VonPatrick Staarschließen
Vor 50 Jahren betraten die ersten Menschen den Mond. Ein Ereignis, das sich bei vielen ins Gedächtnis eingebrannt hat.
Franz Xaver Kohlhauf, Hobby-Astronom aus Wackersberg: „Ich habe jede Menge Erinnerungen an die Mondlandung. Für mich ist es, als ob es gestern gewesen wäre. Ich bereite gerade im Planetarium eine Vorführung zum 50-jährigen Jubiläum vor, mit Bildern und Filmausschnitten. Daher bin ich voll im Stoff, was damals abgelaufen ist. Durch die heutigen Medien und das Internet kann man alles nachrecherchieren. Sämtlicher Sprechverkehr, die ganzen Bilder sind vorhanden und zugänglich.
Die Mondlandung ist für mich noch immer so faszinierend wie damals, ein einmaliges technisches Unternehmen. Durch sie bin ich zu meiner großen Leidenschaft, dem Sterneschauen, gekommen. Zum Zeitpunkt der Mondlandung war ich 14 Jahre alt. Die Landung habe ich damals an unserem Schwarz-Weiß-Fernseher mitgekriegt. Das war abends um 21.15 Uhr. Zu diesem Zeitpunkt hieß es: Man weiß nicht genau, wann die Astronauten aussteigen. Auf alle Fälle irgendwann in der Nacht. Ich hab’ zu meiner Mutter gesagt: ,Wenn du was weißt, weckst du mich bitte.‘ Sie hat gesagt: ,Ja, ja.‘ Und dann hat sie mich am nächsten Tag um 7 Uhr geweckt. Das war etwas zu spät, denn Neil Armstrong hat ja schon um 3.57 Uhr seinen Fußabdruck auf den Mond gesetzt. So habe ich es nur in der Wiederholung gesehen. Das hängt mir heute noch ein bisschen nach. Im ersten Moment war ich etwas enttäuscht, aber dann war ich gleich wieder abgelenkt durch diese faszinierenden Geschehnisse, die in den Wiederholungen zu sehen waren. Wir waren gleich wieder versöhnt. Damals habe ich mir aber gesagt: ,Wenn die Marslandung kommt, dann erleb’ ich sie live mit. Da kann kommen, was mag, egal ob Tag oder Nacht.‘“
Paul Brauner, ehemaliger Stadtrat und Vize-Bürgermeister von Wolfratshausen: „Ich kann mich nur noch ganz vage an die Mondlandung erinnern. Wie der Astronaut ganz leicht auf der Mond-Oberfläche gehüpft ist und eine Fahne in die Oberfläche gepflanzt hat. Besonders fasziniert hat es mich nicht. Falls es jemals eine Faszination gegeben haben sollte, ist sie geschwunden. Ich glaube auch nicht, dass ich besonders stolz auf die Mondlandung war. Das haben ja nicht wir geschafft, sondern die Amerikaner. Der Mauerfall war da schon ganz was Anderes. Den werd’ ich nie vergessen.“
Christian Müller von der Isartalsternwarte Königsdorf: „Ich bin 1963 geboren. Bei der Mondlandung war ich knapp sechs Jahre alt. Ich weiß noch genau, wie mich meine Eltern früh morgens um drei geweckt haben. Wir sind alle um unseren Schwarz-Weiß-Fernseher gesessen. Ich konnte nicht groß was erkennen, ich hab’ nur immer den Funkverkehr gehört und die Kommentare der beiden Moderatoren. Mein Papa war Fluglotse in Erding und hat versucht, alles zu übersetzen. Auch an Apollo 8, den ersten Flug zum Mond, kann ich mich noch erinnern. Die Astronauten Borman, Anders und Lovell werd’ ich nie vergessen. Damals gab es einen Riesen-Hype, jeder von uns Burschen wollte Astronaut werden. Der Hype ist dann aber schnell abgeflacht. Toll war erst wieder das erste Mondauto. Da steht eines im Deutschen Museum. Am Samstag haben wir einen Vortrag. Wenn es klar ist, werden wir den Mond beobachten und versuchen, die Landestelle von Apollo 11 im Mare Tranquilitatis zu finden. Es gibt da in der Nähe ein paar Krater, an denen man sich orientieren kann.“
Pfarrer Florian Gruber, Wolfratshausen: „Meine Eltern haben kurz vor der Mondlandung extra einen Fernseher gekauft. Ich bin als Kind von acht Jahren von der Mama mitten in der Nacht aufgeweckt und vor den Fernseher gesetzt worden. Eine ganz klare, frühe Kindheits-Erinnerung. Die Vorstellung, dass da oben auf dem Mond plötzlich Menschen sind, war faszinierend, für alle eine unvorstellbare Sache. Ein Jahr später war der Fernseher allerdings noch wichtiger: Da war die Fußball-Weltmeisterschaft in Mexiko, die hab’ ich auch noch stark in Erinnerung.“
Holger Ritthaler, Vorsitzender der Briefmarkenfreunde Bad Tölz-Hausham-Holzkirchen: „Meine Eltern waren mit die Ersten in der Umgebung, die einen Fernseher hatten. Ich war 16 Jahre alt und saß damals mitten in der Nacht alleine vor der dem Fernseher – meinen Eltern ist das alles zu spät geworden. Für mich war es ein tolles Erlebnis. Als Briefmarkensammler denkt man an die Briefe, die die Astronauten mehr oder weniger privat auf den Mond mitgenommen haben. Einige sind gerade zu horrenden Preisen – im fünfstelligen Bereich – verkauft worden. Es gibt auch noch einige Briefe, die sie unterschrieben haben – das wird alles gekauft.“
Alois Ostler, Redakteur Tölzer Kurier: „Schon Tage vorher war die Mondlandung in aller Munde. Die Leute sind an den Schaufenstern der Elektrogeschäfte gestanden und haben sich vor den Fernsehern die Nasen platt gedrückt. Ich bin in dieser Nacht vor dem Fernseher gesessen, mit einer großen Anspannung und einem riesigen Interesse. Ich fand das hochinteressant, was da passiert. Noch heute sehe ich diese rauschenden, unscharfen Schwarz-Weiß-Bilder vor mir. Im Hintergrund gab es populär-wissenschaftliche Erklärungen, was die Astronauten machen oder nicht machen und warum die Verständigung so schlecht ist. Ich war damals 14 Jahre alt, und habe das noch immer alles präsent. Nach der Mondlandung habe ich einen Mond-Globus geschenkt bekommen. Ich habe immer geschaut, wo dieses Mare Tranquilitatis ist, auf dem diese Fähre gelandet ist. An besonders schönen Mondnächten hab’ ich mit einem guten, alten Fernrohr raufgeschaut. In der Schule ist auch über die Mondlandung gesprochen worden, die alten Physik-Lehrer haben diese Begeisterung noch angefeuert. Am Tag danach war schulfrei.“
Der Vorwurf, die Mondlandung, die sich an diesem Wochenende zum 50. Mal jährt, habe nie stattgefunden, ist fast so alt wie die Landung selbst. Es ist ein Klassiker unter den Verschwörungstheorien. Menschen glauben gerne die unglaublichsten Dinge.
Dafür gibt es gute Gründe.






