- VonWolfgang Kunzschließen
Den Mittenwalder Schafhaltern war angesichts des Unglücks, das vor etwas mehr als zwei Monaten geschehen war, nicht nach feiern zu Mute. Deshalb fiel auch die sonst übliche Prämierung der Tiere bei strömenden Regen im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser.
Mittenwald – Das Wetter hatte sich der Stimmung der Schaferer angepasst. Der Himmel weinte. Die Rückkehr der Schafe nach Mittenwald, in den zurückliegenden Jahre stets ein Fest der Freude, gab diesmal zu Trauer Anlass. Der Almsommer hatte schrecklich begonnen. Bei einem Hangrutsch am Predigtstuhl war am 1. Juli ein Teil der Schafherde, die am Wochenende wieder ins Tal gekommen ist, in die Tiefe gerissen worden. Und so endete der „Schafscheid“ in Mittenwald mit einen mehr als traurigen Ergebnis. Fast die Hälfte hat nicht überlebt. Das stellte sich jetzt beim Verteilen der Tiere an ihre Besitzer heraus. „Von 450 Schafen konnten wir 250 an die 60 Familienbetriebe übergeben. Vielleicht werden es noch 10 bis 15 Tiere mehr, die noch am Berg sind“, zieht Almmeister Thomas Frank Bilanz. „Rund 200 Tiere haben also nicht überlebt.“
Für Gemeindehirte Peppi Hornsteiner war es ein mehr als trauriger Sommer. „Ich konnte nach dem Unglück fast nichts essen und habe bis jetzt schon zehn Kilo abgenommen.“ Viel mehr will der „Zegl“ nicht sagen. Am Tag des Absturzes war er in der Rehbergalm angerufen worden, dass etwas Entsetzliches passiert sei. Sein erster Gedanke: Hoffentlich sind keine Menschen betroffen. „Ich bin sofort von der Rehbergalm zur Unglücksstelle gerannt und war fassungslos.“
Mittenwald: Schafe stürzen Berghang hinab - komplizierte Bergung
Etwas mehr verrät sein Sohn Florian (21), der mit Schwester Katharina (19), so oft es geht, dem Vater auf der Alm hilft und mit Proviant versorgt. „Mein Papa hat sofort bei uns daheim, beim Vorsitzenden der Forst- und Weidegenossenschaft, Peter Reindl, bei Almmeister Frank und Bergwacht-Vize Sepp Rieger angerufen und Alarm geschlagen“. Alle trafen sich an der Unglücksstelle. Ihnen bot sich ein Bild des Grauens. „Die Hälfte der Tiere war abgestürzt, der Rest stand im Hang“, erzählt Florian Hornsteiner. „Mit Rieger bin ich abgestiegen. Wir haben die Schafe zusammen mit Reindl und Frank bis zur Dammkarhütte aufgetrieben.“ Die Bergung der Kadaver konnte wegen des Wettereinbruchs erst am nächsten Tag starten.
„Hoffen, dass im Frühjahr viele Lämmer geboren werden“
Seit gestern steht fest, dass kein Besitzer alle Tiere verloren hat. Finanziell ist der Verlust eines Schafs – je nach Gewicht kostet ein Tier zwischen 150 und 200 Euro – jedoch für alle ein herber Verlust. „Jetzt hoffen wir nur, dass im Frühjahr viele Lämmer geboren werden“, sagt Reindl, „damit wir im nächsten Sommer wieder eine größere Herde auf die Alm schicken können.“
Auch die Besucher, die nicht so zahlreich wie sonst gekommen waren, litten mit den Schaferern. „Wir können das Leid der Betroffenen nachvollziehen, deshalb wollten wir bei der Verteilung unbedingt dabei sein“, sagten die Urlauber Dirk und Michaela Hübner, beide 55, aus Marl.
Schützer der Schafe: Herdenschutzhunde im Einsatz
Sie ist ein beliebtes Ausflugsziel für Touristen und Einheimische gleichermaßen. Doch ist sie auch sicher, die Partnachklamm?