Forstenrieder Park: Windenergie nur im Einklang mit Natur- und Artenschutz

Möglichst wenig in den Wald eingreifen

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Sechs Windräder im Forstenrieder Park sollen künftig die Gemeinden Neuried, Pullach, Schäftlarn und Baierbrunn mit erneuerbarer Energie versorgen.
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Die Klimakatastrophe drängt zum schnellen Handeln. Darin waren sich die Experten der ersten Online-Informationsveranstaltung zum Windenergieprojekt im Forstenrieder Park am Donnerstagabend einig. Sechs Windkraftanlagen möchten die Gemeinden Neuried, Pullach, Schäftlarn und Baierbrunn gemeinsam in dem Staatsforst errichten.

Neuried - Über den aktuellen Projektstand berichtete der Windkümmerer Peter Beermann: Ein gemeindefreies Areal mit ausreichend großen Abständen zu den umliegenden Ortschaften und nahe gelegenen schwerlastfähigen Forstwegen zum Errichten der Windräder sei im Forstenrieder Park realisierbar. Derzeit liefen dort noch die artenschutzrechtlichen Prüfungen. Fest stehe, „dass wir so wenig wie möglich in den Wald eingreifen wollen“, so Beermann. Das Windenergieprojekt werde nur realisiert, wenn dies im Einklang mit Natur- und Artenschutz möglich ist.

250 000 Tonnen Kohlendioxid verhindern

Pro Windrad müssen laut der Energieagentur Ebersberg-München GmbH etwa 2500 bis 3000 Quadratmeter Forstfläche gerodet werden. Im gleichen Umfang werden diese an anderer Stelle im Forstenrieder Park wieder aufgeforstet. Dabei sei die bilanzielle Klimaschutzwirkung durch die Windenergieanlagen um mehr als den Faktor 1000 höher als durch den Wald. Zum Vergleich: Auf einem Hektar Wirtschaftswald – der in etwa der Fläche von etwas mehr als drei Windrädern à 0,3 Hektar entspricht – werden im Laufe von 20 Jahren etwa 220 Tonnen Kohlendioxid gebunden. Dagegen würden drei Windenergieanlagen im Laufe von 20 Jahren die Freisetzung von über 250 000 Tonnen Kohlendioxid verhindern.

Zum Thema Artenschutz betonte Michael Remy vom Bund Naturschutz in Bayern, dass Vögel mit Windrädern kollidieren und dabei sterben können. Durch strenge Vorgaben des Bundesnaturschutzgesetzes komme dies aber kaum vor. Der Artenschutz werde gewährleistet.

Zur Finanzierung der Windkraftanlagen gebe es bereits Förderangebote, teilte Pullachs Bürgermeisterin und ARGE-Vorsitzende Susanna Tausendfreund mit. Die vier Gemeinden werden je einen Teil zum Projekt beisteuern, zudem sind Bürgerbeteiligungen angedacht. Wie genau diese aussehen werden und ob tatsächlich sechs oder vielleicht weniger Windräder realisiert werden können, ist aufgrund des frühen Planungsstadiums noch ungewiss. Die nächsten Projektschritte sehen wie folgt aus: Im Oktober sind in allen vier Gemeinden Bürgerforen geplant. Im ersten Quartal 2023 wird das Artenschutz- und Naturschutzgutachten fertiggestellt sowie die Endauswertung der Windmessung. Im zweiten Quartal könnte dann das Genehmigungsverfahren beim Landratsamt München starten.

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