VonVolker Ufertingerschließen
Etwa 40 Gautinger fanden am Montag den Weg zur Bürgerversammlung ins Rathaus. Aus den Wortmeldungen wurde klar: Den Bürgern geht vieles zu langsam – von der Mühltalsperre bis zum Patchway-Anger.
Gauting – Für Radfahrer ist das Mühltal derzeit ein Paradies. Wegen der Baustelle am Würmufer verkehren praktisch keine Autos, sodass Biker ungewohnt freie Fahrt haben. Für viele andere hingegen ist es aber ein Ärgernis, dass sich die Arbeiten immer wieder verzögern. „Soll das ein Jahrtausendwerk werden?“, fragte Franz-Walter Bernsau sarkastisch in der Bürgerversammlung. Landrat Stefan Frey verwies darauf, dass das Staatliche Bauamt Weilheim alles tue, um schnell fertig zu werden. „Das hat man uns glaubhaft versichert. Die Baustelle ist eben etwas komplexer als gedacht.“ Jetzt sei Ende November als Fertigstellungstermin angepeilt. „Bis dahin heißt es noch Zähne zusammenbeißen.“
Doch auch beim Patchway-Anger geht es Bernsau deutlich zu langsam voran. „Ich kann mich an die ersten Workshops erinnern. Das ist acht Jahre her“, monierte er. „Wann soll das denn fertig sein?“ Bürgermeisterin Dr. Brigitte Kössinger trat dem Eindruck entgegen, dass bei dem Projekt Stillstand herrscht. „Es passiert viel, Sie sehen es nur nicht.“ Es sei bekannt, dass in Deutschland im Schnitt zehn Jahre geplant werde, bevor es an die Umsetzung geht.
Der Landkreis befindet sich in einer angespannten Lage, das wurde aus dem Vortrag des Landrats mehr als deutlich. Grund sind vor allem die Vorgaben aus Berlin. Was die Verteilung der Asylbewerber angeht, sei man an der Grenze der Kapazitäten angelangt. Diese Woche werde wieder ein Bus mit 60 Flüchtlingen erwartet. Nach wie sträubt sich Frey dagegen, Turnhallen zu belegen. „Das haben wir zwei Mal gemacht, das war nicht gut, weder für die Flüchtlinge, noch für die Bürger.“ Jetzt erwäge das Landratsamt, notfalls Liegenschaften der öffentlichen Hand zu beschlagnahmen.
Große Sorgen angesichts der Krankenhausreform
Große Sorgen macht ihm auch die Krankenhausreform der Berliner Ampelregierung. „Da wird das Gesundheitswesen vom Kopf auf die Füße gestellt.“ Die nächsten zehn Jahre würden massive Veränderungen mit sich bringen, und er sehe es als eine Aufgabe, die Zeit so gut wie möglich zu überbrücken – auch um der 200 Mitarbeiter willen, die in den Kreiskliniken tätig sind.
Der Landkreis und die 21 Gemeinden bilden eine Art Schicksalsgemeinschaft, auch, weil sich der Kreis über die Kommunen finanziert. Die sogenannte Kreisumlage beträgt heuer für die Würmtalgemeinde 15,6 Millionen Euro, der bei Weitem größte Posten im Haushalt. „Ich nehme an, dass es 2024 über 16 Millionen Euro gehen wird“, vermutete die Bürgermeisterin. Sie klärte auch den scheinbaren Widerspruch auf, warum in Gauting einige Millionäre wohnen, die Gemeinde aber nicht davon profitiere. „Die Einkommenssteuer ist gedeckelt, für Einzelverdiener auf 35 000 Euro und für Doppelverdiener auf 70 000 Euro“, erklärte sie. Zwar gebe es Gedankenspiele, diese Grenze anzuheben. „Aber da ist leider noch nichts spruchreif.“
Erneut machte sich Kössinger für bezahlbaren Wohnraum in der Gemeinde stark, wie er am Patchway-Anger und in Stockdorf entstehen soll. Es sei elementar wichtig, dass Leute mit geringem Einkommen nicht nur in Gauting arbeiten, sondern auch leben können. „Wenn Erzieher pendeln müssen, und sie kriegen ein Angebot aus ihrer Heimatgemeinde, dann besteht die Gefahr, dass sie kündigen“, sagte sie. Gleiches gelte für die Feuerwehr, die „gemeindliche, hoheitliche Aufgaben vollzieht“. Auch die ehrenamtlichen Retter müssten die Chance haben, in Gauting leben zu können.
Tempo 30 auf der Bahnhofstraße?
Thomas Weingart erkundigte sich, ob auf der Bahnhofstraße nicht Tempo 30 sinnvoll sei. „Ich verstehe nicht, dass die Autos so viele Freiheiten haben“, sagte er. Der Landrat erwiderte, dass Tempo 30 nur in seltenen Ausnahmefällen genehmigt werde, nämlich an Gefahrenstellen wie Kindergärten, nachgewiesenen Unfallschwerpunkten oder an besonders lauten Stellen, was durch ein Lärmgutachten belegt werden muss. „Das ist alles sehr misslich“, fand er. „Wir müssen mit der Gesetzeslage leben.“
Sabine Kästner schimpfte über das Trampolin (Jumper) am neuen Bewegungspark an der Würm. Sie beklagte, dass dieses nicht nur, wie vorgesehen, von Jugendlichen ab 14 Jahren genutzt wird, sondern vor allem von Kleinkindern. Deren Eltern würden sich nicht weiter darum kümmern, sondern lieber in ihr Handy schauen. „Das ist eine derartige Lärmbelästigung, das macht uns nervlich fertig“, sagte sie.
Das konnte die Bürgermeisterin nicht nachvollziehen. „Wir haben uns erkundigt, das Trampolin ist laut Hersteller für den Außenbereich geeignet.“ Auch Lärmmessungen hätten keinen besonders hohen Wert ergeben. „Wir wollen einen Treffpunkt für Gautinger Bürger im Zentrum ohne Schwellen“, sagte sie. „Und das ist er auch geworden.“
