VonStephanie Uehleinschließen
Das Patenboot Weilheims bei der Marine hat mit Beata Król erstmals eine Frau auf dem Posten des Kommandanten. Statt in Uniform präsentierte sich die Korvettenkapitänin kürzlich im neuen Dirndl.
Weilheim – Die Verbindungen von Weilheim zur Marine im hohen Norden sind in den vergangenen zwei Jahren weniger offensichtlich gewesen als sonst. Denn pandemiebedingt entfiel zusammen mit dem Christkindlmarkt in der Kreisstadt auch der mit ihm verbundene Glühweinverkauf durch Marine-Soldaten. Doch jetzt gibt es Neuigkeiten von Weilheims Patenboot.
„Ungewissheit in der Pandemie, die Einsatzbereitschaft des Bootes und nicht zuletzt die vielen kleinen Unwägbarkeiten in der Marine ließen einen Besuch der Besatzung das Patenbootes in der Patenstadt nicht mehr zu“, so Hans Stibich, erster Vorsitzender der Marinekameradschaft Weilheim, rückblickend in einer Mitteilung. Der letzte Besuch einer Delegation, der vor der Pandemie stattfand, war der mit Kommandant Kapitänleutnant Florian Förster im Dezember 2019 – anlässlich des Christkindlmarktes.
Korvettenkapitänin hat zwei Namensänderungen erlebt
Doch jetzt war es wieder so weit – es kamen Gäste aus dem hohen Norden: Beata Król, seit 2020 als erste Frau Kommandant der „Weilheim“, und fünf Besatzungsmitglieder kamen auf Einladung von Bürgermeister Markus Loth im Juli nach Weilheim, um die Patenstadt ihres Minenjagdbootes kennenzulernen. Korvettenkapitänin Król hat bereits zwei Namensänderungen der Bootsbesatzung miterlebt. Als sie das Boot übernahm, wurde die Besatzung „Alpha“ genannt, ab 2020 hieß sie dann „Fulda“, und seit 2021 trägt sie den Namen „Weilheim“. Das bedeutet, zum Minenjagdboot „Weilheim“ gehört jetzt – wieder – die Besatzung „Weilheim“.
Die „Weilheim“ liegt gerade auf dem Trockendock
Auch in Bezug auf das Boot selbst hat Stibich Neuigkeiten: „Seit 30. März des Jahres liegt das Patenboot der Stadt in einem Trockendock in der Pene-Werft Wolgast“, so Stibich. „Nach knapp fünf Jahren Fahrzeit und mehr als 40 000 zurückgelegten Seemeilen hat sich die Werft-Liegezeit nicht länger hinauszögern lassen. Auf die ,Weilheim’ warten jetzt dringend notwendige Erneuerungen der Antriebe, ein Update der Minenjagddrohnen, ein kompletter Neuanstrich sowie mehrere technische Änderungen.“ Der Werft-Aufenthalt in der Hafenstadt in Mecklenburg-Vorpommern dürfte sich laut dem Vorsitzenden der Marinekameradschaft über ein ganzes Jahr hinziehen.
Beata Król kaufte sich in Weilheim ein Dirndl
Die Abordnung mit Kommandantin Król bewältigte bei ihrem Besuch in Oberbayern eine „stramme Besichtigungstour“, wie es Stibich formuliert. Eine Stadtführung in Weilheim und eine Brauerei-Führung beim örtlichen „Dachsbräu“ gab es für sie genauso wie Besuche auf dem Hohen Peißenberg und in Andechs.
Król legte sich in Weilheim sogar ein Dirndl zu, in dem sie sich dann – umrahmt von Stibich und Bürgermeister Markus Loth – fotografieren ließ. Doch sie war in Weilheim auch so gekleidet zu sehen, wie man es von ihr wohl eher erwartet. Ein Foto zeigt sie mit den fünf Besatzungsmitgliedern in Uniform vor dem Stadtmuseum.
Bereits im März dieses Jahres war eine dreiköpfige Abordnung der Marinekameradschaft Weilheim nach Kiel gereist. Sie durfte eine der letzten Fahrten des Patenbootes vor seinem Werft-Aufenthalt begleiten, vom Stützpunkt ins Marinearsenal quer über die Kieler Förde. Im Arsenal wurden – für die Zeit in der Werft – an Oberdeck mehrere Großgeräte ausgebaut.
Bald schon folgt ein neuer Kommandant
An Bord der „Weilheim“ konnten sich die Besucher aus der Patenstadt laut Stibich frei bewegen und hatten dadurch auch die Gelegenheit, „sich eingehend mit den einzelnen Besatzungsmitgliedern zu unterhalten“. Die personell reduzierte Besatzung sei nun ebenfalls in Wolgast und begleite die Durchführung der angeordneten Maßnahmen durch die Pene-Werft. Die Kommandantin hat laut Stibich erklärt, dass die Besatzung ihr Boot so liebevoll hegt und pflegt wie ihr eigenes Zuhause.
Bevor die „Weilheim“ wieder ihren Dienst in der Flotte aufnehmen wird, findet noch in diesem Jahr ein Wechsel bei der Bootsführung statt. Denn Ende September verlässt Król das Boot, und Kapitänleutnant Maximilian Hirnstein wird zum neuen Kommandanten ernannt. „Aller Wahrscheinlichkeit nach kommt er zum Christkindlmarkt mit einer Abordnung der Besatzung zum Antrittsbesuch in die Patenstadt“, gibt sich Stibich zuversichtlich.
Kapitänleutnant Förster, der – wie erwähnt – beim jüngsten Christkindlmarkt im Jahr 2019 in Weilheim war, befindet sich laut dem Vereinsvorsitzenden seit Juli mit der ehemaligen Besatzung „Weilheim“ im Mittelmeer. Sein Boot ist die „Sulzbach-Rosenberg“, die einem ständigen NATO-Verband angehört.

