Amtsgericht

Morddrohungen und ein Schlag mit der Schnapsflasche

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Der Angeklagte soll mehrfach betrunken in der Unterkunft aufgetaucht sein, obwohl dort striktes Alkoholverbot herrscht. „Er war sehr schnell aggressiv“, sagte ein Sicherheitsmann vor Gericht aus.

Mehrere Morddrohungen, Beleidigungen und ein Schlag mit einer Schnapsflasche: Die Anklageschrift gegen einen 26-jährigen Asylbewerber war üppig. In der fast vierstündigen Verhandlung am Amtsgericht in Wolfratshausen spielten sich turbulente Szenen ab. Am Ende wurde der Mann zu einer Haftstrafe verurteilt.

Bad Tölz/Wolfratshausen – Sieben Zeugen und eine Gerichtsmedizinerin zeichneten dasselbe Bild vom Angeklagten. Er soll regelmäßig betrunken in der Unterkunft aufgetaucht sein, in der striktes Alkoholverbot gilt. „Er war sehr schnell aggressiv“, sagte ein Sicherheitsmann aus. Oft sei Streit entbrannt, weil sich der Iraker über das Trinkverbot in der Einrichtung hinweggesetzt hatte. So auch an einem Abend im vergangenen November. 1,8 Promille Alkohol hatte der junge Mann laut Gerichtsmedizinerin im Blut, als er mit einer Schnapsflasche in der Eingangshalle auftauchte. „Ich habe ihm gesagt, dass er die Unterkunft verlassen soll, wenn er trinken möchte“, erinnerte sich ein Mitarbeiter der Sicherheitsfirma. Dann habe er den Betrunkenen vor die Gartentüre geleitet. Dort eskalierte die Situation: Der 26-Jährige schlug ihm mit einer Flasche eine Platzwunde über dem rechten Auge.

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Auch Bedrohungen hatte es gegeben. Als der Iraker einen Ex-Mitarbeiter der Sicherheitsfirma in Bad Tölz traf, drohte er, den Mann mitsamt seiner Familie „auszulöschen“. Davor soll er den Sicherheitsmann beschuldigt haben, ihm vor einiger Zeit die Nase mit einem Faustschlag gebrochen zu haben. „Er ist betrunken gestürzt. Ich habe erfolglos versucht, ihn aufzufangen. Dabei hat er sich eine blutige Nase zugezogen“, erinnerte sich der Zeuge.

Der Angeklagte sagt: „Das ist gelogen“

Als das Opfer seine Aussage machte, veränderte sich der Gesichtsausdruck des Angeklagten. Zuvor hatte er mit den Tränen gekämpft, beim Anblick des Mannes ballte er die Fäuste auf dem Tisch, seine Augen verengten sich zu Schlitzen. „Jedes Mal, wenn wir uns begegnen, sieht er mich so bedrohlich an“, gab das Opfer zu Protokoll.

Einschüchternd trat der Iraker auch in der Tölzer Unterkunft auf: Als er wieder einmal betrunken Streit mit den Sicherheitskräften angezettelt hatte, riefen diese ihren Bereichsleiter hinzu. Auch, weil sie glaubten, ein Messer beim Angeklagten gesehen zu haben. Vom Balkon seines Zimmers aus drohte der Iraker dem Bereichsleiter: Er drückte sich ein Messer an den Hals und fuhr damit an seiner Kehle entlang. Davor habe er den Mann beleidigt.

Die Erklärung des Angeklagten zu den Vorwürfen fiel knapp aus: „Das ist gelogen.“ Vielmehr sei er das Opfer von Drohungen und Gewalt der Sicherheitskräfte gewesen. Der Iraker beteuerte: „Seit ich in Deutschland bin, habe ich niemandem etwas getan.“ Amtsrichter Helmut Berger entgegnete knapp: „Muss ich Sie auf Ihre Vorstrafen hinweisen?“ Sechs davon hat der Iraker in seinen ersten Jahren in Deutschland angesammelt.

Selbst der Verteidiger zeigte kein Verständnis für das Verhalten seines Mandanten. „Ihm mangelt es komplett an Einsicht. Aus den Vorstrafen hat er nichts gelernt.“ Auch der Staatsanwalt haderte mit dem Auftritt des Irakers: „Er sucht für alle seine Taten die Schuld bei jemand anderem.“ Erst in seinen letzten Worten entschuldigte sich der Angeklagte: „Ich bereue das alles sehr.“

Der Richter verurteilte den Mann zu einer Haftstrafe von einem Jahr und drei Monaten – ohne Bewährung. Nach der Urteilsverkündung brach der 26-Jährige in Tränen aus. Er betonte, sich bessern zu wollen, um seine Familie zu sehen. Sein Verteidiger machte ihm klar: „An Ihre Kinder und Ihre Frau hätten sie früher denken müssen. Dann säßen wir nicht hier.“  dst

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