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Ein geplantes Freizeitgelände der Stadt München lässt in Germering die Alarmglocken schrillen: Einen See samt Liegewiesen baut die Landeshauptstadt den Nachbarn quasi direkt vor die Nase.
Germering – Bei den vorliegenden Planungen ist Ärger vorprogrammiert – und zwar gleich in mehrfacher Hinsicht.
In Freiham soll ein neuer Badesee entstehen. Das hat der Münchner Stadtrat beschlossen. Die inklusive Liegewiese rund 14 Hektar große Freizeitfläche soll westlich der A 99 in unmittelbarer Nachbarschaft zu Germering gestaltet werden. Die Wasserfläche wäre mit rund 5,3 Hektar mehr als doppelt so groß wie die des Germeringer Sees. Beginnend bei der Allguth-Tankstelle würde sich das Badeareal parallel zur Walkürenstraße bis zum Birnbaumsteigweg ziehen.
Badesee ja, aber nicht so
Geplant ist unter anderem, dass der See nicht mit Autos angefahren werden soll. Eigene Parkplätze sind deshalb nicht vorgesehen. München stellt sich eine Doppelnutzung der PR-Anlage Harthaus vor, die genau gegenüber des südlichen Zugangs zum Seegelände liegt.
Die Stadt Germering sieht diese Pläne sehr kritisch. Zwar findet man es im Rathaus richtig, dass eine Bademöglichkeit für den neuen Münchner Stadtteil entsteht, wo ja bis zu 25 000 Menschen leben werden. Der Stadtrat hatte das sogar gefordert, damit nicht der ohnehin gut frequentierte Germeringer See und das Germeringer Freibad von noch mehr Münchnern besucht wird als bisher. Doch mit den jetzt vorgelegten Plänen ist OB Andreas Haas beileibe nicht einverstanden.
Lärmbelästigung vor allem Nachts
Jetzt müssten im Vorfeld erst einmal wichtige Fragen geklärt werden. Ein zentraler Punkt ist der Lärmschutz. Während zwischen dem See und der Wohnbebauung von Freiham noch die Autobahn und ein Landschaftspark liege, sei nach Germering hin alles offen und der Abstand zur Wohnbebauung sehr gering.
Dieses Problem ist so eklatant, dass es den Münchner Planern auch schon aufgefallen ist. In der Sitzungsvorlage zur Stadtratssitzung der Landeshauptstadt heißt es wörtlich: „Je nachdem, wo sich Aufenthaltsflächen im Umfeld des Sees befinden, kann es insbesondere im Nachtzeitraum zu Störungen der angrenzenden Wohnbebauung Germerings kommen.“ Im Rahmen eines Schallgutachten soll dies nun untersucht werden.
Ungelöstes Parkproblem
Ein nicht weniger wichtiges Thema ist die Erschließung des Freizeitgeländes – vor allem die Parkplatzfrage. OB Haas: „Es darf nicht passieren, dass es Park-Such-Verkehr in den Germeringer Wohnstraßen gibt.“ Nachdem am Badesee keine Stellplatzflächen geplant seien, müsse intensiv nachgedacht werden. Der Park & Ride-Platz beim Bahnhof Harthaus ist auch ohne See oft voll.
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Vertreter der Landeshauptstadt verteidigen ihre Pläne. Münchens Kommunalreferentin Kristina Frank erklärt, dass der See sowohl von Freiham als auch von Germering aus zu Fuß, mit dem Rad und der S-Bahn unkompliziert zu erreichen sein wird. Auch Münchens Dritte Bürgermeisterin Verena Dietl sieht der Internetseite der Landeshauptstadt zufolge nur Positives: „Der Badesee würde sowohl das neue Quartier in Freiham als auch der Nachbarstadt Germering deutlich aufwerten.“
München will Pläne vorstellen
Die Landeshauptstadt hat wegen des Badesees übrigens schon Kontakt mit Germering aufgenommen. OB Haas berichtet, dass er ein Schreiben des Planungsreferats erhalten habe. Es werde angeboten, die Planungen im Germeringer Stadtrat vorzustellen. Dies werde wohl in einer der ersten Sitzungen nach den Sommerferien geschehen, erklärt Haas.
Germering will mitmischen
Dann müsse auch über den Zeitplan der Umsetzung gesprochen werden, so der Rathauschef: „Mal ist zu hören, dass der See sofort realisiert werden könne. Dann ist wieder von bis zu sieben Jahren die Rede, bis er benutzt werden kann.“ Die Landeshauptstadt geht in der Sitzungsvorlage sogar von bis zu 15 Jahren aus, ehe im See gebadet werden kann.
Auch andere Nachbarn aufgeschreckt
Der Germeringer Rathauschef setzt voraus, dass für den Bau des Sees die üblichen baurechtlichen Verfahren durchgeführt werden müssen. Dann müsse die Stadt Germering beteiligt werden. Darüber hinaus fordert OB Haas, dass man auch außerhalb des formalen Verfahrens in die Planung eingebunden werde. Dies habe schon der für Aubing, Lochhausen und Freiham zuständige Bezirksausschuss 22 in einem Antrag an den Münchner Stadtrat gefordert.
Kommentar
Klar, noch ist nicht beschlossen, wie der neue Freihamer See tatsächlich einmal aussehen wird. Aber schon in der jetzigen Phase muss man befürchten: Die Landeshauptstadt nimmt bei ihren Planungen wenig Rücksicht auf die kleineren Nachbarn. Das war bei der Entstehung des neuen Stadtteils Freiham von Anfang an zu spüren. Nur ein Bespiel: Alle Klagen der Stadt Germering, dass die Verkehrserschließung für 25 000 Einwohner nicht zu Lasten ihrer Bürger geschehen darf, wurden links liegen gelassen.
Und jetzt will man einen See, der doppelt so groß ist wie der Germeringer, in unmittelbarer Nähe zur hiesigen Wohnbebauung anlegen. Dass es da nicht nur Lärmprobleme geben wird, ist den Münchner Verantwortlichen immerhin auch schon aufgefallen.
Auch die Idee, keine neuen Parkplätze auszuweisen, weil ja der benachbarte Harthauser P&R-Platz doppelt genutzt werden könne, ist haarscharf an der Realität vorbeigedacht. Freie Plätze gibt’s da nicht so oft.
Man kann nur hoffen, dass die Münchner Verantwortlichen die Ängste Germerings ernst nehmen. Immerhin haben Vertreter der Landeshauptstadt schon Kontakt mit OB Andreas Haas aufgenommen und wollen die See-Pläne im Germeringer Stadtrat vorstellen. Das ist allerdings auch bei der Planung Freihams passiert. Berücksichtigt wurden die Germeringer Belange dann aber doch nicht. (Klaus Greif)
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