VonVeronika Machtschließen
Ein wahrer Wahlkrimi ist am Donnerstag zu Ende gegangen. Manfred Lex wurde mit 75 Stimmen zum Bürgermeisterkandidaten der CSU Moosinning gewählt. Pamela Kruppa ist mit 47 Stimmen klar unterlegen.
Moosinning – Die Plätze werden knapp im Saal des Oberwirt. An der Tür begrüßt Manfred Lex die Gäste, auch Pamela Kruppa schüttelt Hände im Akkord. Die Versammlung beginnt mit gut einer halben Stunde Verspätung. 124 Stimmberechtigte sind es schließlich – ein Rekordbesuch.
Pamela Kruppa und Manfred Lex werden vorgeschlagen
„Eine Partei ist stark, wenn sie zusammenhält, aber wenn es auch demokratische Prozesse gibt. Wir wollen, dass auch künftig die Spitzenposition in Moosinning mit einem CSU-Bewerber besetzt ist“, sagt Landrat und CSU-Kreischef Martin Bayerstorfer und bittet um Vorschläge. Harry Hoyler bringt Kruppa ins Spiel, Ortsvorsitzende Manuela Marheineke schlägt Lex im Namen von Vorstand und Fraktion vor und begründet: „Uns sind die Bürgernahe und Präsenz sehr wichtig, die er gezeigt hat.“ Ein Zwischenruf: „Kann er das nicht selber sagen?“ Marheineke setzt hinzu: „Wir wollen einen Bürgermeister, mit dem wir in Team und Fraktion gut zusammen arbeiten. Das hat in den letzten Jahren nicht so stattgefunden.“
Kruppa zählt ihre Erfolge auf
In ihrer Rede gibt sich Kruppa kämpferisch, spricht mit kräftiger, lauter Stimme. „In den letzten sechs Jahren habe ich nicht nur gehalten, was ich versprochen habe, sondern darüber hinaus viele weitere Projekte in Angriff genommen“, sagt sie und zählt fast 20 Minuten lang auf, immer wieder unterbrochen von Zwischenapplaus: „Das von der CSU seit Jahrzehnten größte Wahlversprechen wurde von mir endlich eingelöst – die Ortsumgehung ist bei der Fortschreibung des Bundesverkehrswegeplans in den vordringlichen Bedarf aufgenommen worden. Ich habe die Kinderbetreuung stark ausgebaut. Ich habe zwei Baugebiete im Rahmen des Fördermodells auf den Markt gebracht. Die Schulerweiterung treibe ich mit Nachdruck voran.“ Das alles lasse sie sich nicht klein- und auch nicht zerreden. Den Herausforderungen der Zukunft wolle sie sich stellen: „Ich habe gezeigt, dass ich für verlässliche und klare Politik stehe. Sie wissen, was Sie von mir erwarten können“, sagt Kruppa und setzt dann, am Ende ihrer Rede, zu einer regelrechten Abrechnung mit Ortsverband und Fraktion an.
Schwere Vorwürfe gegen Fraktionskollegen
Sie erhebt schwere Vorwürfe gegen ihre Fraktionskollegen. Kontroverse Auseinandersetzung, hitzige Debatten und harte Bandagen gehörten zum Alltag einer Bürgermeisterin. „Aber das, was in diesem Ortsverband und in dieser Fraktion gelaufen ist, kann nicht mehr unausgesprochen bleiben“, sagt sie. „Wenn ich von einer Vorstands- und Fraktionssitzung heimgehe und mir ein Gemeinderat Stangl draußen sagt: ,Du greislige Drecksau’, und mich auf dem dunklen Rathausparkplatz nach der Gemeinderatssitzung ein Gemeinderat Brummer wild fuchtelnd verfolgt und mir verbal droht: ,Di mach ma fertig’ – das sind Methoden, die unterste Schublade sind.“ All das habe sie weggesteckt. „Aber wenn auch ein unbescholtener Bürger verbal bearbeitet wird, unter Androhung, dass Freundschaften auch für die Kinder ein Ende finden werden, falls man mich unterstützt, dann fehlen mir die Worte.“ Fraktionssprecher Manfred Wenninger und 2. Bürgermeister Manfred Lex hätten aus Vier-Augen-Gesprächen davon gewusst. „Aber man hat sich entschieden, wegzuschauen. Pfui deifi!“
Fraktionssprecher Wenninger: „Davon höre ich heute zum ersten Mal“
Von den Angesprochenen äußert sich dazu nur Wenninger. Vom Vorfall Brummer/Stangl, „was immer da war, höre ich heute zum ersten Mal“, sagte er. „Die Bürgermeisterin wurde 2014 gewählt, dann kehrt sie uns den Rücken zu, bricht sämtliche Kontakte ab, und wir erfahren von ihrer geplanten Bürgermeisterkandidatur aus der Zeitung. Wie sollen wir da zusammenarbeiten?“, fragt Wenninger.
Kruppa gehe es um eigene Interessen, nicht um die Gemeinde. In ihrer Rede habe sie den Gemeinderat mit keinem Wort erwähnt, nur von sich gesprochen. Dennoch bietet Wenninger Kruppa ein weiteres Gespräch unter vier Augen an.
Die lehnt ab. „Jetzt brauche ich kein Gespräch mehr, das Gespräch gab es, und es wurde nichts daraus gemacht.“ Kruppa bestätigt, den Kontakt zu Fraktion und Vorstand abgebrochen zu haben. „Und ich möchte wissen, ob Sie, wenn man Ihnen solche Sachen ins Gesicht sagt, sich mit diesen Leuten noch mal an einen Tisch setzen würden. Ich nicht.“ Das, was sie gesagt habe, „hat raus müssen. Mir geht es jetzt besser, und ich wünsche der CSU viel Glück.“
Lex präsentiert sich ruhig
Kürzer, persönlicher und ruhiger präsentiert sich Lex. „Da ich die Erste Bürgermeisterin in den letzten Jahren öfters und länger vertreten durfte, es waren genau 372 Tage, habe ich bewiesen, dass ich es kann.“ Er betont die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Verwaltung und Gemeinderat und moniert, dass vieles schlicht zu langsam gehe – Breitbandausbau, Freizeitgelände, Gewerbegebiete. „Ich möchte parteiübergreifend sachlich zusammenarbeiten, nach dem Motto ,Entweder wir finden einen Weg, oder wir machen einen Weg’.“
„Beschädigung der CSU“
Vorwürfe und Anfeindungen sind in der anschließenden Aussprache zu hören. Harry Bielan, ehemaliger Vorsitzender des SV Eichenried, bringt auf den Punkt, was viele an diesem Abend denken, als er von einer „Beschädigung der CSU“ spricht, „wo in der Öffentlichkeit ausgetragen wird, was man leicht mit Kommunikation aus dem Raum hätte schaffen können.“ Man habe den roten Faden verloren und sich in Kleinkriegen verzettelt, Leidtragende seien die Bürger, die einen Anspruch auf schnelle, pragmatische Entscheidungen hätten.
Applaus für den Kandidaten
Schnell geht danach die Wahl über die Bühne, die Wahlkabinen nutzt dafür kaum jemand. Erdings OB Max Gotz als Wahlleiter verkündet „eine klare Entscheidung“. Von den 123 abgegebenen Stimmen entfallen 75 auf Lex und 47 auf Kruppa, ein Stimmzettel trägt einen dritten Namen. Applaus brandet auf, die Anspannung fällt sichtlich ab – von Lex, der freudestrahlend aufspringt und ruft: „Ich werde mein Bestes geben!“ Aber auch Kruppa wirkt erleichtert, gratuliert Lex und bedankt sich bei ihrem Mann, ihrer Familie und ihren Unterstützern.
Gemeinderatsbewerber: Ortsvorstand hat Liste vorbereitet
Die Wahl der Gemeinderatskandidaten gerät danach fast zur Nebensache. Der Ortsvorstand hat eine Liste vorbereitet, gesetzt sind Lex (Platz 1), Marheineke (3) und Christoph Meier (2). „Er ist für uns die Zukunft“, sagt Marheineke: Kommt der 28-jährige Eichenrieder in den Gemeinderat, will man ihn für 2026 als Bürgermeisterkandidat aufbauen. „Mir liegt die Gemeinde sehr am Herzen“, sagt Meier, der gerade seinen Master in BWL macht.
Die weiteren Plätze werden in freier Wahl besetzt. Von den amtierenden Räten treten Peter Stangl und Georg Brummer nicht mehr an. Als alle Ergebnisse feststehen, sind viele Besucher schon gegangen. Überschattet wird das Ende der Versammlung, als Hausherrin Marietta Burger-Braun sichtlich erbost warnt: Jemand habe glitschiges Spülmittel oder Seife auf der Treppe verteilt, eine Person sei fast gestürzt.
vam
