe, zwei Architekten mit der Abwicklung zu beauftragen. Die Entscheidung soll der Kreisausschuss im November fällen.
Die Vorstellungen, wohin die Reise geht, sind auf Seiten des Landratsamtes schon ziemlich konkret. Der Ersatzbau für die Büros soll in Holzhybridbauweise ausgeführt werden. Zentrale Elemente wie Zimmerdecken oder Treppenhäuser bestünden dabei aus Beton. Der Vorteil: ein weniger aufwendigerer Brandschutz und ein vor allem im Sommer angenehmeres Klima. „Beton speichert die nächtliche Kühle besser“, erklärt de Biasio. Aus Ziegeln sollen hingegen die Mauern der Wohnbebauung in die Höhe wachsen. Hier favorisiere man zwei Häuser statt einem, berichtet der Kreiskämmerer. Sämtliche Autos – auch die der Behördenbesucher – sollen in der Tiefgarage mit 230 Plätzen stattfinden. Aus Kostengründen nur auf zwei statt auf drei Ebenen, betont der Kämmerer. „So kommen wir um teure Belüftungstechnik herum.“
Die 26 Wohnungen sollen in erster Linie Mitarbeitern des Landkreises zur Miete angeboten werden. Gerade für Angestellte des Krankenhauses, in der Altenpflege oder im Kreisbauhof eine große Chance, bezahlbar in eigene vier Wände zu kommen. Die man sich beim Bau an den Kriterien für sozialen Wohnungsbau orientieren werde, stünden auch ein Zuschuss des Freistaats sowie günstige Kredite in Aussicht.
Ob die überhaupt abgerufen werden, müsse der Kreistag entscheiden, erklärt de Biasio. Stand jetzt sei geplant, die rund 30 Millionen Euro aus Eigenmitteln zu stemmen. Der Kämmerer geht aber davon aus, dass es durch die Hochkonjunktur im Bausektor zu Preiserhöhungen kommen könnte. „Wir sind im Zeitplan deutlich ins Hintertreffen geraten“, räumt de Biasio ein. Dies begründet er mit der allgemeinen Komplexität des Vorhabens.
Ein weiterer Unsicherheitsfaktor steht noch bevor: die erforderliche Bebauungsplanänderung durch die Stadt Miesbach. Voraussichtlich im März werde man den Antrag ans Rathaus weitergeben, sagt de Biasio. Bereits jetzt stehe man im engen Austausch. Letztlich laufe es aber auf eine politische Entscheidung im Stadtrat hinaus – mit den bekannten Unwägbarkeiten. Läuft alles nach Wunsch, könnte das Landratsamt Anfang 2024 die Kisten packen – nach zweieinhalb bis drei Jahren Bauzeit.

