- VonJulian Limmerschließen
Der Brauerei-Plan in München: Giesinger will neue Stehausschänke in Sendling und der Maxvorstadt eröffnen. Langfristiges Ziel: Ein Stehausschank für jedes Viertel.
Steffen Marx hat ehrgeizige Pläne. Der Brauereichef von Giesinger Bräu will nichts weniger als einer alten Münchner Tradition, die er bereits vom Aussterben bedroht sieht, wieder zu alter Große verhelfen. Dem Stehausschank. Also der Möglichkeit, sich sein Bier im Wirtshaus nicht an den Tisch bringen zu lassen, sondern es stehend zu genießen. „Unser langfristiges Ziel ist es, in jedem Münchner Viertel einen Stehausschank zu eröffnen“, sagt Marx.
Bis dahin ist es zwar noch ein langer Weg, angefangen hat Giesinger Bräu aber bereits. Vor mehr als drei Jahren eröffnete das Brauhaus einen Stehausschank am Viktualienmarkt – von manchen wurde das damals als große Rückkehr zu alter Münchner Trinkkultur gefeiert. Kurz darauf kam Corona, dann ging erstmal nichts – mittlerweile brummt das Geschäft am Viktualienmarkt aber. „Das Konzept erfreut sich zunehmender Beliebtheit“, sagt Marx. Deshalb sei es an der Zeit, den nächsten Schritt zu gehen.
Zwei neue Stehausschänke: Die Pläne von Giesinger für Sendling und die Maxvorstadt
Zwei neue Stehausschänke von Giesinger sollen bereits im Juli und August dieses Jahres eröffnen. Genaue Eröffnungsdaten stehen zwar noch nicht, die Bauarbeiten laufen aber schon. Geplant: ein neuer Ausschank in der Maxvorstadt (Augustenstraße 90) und einer in Sendling (Oberländerstraße 31). Essen soll es nicht geben: „Es braucht keine Speisekarte, um niveauvoll sein Bier zu trinken“, findet Marx. Als Vorbild dient der Stehausschank am Viktualienmarkt.
Das Schöne daran sei: Vor dem Tresen im Stehausschank vermische sich das Publikum sehr stark: „Von 18 bis 80 Jahren stolpern da alle mal rein, egal aus welcher Gesellschaftsschicht“, sagt Marx. Das zeige die Erfahrung vom Viktualienmarkt.
„Wir zapfen das Bier aus Tanks.“
Ein weiterer Vorteil aus Wirts-Sicht: Verglichen mit kompletten Restaurants seien Stehausschänke mit wenigen Mitarbeitern zu stemmen – zwei Schankkellner reichten. Und natürlich: „Bier und Gastgeberqualitäten, das ist alles, was man braucht,“ sagt Marx. In Zeiten der Personalknappheit sei das Konzept daher perfekt. Bis zu 30 Gäste sollen dann in den beiden neuen Schankwirtschaften jeweils Platz haben – auf kuscheligen 30 Quadratmetern. Im Hintergrund soll Musik laufen.
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Auch Details für die Zapfanlagen gibt‘s schon. Marx sagt: „Wir zapfen das Bier aus Tanks.“ Direkt neben der Schänke sollen große Behälter stehen, in die bis zu 1000 Liter Bier passen. Diese Tanks werden zapffrisch direkt von der Brauerei in die Kneipe geliefert. Das sorge für hohe Frische und Qualität des Bieres, sagt Marx. Daneben solle es aber mindestens 16 Biersorten zur Auswahl geben – auch aus Flaschen. Die Halbe soll um die 4,20 Euro kosten. Für ein entspanntes Prost im Stehen!
Von der Garage zur Brauerei-Größe: Die Geschichte von Giesinger Bräu
Ihren Ursprung nahm die Erfolgsgeschichte von Giesinger Bräu vor über 15 Jahren in einer Garage in der Birkenau (Foto), wo Gründer Steffen Marx seine ersten Biere braute. Schnell entwickelte sich aus dem kleinen Projekt eine etablierte Größe auf dem Münchner Biermarkt. Nach der Gründung folgte das Stammhaus am Giesinger Berg samt eigenem Bräustüberl. Im Jahr 2020 eröffnete das Unternehmen dann die große Brauerei „Werk 2“ in Milbertshofen, wo rund 10 000 Flaschen Bier pro Stunde abgefüllt werden können. Ein weiterer „Meilenstein in der Geschichte der Brauerei“, sagte Marx damals. Das Wasser für ihre Biere pumpt die Brauerei dort aus einem 150 Meter Tiefbrunnen. Damit braut die Brauerei seit verhangenem Jahr ihr „Münchner Hell“.
