VonDirk Walterschließen
Der Münchner OB Dieter Reiter soll ein Engagement des Flughafens München in Albanien stoppen. Dass er es tut, ist indes unwahrscheinlich.
Weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit entsteht in Albanien derzeit das größte Flughafenprojekt Europas: Nahe der Mündung des Flusses Vjosa wird der Flughafen Vlora aus dem Boden gestampft. Und zwar mit tätiger Mithilfe der Flughafen München GmbH, kurz FMG. Ihre Tochterfirma Munich Airport International (MAI) ist am Flughafen Vlora „beratend“ tätig. Bisher sind alle Versuche gescheitert, den Flughafen von seinem Engagement abzubringen.
Nun unternimmt der Bund Naturschutz einen letzten Versuch: Er fordert den Münchner Stadtrat auf, sich in seiner Sitzung am Dienstag gegen die Beteiligung der MAI auszusprechen. Hintergrund: Über seine Beteiligung am Flughafen München (23 Prozent) hat Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) im Aufsichtsrat bei solchen Engagements ein Wort mitzureden.
(Übrigens: Alles aus der Region gibt‘s jetzt auch in unserem regelmäßigen Erding-Newsletter.)
Flughafen München in der Kritik
Schon seit 2021 wird am Flughafen gebaut – nach einem Trick, so der Bund Naturschutz: Die Regierung habe das Baugebiet einfach aus dem Naturschutzgebiet „ausgezoont“, um ungestört von Naturschutz-Einwänden bauen zu können. Am 8. Mai soll es nach Informationen des BN erste Testflüge geben. Premierminister Rama wolle kurz vor den Parlamentswahlen offenbar ein Zeichen setzen. Albanien erhofft sich einen Aufschwung beim Tourismus. Der Eröffnungstermin selbst liegt aber noch in weiter Ferne. BN-Landesbeauftragter Martin Geilhufe war 2023 selbst vor Ort. „Wir haben in der Narta-Lagune Flamingo-Schwärme gesehen“, sagt er. Damit wäre es wohl vorbei, wenn der Flughafen seinen Betrieb aufnimmt.
Verschachtelte Firmenkonstruktion
Auf welche Weise der Flughafen München sich in Albanien engagiert, darüber kursieren verschiedene Theorien. Der Bund Naturschutz hält es für möglich, dass die MAI schon einen Zuschlag für den künftigen Betrieb des albanischen Airports erhalten hat. Das dementiert ein Sprecher der FMG: Die MAI erbringe „lediglich reine Beratungsleistungen im Themenbereich Flughafenbetrieb für den Konzessionär MABCO“, betont er. Die MABCO Constructions S.A. wiederum ist eine Tochter der MABETEX Group mit Sitz in Lugano (Schweiz), die die langfristige Konzession zum Bau, Betrieb und Management des neuen Flughafens Vlora erhalten habe. „Ein Betrieb des Flughafens Vlora durch die MAI oder die Flughafen München GmbH ist nicht geplant.“
Nicht nur in Japan: Kirschblüte begeistert Münchner




Die Aussichten, dass der Stadtrat der Empfehlung des Bund Naturschutz folgt, eher gering sein. Bereits der Wirtschaftsausschuss hatte die Ablehnung der deswegen eingereichten Petition empfohlen. Für den Münchner BN-Chef Christian Hierneis eine Enttäuschung: „Albanien ist weit weg.“ Aber man dürfe in München nicht „die Augen vor der Naturzerstörung verschließen“.
