VonChristiane Mühlbauerschließen
Zur Obstpresse des Gartenbauvereins Benediktbeuern kommen Kunden aus der ganzen Region. Heuer wurden einige Neuerungen bei der Abwicklung eingeführt – mit durchschlagendem Erfolg.
Benediktbeuern – Mit 400 Mitgliedern, auch aus Bichl und Kochel, gehört der Garten- und Verschönerungsverein Benediktbeuern zu den großen Vereinen im Dorf. Seit diesem Frühjahr gibt es ein neues Vorstandsteam (wir berichteten), und dieses hat in den vergangenen Monaten einiges im Verein neu auf die Beine gestellt.
Eine der wichtigsten Aktivitäten ist das Angebot des Obstpressens im September und Oktober. Das Besondere ist, dass Kunden Saft aus ihren eigenen Früchten bekommen können. Vor allem der eigene Apfelsaft steht hoch im Kurs. Heuer konnte man sich dafür erstmals online anmelden, sich einen Wunsch-Termin aussuchen und konnte auch bargeldlos bezahlen – und zwar nicht nur mit der EC-Karte, sondern das System funktioniert auch mit Kreditkarten, Google-Pay und Apple-Pay. „Soweit mir bekannt ist, sind wir mit diesem System in ganz Oberbayern die einzigen“, sagt Zweiter Vorstand Winfried Schmitt.
Der 65 Jahre alte, ehemalige Leiter einer Forschungs- und Entwicklungsabteilung eines großen Maschinenbaukonzerns hat die Veränderungen möglich gemacht. Bisher musste man sich zu bestimmten Zeiten telefonisch anmelden und konnte nur bar bezahlen. Für die Ehrenamtlichen war das sehr zeitaufwendig, etwa die Verwaltung der Kasse mit hunderten Verbuchungen. „Außerdem musste man beim Betrieb der Presse ständig viel Wechselgeld für die Kunden bereithalten“, weiß Schmitt.
Nun gibt es ein spezielles, auf den Verein zugeschnittenes Online-System. Der Kunde meldet sich an und wird aufgefordert, anzugeben, wie viele Kilo Obst er mitbringt. Dann kann er sich Tag und Uhrzeit aussuchen. Allerdings ist es manchmal schwierig, abzuschätzen, ob die Ernte nun 100 Kilo Äpfel beträgt oder 300. „Das System rechnet bei der jeweiligen Menge einen Zeitpuffer ein, so dass der nachfolgende Kunde nicht unnötig lange warten muss“, sagt Schmitt.
Die Etablierung beschreibt er als „Sprung ins kalte Wasser“. Weil einige ältere Kunden mit Internet und modernen Bezahlmethoden nicht vertraut sind, war der Verein gespannt, wie die Neuerung ankommt. Doch der Erfolg war durchschlagend. „Die Leute waren hellauf begeistert. 95 Prozent aller Kunden wollten nur noch bargeldlos bezahlen“, berichtet Schmitt. Auch die Anmeldung und das Pressen klappten so gut wie reibungslos. Es kamen sogar Danke-E-Mails von den Kunden. „Man merkt richtig, welch gute und fröhliche Stimmung bei euch herrscht“, schrieb ein Gartenbesitzer aus Ried.
„Senioren, die kein Internet haben, können sich aber weiterhin auch telefonisch bei uns anmelden“, betont Schmitt. An den zwölf Presstagen heuer im Herbst wurden 20 000 Liter Saft erzeugt. „Mittlerweile kommen die Kunden bis aus Starnberg“, sagt Schmitt. „Einige neue Kunden sagten sogar, sie kommen extra wegen des unkomplizierten Systems.“
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Es ist nicht das einzige, was sich heuer im Verein veränderte. Die Homepage wurde überarbeitet, und für die einzelnen Bereiche gibt es jetzt ehrenamtliche Projektbetreuer, etwa für den Obstbaumschnitt. Führte der Verein bislang die Kurse an eigenen Bäumen durch, ist angedacht, künftig zu den Gartenbesitzern nach Hause zu kommen, um den richtigen Schnitt direkt an der Pflanze zu erläutern. Der Verein merkt, dass durch die Grundstückspreise auch die Hausgärten kleiner werden und neue Herausforderungen kommen.
Der Umweltpreis, den der Benediktbeurer Verein heuer zusammen mit den Gartenbauvereinen in Beuerberg, Egling, Eurasburg und Königsdorf erhalten hat, war „eine tolle Motivation“, freut sich Schmitt. Der Zweite Vorstand hat schon Anfragen aus dem Raum Weilheim, um das Online-System für Obstpressen vorzustellen.
Weitere Infos über den Verein: www.gvv-benediktbeuern.de
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