VonAndreas Beschornerschließen
Wer eine Landkarte vom Mittelmeer sieht, der denkt vielleicht an Urlaub. Sebastian Keller (65) nicht. Der frühere Kreisbrandmeister aus Moosburg denkt an Flüchtlinge, an Seenotrettung und an die „Sea Eye“.
Freising –Schon als Bub sei er „auf dem Wasser zu Hause gewesen“, habe diverse Bootsführerscheine gemacht. Das berichtete Sebastian Keller im St. Georgshaus zu Freising, als er von seinem zweiwöchigen Einsatz auf dem Schiff erzählte. 2016 habe er sich beim Verein „Sea Eye e. V.“ gemeldet, der die Seenotrettung von Flüchtlingen auf dem Mittelmeer organisierte (und noch immer durchführt). Für „Mission 6“, die von Ende Mai bis Anfang Juni 2017 dauerte, habe er sich gemeldet, habe als Skipper die „Sea-Eye“, einen 26 Meter langen früheren Fischkutter aus DDR-Zeiten, übernommen und sich auf den Weg zur libyschen Küste gemacht. Rund 50 Zuhörer lauschten auf Einladung der Kolpingsfamilie dem, was Keller zu erzählen hatte.
Er stößt auf mehrere Boote mit Flüchtlingen
Der berichtete von Übungen mit dem Beiboot im Hafen von Valletta (Malta), erzählte von der Crew und davon, dass manche seekrank geworden seien. Er berichtete aber auch, dass er trotz der Drohungen des Maschinisten aus Nordrhein-Westfalen, das Schiff zu verlassen, die bayerische Fahne gehisst habe.
Aufgabe der „Sea-Eye“ (und des Schwesterschiffs „Seefuchs“) sei es nicht gewesen, Flüchtlinge an Bord zu nehmen: „Dazu war das 60 Jahre alte Boot zu klein.“ Die „Sea Eye“ sollte vor allem die teilweise völlig überladenen Schlauchboote mit 100 und mehr Flüchtlingen finden, sie mit Schwimmwesten und Wasser versorgen, und dann den Standort der italienischen Marine melden. Die sei dann dafür zuständig, die Flüchtlinge an Bord zu nehmen. Insgesamt, so Keller, habe man vier solcher Gummiboote mit insgesamt fast 500 Flüchtlingen aufgefunden.
Schwangere wurden an Bord genommen
Freilich: Schwangere, kleine Kinder mit ihren Müttern und Kranke habe man schon an Bord genommen und medizinisch versorgt. Man habe auch die Familienväter aufgenommen, um die Gruppen nicht auseinanderzureißen. Den Vorwurf, die Helfer würden das Tun der Schleuser forcieren, weil die genau wüssten, die Flüchtlinge würden schon irgendwie gerettet, ließ Keller nicht gelten: „All die Kinder, Frauen und Männer wären auch ohne Sea Eye und Co. unterwegs.“ Sie würden mit nur wenig Benzin von der libyschen Küste aus aufbrechen und dann, auf dem Mittelmeer treibend, auf Hilfe hoffen. Die „Sea Eye“ habe sich nicht näher als 24 Seemeilen der Küste Libyens genähert, denn in diesem Bereich hätte die libysche Polizei das Schiff jederzeit betreten und kontrollieren dürfen.
Und nach der Rückkehr nach Malta? „Erst mal eine Pizza. Was G’scheits zum Essen.“
Berichte zum Thema finden Sie auch hier: Sea-Eye-Sprecher: „Es ist Schikane“ und Vom Feuerwehrler zum Flüchtlingsretter: Moosburger sticht in See.


