Live in der BR-Abendschau

Möbel Mahler: Juniorchef räumt strategische Fehler ein

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Klartext im Fernsehen: Michael Mahler (2. v. re.) und Betriebsratsvorsitzender Thomas Kohlert (li.) beantworten die Fragen von BR-Reporter Martin Breitkopf.
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Wolfratshausen - Das Bayerische Fernsehen hat am Dienstagabend live aus dem Möbel-Mahler-Einrichtungshaus in Wolfratshausen berichtet. Vor der Kamera räumte Juniorchef strategische Fehler ein.

Update vom 16. Dezember: Der Ausverkauf bei Möbel Mahler ist in vollem Gange, der Bürgermeister hat derweil große Pläne für das Gebäude. Er will Media Markt ansiedeln

Gegen 14.30 Uhr fahren die Übertragungswagen vor. Kameramänner überprüfen ihre Ausrüstung, Karin Mühlhausen, Chefin vom Dienst, klärt mit Mahler-Hausleiter Martin Ziegler letzte Details. An der Stelle, an der Junior-Geschäftsführer Michael Mahler sich wenige Stunden später den Fragen von Reporter Martin Breitkopf stellen wird, eilen Kunden hin und her, strahlt der riesige Christbaum weihnachtliches Licht aus. Der Bayerische Rundfunk (BR) sendete im Rahmen seiner Sendung „Abendschau – der Süden“ am Dienstag um 17.30 live aus dem Atrium des Möbelhauses Mahler. Juniorchef Michael Mahler, Auszubildender Vladislav Gerdt und Betriebsratsvorsitzender Thomas Kohlert sprachen darüber, warum es Familienunternehmen so schwer fällt, auf dem deutschen Möbelmarkt zu bestehen. Wie berichtet schließt Mahler zum 31. Januar sein Haus in der Loisachstadt. 260 Mitarbeiter werden entlassen.

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Der erste von zwei Live-Blöcken ist ab 17.40 Uhr auf Sendung. Reporter Breitkopf schreitet durch die Drehtür am Haupteingang und holt im Kassenbereich Vladislav Gerdt ans Mikro. Der Auszubildendenvertreter teilt mit, dass es in zwei Tagen ein Treffen mit IHK-Vertretern geben wird, bei dem so viele von den Azubis wie möglich an einen neuen Arbeitgeber vermittelt werden sollen. Was mit ihm selbst nach zweieinhalb Jahren bei Mahler passiert, will der Reporter wissen. „Finanzdienstleistung oder Automobilbranche“, antwortet der junge Mann. „Was ist mit Möbeln?“ hakt der BR-Journalist nach? „Nicht unbedingt.“

Live-Dreh im Möbelmarkt: Die "Abendschau" sendete am Dienstag aus dem Eingangsbereich von Möbel Mahler. Die Kunden hat das nur wenig interessiert.

Am – kurz vor Drehbeginn noch frisch polierten – Glastisch trifft Breitkopf den Juniorchef. Michael Mahler sagt das, was er schon bei der Bekanntgabe der Schließung gesagt hat: dass das Haus in puncto Sortiment und Ladenbau nicht mehr auf der Höhe der Zeit sei, dass es einen Investitionsstau geben würde, „vielleicht siebenstellig, vielleicht im zweistelligen Millionenbereich“, und dass man beschlossen habe, eben nicht mehr in Wolfratshausen, sondern am neueren, modernen Standort in Neu-Ulm zu investieren. Auf die Frage, warum er und sein Vater, Seniorchef und Firmengründer Gerhard Mahler, nicht vorher in das Haus am Hans-Urmiller-Ring investiert haben, gibt Mahler Junior erneut strategische Fehler zu. „Wir sind zu schnell gewachsen und haben dann Geld in neue Projekte investiert, das dann nicht mehr da war, um Wolfratshausen auf den neuesten Stand zu bringen.“

Paukenschlag: Möbel Mahler in Wolfrathausen schließt

Auch der Branchenriese XXX Lutz war zu der Sendung eingeladen, ließ dem BR aber lediglich eine Pressemitteilung zukommen. Eine Immobiliengesellschaft des österreichischen Möbelgiganten wird das Mahler-Gebäude übernehmen – laut der Mitteilung angeblich ohne genau zu wissen, was damit einmal geschehen soll. „Die wissen genau, was sie machen werden“, sagt dagegen Thomas Kohlert. „Ein Möbelhaus.“ Der Betriebsratsvorsitzende steht neben Michael Mahler am Tisch. Kohlert ist seit 26 Jahren im Unternehmen beschäftigt, „ jetzt werde ich auf die Straße gesetzt“. Lutz, davon ist er überzeugt, will das Haus ohne Betriebsrat und ohne Personal übernehmen. „Wenn überhaupt, übernehmen sie nur junges Personal, das wenig kostet oder das man im Lohn noch weiter drücken kann. Das ärgert mich.“

Die Reaktionen auf die Schließung von Möbel Mahler

Gerald Syska (67), Rentner aus Geretsried: "Ich habe es gerade im Radio gehört. Deshalb ist unter den Mitarbeitern so eine gedrückte Stimmung. Und für Wolfratshausen ist die Schließung ein sehr großer Verlust. Wie konnte das eigentlich passieren? Waren die Bücher denn so schlecht?"
Gerald Syska (67), Rentner aus Geretsried: "Ich habe es gerade im Radio gehört. Deshalb ist unter den Mitarbeitern so eine gedrückte Stimmung. Und für Wolfratshausen ist die Schließung ein sehr großer Verlust. Wie konnte das eigentlich passieren? Waren die Bücher denn so schlecht?" © sh
Sigrid Riedmann (71), Angestellte aus Wolfratshausen: "Möbel Mahler und Wolfratshausen gehören doch zusammen. Ich hielt es zuerst für einen schlechten Scherz, als ich davon gehört habe.. Vielleicht war der Konkurrenzkampf schuld. Niederschmetternd ist es aber in erster Linie für die Mitarbeiter."
Sigrid Riedmann (71), Angestellte aus Wolfratshausen: "Möbel Mahler und Wolfratshausen gehören doch zusammen. Ich hielt es zuerst für einen schlechten Scherz, als ich davon gehört habe.. Vielleicht war der Konkurrenzkampf schuld. Niederschmetternd ist es aber in erster Linie für die Mitarbeiter." © sh
Thomas Freiburger (49), Offsetdrucker aus Schongau: "Das ist doch der Wahnsinn. Ein Verkauf an ein anders Möbelhaus wäre auf alle Fälle die bessere Lösung gewesen – auch für die Mitarbeiter, egal ob schon länger hier oder Azubis. Vor Weihnachten so eine Hiobsbotschaft zu bekommen, ist mehr als hart."
Thomas Freiburger (49), Offsetdrucker aus Schongau: "Das ist doch der Wahnsinn. Ein Verkauf an ein anders Möbelhaus wäre auf alle Fälle die bessere Lösung gewesen – auch für die Mitarbeiter, egal ob schon länger hier oder Azubis. Vor Weihnachten so eine Hiobsbotschaft zu bekommen, ist mehr als hart." © sh
Kurt Volkmann (46), Angestellter aus Penzberg: "Das kann ich nicht glauben! Jetzt wird mir klar, warum das Penzberger Möbelhaus erweitert hat. Die haben bestimmt etwas geahnt. Ich halte die Schließung für fragwürdig. Wollte denn wirklich niemand aus der Familie das Unternehmen weiterführen? "
Kurt Volkmann (46), Angestellter aus Penzberg: "Das kann ich nicht glauben! Jetzt wird mir klar, warum das Penzberger Möbelhaus erweitert hat. Die haben bestimmt etwas geahnt. Ich halte die Schließung für fragwürdig. Wollte denn wirklich niemand aus der Familie das Unternehmen weiterführen? " © sh
Jörg Singert (51), Soldat aus Ohlstadt: "Ich bin entsetzt. Wir sind seit gut 20 Jahren Kunde hier. Ganz klar, dass ich meine ersten Möbel hier gekauft habe. Wo sollen wir denn jetzt hin? Bleiben nur München und Penzberg. Was den Kundendienst betrifft, habe ich keine Bedenken. Der wird weiter laufen."
Jörg Singert (51), Soldat aus Ohlstadt: "Ich bin entsetzt. Wir sind seit gut 20 Jahren Kunde hier. Ganz klar, dass ich meine ersten Möbel hier gekauft habe. Wo sollen wir denn jetzt hin? Bleiben nur München und Penzberg. Was den Kundendienst betrifft, habe ich keine Bedenken. Der wird weiter laufen." © sh
Marcus Herbrik (41), Angestellter aus Geretsried: "Das ist einfach nur schade. Möbel Mahler hatte einfach alles, was man zum Wohnen braucht, vom Handtuch bis zum Möbelstück. Wie soll das Gebäude denn eigentlich weiter genutzt werden? Als Indoorspielplatz mit Rollschuhbahn?"
Marcus Herbrik (41), Angestellter aus Geretsried: "Das ist einfach nur schade. Möbel Mahler hatte einfach alles, was man zum Wohnen braucht, vom Handtuch bis zum Möbelstück. Wie soll das Gebäude denn eigentlich weiter genutzt werden? Als Indoorspielplatz mit Rollschuhbahn?" © sh
klaus heilinglechner - bürgermeister wolfratshausen - No Model-Release! No Property-Release! Foto Sabine Hermsdorf
Klaus Heilinglechner, Bürgermeister in Wolfratshausen: "Wenn ich könnte, würde ich Gerhard Mahler umstimmen. Aber seine Entscheidung steht - leider. Ich habe heute früh eine halbe Stunde mit ihm telefoniert und man hat deutlich gemerkt, wie nahe ihm das geht. Für Wolfratshausen war Möbel Mahler unheimlich wertvoll. Jede Rundfunkwerbung, jede Taxiwerbung war gut für das Image der Stadt. Überrascht hat mich die Entscheidung nur insofern, als Mahler 2013 noch einen Antrag auf Erweiterung um 20000 Quadratmeter gestellt hatte und auf Wunsch des Stadtrats auch ein Parkdeck gebaut hätte. Nach den jüngsten Entwicklungen und den Gesprächen mit XXXLutz konnte man sich aber nicht mehr so sicher sein, in welche Richtung es geht." © archiv
Martin Ziegler, Hausleiter in Wolfratshausen: "Anfragen beantwortet unsere Firmenzentrale in Bopfingen. Ich kann nur so viel sagen, dass unsere Kunden zeitnah über die anstehende Schließung informiert werden. Wie genau, werden wir sehen. Das ist in Arbeit."
Martin Ziegler, Hausleiter in Wolfratshausen: "Anfragen beantwortet unsere Firmenzentrale in Bopfingen. Ich kann nur so viel sagen, dass unsere Kunden zeitnah über die anstehende Schließung informiert werden. Wie genau, werden wir sehen. Das ist in Arbeit." © archiv
Peter Fischer, ehemaliger Vorsitzender des Werbekreises Wolfratshausen: "Ich war Vorsitzender des Werbekreises Wolfratshausen, als Möbel Mahler sich 1996 bei uns Mitglied wurde. Es gab viele Bedenken, vor allem wegen der Auswirkungen auf die Innenstadt. Im Werbekreis hat man das pragmatisch gesehen und eine Vernunftentscheidung getroffen, nach dem Motto: Jetzt ist er da, dann nehmen wir ihn auch mit ins Boot. Die Zusammenarbeit war insgesamt gut. Ich glaube aber nicht, dass die Schließung eine große Lücke reißt. Für dieses Filetstück zwischen zwei Städten an der Autobahn wird sich jemand finden."
Peter Fischer, ehemaliger Vorsitzender des Werbekreises Wolfratshausen: "Ich war Vorsitzender des Werbekreises Wolfratshausen, als Möbel Mahler sich 1996 bei uns Mitglied wurde. Es gab viele Bedenken, vor allem wegen der Auswirkungen auf die Innenstadt. Im Werbekreis hat man das pragmatisch gesehen und eine Vernunftentscheidung getroffen, nach dem Motto: Jetzt ist er da, dann nehmen wir ihn auch mit ins Boot. Die Zusammenarbeit war insgesamt gut. Ich glaube aber nicht, dass die Schließung eine große Lücke reißt. Für dieses Filetstück zwischen zwei Städten an der Autobahn wird sich jemand finden." © archiv
Möbel-Mahler Firmeninhaber Gerhard Mahler: Er möchte sich diese Woche nicht mehr persönlich zu der angekündigten Schließung äußern. Laut einer Mitarbeiterin aus der Unternehmenskommunikation ist er sehr beschäftigt. Außerdem gehe ihm die Entscheidung sehr nahe.
Möbel-Mahler Firmeninhaber Gerhard Mahler: Er möchte sich diese Woche nicht mehr persönlich zu der angekündigten Schließung äußern. Laut einer Mitarbeiterin aus der Unternehmenskommunikation ist er sehr beschäftigt. Außerdem gehe ihm die Entscheidung sehr nahe. © archiv
Ingrid Schnaller, Vorsitzende Werbekreis Wolfratshausen: "Der Werbekreis verliert einen finanziell und logistisch wichtigen Partner, ein sehr zuverlässiges Mitglied. Die Stadt ist jetzt gefordert, in Richtung Wirtschaftsförderung deutlich aktiver zu werden. Schließlich gilt es, für das riesige Areal mit den großen Gebäuden möglichst bald einen Nachfolger zu finden."
Ingrid Schnaller, Vorsitzende Werbekreis Wolfratshausen: "Der Werbekreis verliert einen finanziell und logistisch wichtigen Partner, ein sehr zuverlässiges Mitglied. Die Stadt ist jetzt gefordert, in Richtung Wirtschaftsförderung deutlich aktiver zu werden. Schließlich gilt es, für das riesige Areal mit den großen Gebäuden möglichst bald einen Nachfolger zu finden." © archiv
Christian von Stülpnagel, Vorsitzender der UWW: "Wir bedauern das sehr. Wolfratshausen verliert einen seiner "Namensgeber". Gerhard Mahler hat sich die Entscheidung sicher nicht leicht gemacht. Allerdings verwundert uns die Entscheidung auch ein bisschen, weil immer wieder von Erweiterung und dem Bau eines Parkhauses die Rede war. Man muss allerdings auch sagen, dass die Anbindung an die Innenstadt nicht so richtig geklappt hat. Vielleicht wäre die Entscheidung anders ausgefallen, wenn er ein größeres Randsortiment hätte anbieten dürfen."
Christian von Stülpnagel, Vorsitzender der UWW: "Wir bedauern das sehr. Wolfratshausen verliert einen seiner "Namensgeber". Gerhard Mahler hat sich die Entscheidung sicher nicht leicht gemacht. Allerdings verwundert uns die Entscheidung auch ein bisschen, weil immer wieder von Erweiterung und dem Bau eines Parkhauses die Rede war. Man muss allerdings auch sagen, dass die Anbindung an die Innenstadt nicht so richtig geklappt hat. Vielleicht wäre die Entscheidung anders ausgefallen, wenn er ein größeres Randsortiment hätte anbieten dürfen." © archiv

Im zweiten Live-Block ging es weniger um die Situation vor Ort, sondern um die Zukunft des Möbelhandels generell. Mahler erläuterte, warum er die zehnprozentige Beteiligung von XXX Lutz in Neu-Ulm für sinnvoll und nicht – wie vom Reporter suggeriert – für einen „Pakt mit dem Teufel“ hält. Mit diesem global sehr gut aufgestellten Partner „können wir billiger einkaufen und haben schneller die neuesten Trends.“ Am Rande des Drehs teilte Mahler mit, dass die Verhandlungen mit dem Betriebsrat zwar hart, aber auf einem guten Weg seien. Er sei zuversichtlich, dass sozialverträgliche Lösungen gefunden werden, mit denen alle Beteiligte leben können.

Das BR-Team, allen voran Reporter Martin Breitkopf und Chefin vom Dienst Karin Mühlhausen, waren zufrieden mit der Live-Schalte aus Wolfratshausen. „Es kommt selten vor, dass jemand in so einer schwierigen Situation so aufrecht und ehrlich argumentiert wie Michael Mahler. Das hat uns überrascht.“

Frederik Lang

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