ÖPNV

Mit dem MVV-Ticket von Penzberg nach München: 2020 wird der Wunsch Wirklichkeit

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Von der S-Bahn in den MVV-Bus nach Penzberg - ab 2020 soll es gehen.
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Hinter verschlossenen Türen hat der Kreisausschuss zugestimmt, dass der MVV eine erste Buslinie, die zumindest teilweise durch den Landkreis Weilheim-Schongau führt, ausschreiben wird. Sie führt von Wolfratshausen nach Penzberg.

Landkreis – Das Thema MVV-Beitritt bleibt für Landrätin Andrea Jochner-Weiß ein unangenehmes. Im Kreistag fragte jetzt Alfred Honisch (Grüne/Weilheim), wie es in Sachen MVV-Erweiterung nun weitergehe. Jochner-Weiß wiederholte ihre Aussage: „Zuerst wird ein Strukturgutachten für den ÖPNV in der Planungsregion gemacht, dann müssen wir für den Landkreis ein Nahverkehrskonzept erarbeiten, bevor wir schauen, wer dieses Konzept für uns umsetzen kann.“ Das könne durchaus der MVV sein, der Münchner Verkehrsverbund müsse aber nicht den Zuschlag erhalten. Jochner-Weiß wiederholte im Kreistag, dass „seitens des MVV noch nie jemand an uns herangetreten ist. Da gibt es im März zwei Infoabende, mehr aber auch nicht.“

Ihr Kollege Josef Niedermayer im benachbarten Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen sieht das komplett anders. Er wurde – ebenfalls in der vergangenen Woche – von seinem Kreistag beauftragt, die MVV-Verbunderweiterung weiter voranzutreiben und ein Konzept mit Zeitplan und Kosten vorzulegen. Einen ähnlichen Beschluss hat auch der Landkreis Miesbach schon gefasst.

Die Tölzer wittern Morgenluft in Sachen MVV-Beitritt

Dass die Nachbarn mit im Boot sind, ist den Tölzern wichtig. Schließlich quert die Bayerische Oberlandbahn deren Territorium, bevor sie MVV-Gebiet erreicht. Damit auch die Kochelseebahn mit in den Tarifverbund kommt, müsste Weilheim-Schongau mitziehen.

Niedermaier meint nun, ein positives Zeichen ausgemacht zu haben. Nach zähem Ringen seien die Nachbarn aus Weilheim-Schongau bereit, die Buslinie von Wolfratshausen nach Penzberg künftig zusammen mit dem Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen gemeinwirtschaftlich zu betreiben, sagte er.

Eine öffentliche Aussage, die im Weilheimer Landratsamt gar nicht gut ankam. Denn der Kreisausschuss hatte unter Ausschluss der Öffentlichkeit die gemeinsame Linie mit den Tölzern auf den Weg gebracht. Auf Nachfrage der Heimatzeitung bestätigte Landkreis-Sprecher Hans Rehbehn, dass ein entsprechender Beschluss gefällt wurde und verriet die ersten Details: „Ab Dezember 2020 soll eine Buslinie Wolfratshausen und Penzberg verbinden. Sie ersetzt die MVV-Linie 374 und die RVO-Linie 9590.“

Beide Landkreise teilen sich die Kosten

Beide Landkreise würden sich anteilig an den Kosten für die Linie beteiligen, so Rehbehn. Weil der längere Teil der Linie im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen verlaufe, übernehme dessen Landratsamt die Abrechnung. Mit der Ausschreibung der Linie soll der MVV beauftragt werden. Der rechnet in der Regel folgendermaßen ab: Zunächst wird errechnet, wie viel eine solche Linie kostet. Diese Summe überweist der Landkreis, der den MVV beauftragt.

Im Gegenzug bekommt der Landkreis sämtliche Einnahme, die durch den Verkauf von Fahrkarten auf der Linie hereinkommen. Am Ende muss also nur der Differenzbetrag zwischen den Einnahmen und den Ausgaben aus dem Kreishaushalt finanziert werden. Im konkreten Fall teilen sich die beiden betroffenen Landkreise das Minus – die genauen Abrechungsmodalitäten sollen noch geklärt werden, so Landratsamtssprecher Rehbehn.

In der Vergangenheit war die Einrichtung eben dieser landkreisübergreifenden Buslinie immer wieder gefordert worden. Insbesondere Roche in Penzberg hatte großes Interesse daran, weil dadurch eine direkte Verbindung zum S-Bahnhof in Wolfratshausen entsteht. Zudem besteht durch die neue Linie die Möglichkeit, mit dem MVV-Verbundticket zu deutlich niedrigeren Preisen von München bis nach Penzberg zu fahren – und umgekehrt.

Warum diese durchaus weitreichende Entscheidung nichtöffentlich getroffen wurde, konnte Landratsamtssprecher Rehbehn nicht sagen. Er vermutet, dass Unternehmensbelange betroffen gewesen wären.

Tölzer wollen in zwei Jahren MVV-Mitglied sein

Die Entscheidung des Kreisausschusses in Weilheim sorgt derweil in Bad Tölz für Vorfreude: Landrat Josef Niedermaier ist zuversichtlich, dass sich die Nachbarn in Weilheim „durch die Macht der Überzeugung“ demnächst auch mit dem Beitritt zum Tarifverbund anfreunden können. „Der Landkreis Landsberg will auch in den MVV. Wir kesseln Weilheim-Schongau langsam ein.“

Schon in zwei Jahren wollen die Tölzer bestenfalls mit dem Südkreis – der ehemalige Landkreis Wolfratshausen ist sei eh und je Mitglied im MVV –, dem Münchner Verkehrsverbund beitreten. Dieses Ziel sei allerdings „sportlich“, so Niedermayer weiter im Tölzer Kreistag. Dies sei nur zu erreichen, wenn auch der Freistaat – er ist für den Schienenverkehr zuständig – entsprechende Mittel zur Verfügung stelle.

Warum es viele Vorteile für die Bürger im Landkreis Weilheim Schongau hätte, wenn der Kreistag den MVV-Beitritt beschließen würde, lesen Sie hier.

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