Kostenexplosion droht

Mittelschule: Dämpfer für den Neubau-Elan

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Sorgenkind: Die Mittelschule ist sanierungsfällig, alles deutet auf einen Neubau hin. Doch der wird teuer. foto: tp
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Den Start ins Schuljahr an der Mittelschule in Holzkirchen begleitet eine elementare Frage: Wie geht es weiter mit dem sanierungsbedürftigen Gebäude? Der Favorit: ein Neubau.

Holzkirchen – Neues Schuljahr, alte Sorgen: Gut 270 Schüler setzten Anfang dieser Woche nach sechs schulfreien Wochen erstmals wieder einen Fuß in die Mittelschule an der Baumgartenstraße. Die Verantwortlichen im Holzkirchner Rathaus haben sich dagegen auch in den Sommerferien intensiv mit der Schule beschäftigt. Deren Sanierung genießt bekanntlich höchste Priorität. Wobei eine Ertüchtigung des maroden Altbestandes inzwischen als nachrangige Lösung gilt. Die Präferenz geht hin zum Abriss und Neubau. Nicht zuletzt bei Bürgermeister Olaf von Löwis (CSU), der die Radikal-Variante offenkundig favorisiert. Doch der Neubau-Elan hat einen herben Dämpfer erhalten.

Wie berichtet, hat ein Architekt für die Marktgemeinde untersucht, in welchem Umfang die Schule am Altstandort neugebaut werden kann und inwieweit „Flächen für andere Zwecke“ (Löwis) untergebracht werden könnten. Die ernüchternde Erkenntnis: „Die von uns gewünschte Planung übersteigt das Kosten-Soll“, räumt Löwis auf Anfrage ein. Eine Kosten-Explosion droht.

Insbesondere zwei Faktoren treiben die angedachten Investitionen demnach in die Höhe. „Die neuen didaktischen Anforderungen an Mittelschulen erfordern mehr Räume“, erklärt Löwis. Der Neubau müsste somit größer werden – und wird folglich teurer. Die zweite Kosten-Zündschnur: Sollte die Marktgemeinde die 60 Jahre alte Mittelschule abreißen und am selben Standort neubauen, müsste der Unterricht ausgelagert werden. Die Container, die für gewöhnlich zur Überbrückung der Bauzeit angemietet werden, kosten „mehrere Millionen Euro“.

Unklar ist zudem, ob die Regierung von Oberbayern einen Neubau bezuschusst. Eine Förderung gebe es nur bei Sanierungen, sagt Löwis: „Aber das wollen wir ja nicht.“ Einen Förderantrag mit Wunsch auf Neubau prüfe die Regierung derzeit. Löwis ist optimistisch: „Wir haben gute Argumente.“

Klar ist: Die Marktgemeinde muss viel Geld in die Hand nehmen, um die Schule zu modernisieren. Schon jetzt sind laut Löwis gut 15 Millionen Euro in den Haushaltsplanungen der kommenden Jahre vorgesehen (ohne Fördermittel). Ein Investitionsrahmen, der jedoch wohl deutlich nach oben korrigiert werden muss. „Es wird massiv teurer“, sagt Löwis. Wie viel, hängt auch davon ab, welche Neubauvariante den Zuschlag bekommt.

Neben dem Komplett-Abriss samt Auslagerung, verrät Löwis, sind inzwischen nämlich zwei weitere im Gespräch: ein Neubau an anderer Stelle, wofür aber zunächst ein Standort gefunden werden müsste. Und ein stückweiser Neubau am Altstandort, wodurch nur einzelne Klassen ausgelagert werden müssten und nicht auf einen Schlag die gesamte Schule.

Um die Planungen schnellstmöglich voranzutreiben, hat die Gemeinde einen Arbeitskreis gegründet. Das Gremium, bestehend aus dem Architekten, Planern und je einem Vertreter der Gemeinderatsfraktionen, soll jeden der Vorschläge durchleuchten. Erst, wenn im Arbeitskreis alle Detailfragen geklärt sind, sollen die Varianten in den Marktgemeinderat kommen. Eine effizientere Vorgehensweise, findet Löwis. Eine erfolgversprechende obendrein.

An der Schule verfolgt man das planerische Treiben mit einer gewissen Gelassenheit. „Das beeinträchtigt uns im Alltag überhaupt nicht“, sagt Schulleiter Christian Turnwald im Gespräch mit unserer Zeitung. Er wisse ja, dass die Gemeinde hinterher sei. „Und wir sind guter Hoffnung, dass wir in die Pötte kommen.“ Seine Präferenz? „Ein Neubau.“ Nur wo? „Da“, sagt Turnwald, „bin ich schmerzfrei.“

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