VonAndreas Steppanschließen
Mitfahrerbänke stehen mittlerweile vielerorts im Landkreis. Doch in der Sitzung des Kreistags-Ausschusses für soziale und kulturelle Angelegenheiten am Montag wurden Zweifel laut, ob das Konzept in der Praxis tatsächlich funktioniert.
Bad Tölz-Wolfratshausen –Als „tolles Projekt“ hatte Felicitas Wolf von der Landratsamts-Fachstelle für Senioren die Mitfahrerbänke zuvor bezeichnet. „Mittlerweile beteiligen sich elf Gemeinden im Landkreis“, sagte sie im Zusammenhang einer Zwischenbilanz des Seniorenpolitischen Gesamtkonzepts des Landkreises. Das Landratsamt werde die genauen Standorte demnächst auf seinem Geoportal im Internet einsehbar machen.
Beim Stichwort Mitfahrerbank konnte Kreisrätin Edith Peter (SPD) allerdings ein vernehmliches Lachen nicht unterdrücken. „Zumindest in den Städten hätte man sich das sparen könnten“, meinte sie. In ihrem Heimatort Geretsried etwa seien die Mitfahrerbänke genau an den Bushaltestellen platziert, „wo ohnehin alle 20 Minuten ein Bus vorbeikommt“. So würden die Bankerl lediglich die Funktion von „bequemen Sitzgelegenheiten“ erfüllen, und das finde sie „einfach nur lustig“.
Gedacht ist das Konzept freilich ganz anders. Eigentlich soll es so laufen: Ein Mensch setzt sich auf eine Mitfahrerbank, stellt an einer Anzeigetafel sein Fahrtziel ein, und wird dann von einem vorbeifahrenden Auto mitgenommen – quasi per Anhalter.
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„Das ist ja gut gemeint“, stimmte Franz Schöttl (CSU) in die kritischen Töne ein. „Aber wenn man es realistisch betrachtet, wie es angenommen wird, sollten wir uns schon fragen, ob wir das beibehalten.“ Er jedenfalls halte es für „fragwürdig“, ob sich ältere Menschen tatsächlich auf so eine Bank setzen und ob vorbeifahrende Autos dann auch anhalten. Die Gemeinde Lenggries, deren Zweiter Bürgermeister Schöttl ist, habe deshalb mit dem Aufstellen auch erst einmal abgewartet, um die Erfahrungen in anderen Orten zu beobachten. Er verwies auf das Selbstexperiment zweier Autorinnen des Tölzer Kurier. „Zumindest an dem Tag hat es nicht funktioniert“, konstatierte Schöttl. Allgemein sei es ihm „lieber, wenn wir beim ÖPNV mehr machen und die Taktung verbessern könnten. Da bin ich eher dabei.“
