VonSascha Karowskischließen
Sind 155 Meter zu hoch für die Landeshauptstadt? Zu den geplanten Türmen am Paketposthallen-Areal steht ein Bürgerbegehren an.
München - Wie hoch darf es in München denn sein? Die Hochhaus-Frage spaltet die Stadt – manche können sich die zwei 155 Meter hohen Türme am Paketposthallen-Areal durchaus vorstellen. Andere lehnen sie ab. Vorkämpfer der Kritiker ist der CSU-Landtagsabgeordnete Robert Brannekämper. Der hat mit der Initiative „HochhausSTOP“ eine Unterschriftensammlung für ein Bürgerbegehren gestartet.
Bekommen die Turm-Gegner mindestens rund 35.000 Unterschriften zusammen, käme es zum zweiten Bürgerentscheid, der sich mit der Frage der Bauhöhe auseinandersetzt (siehe Infobox). „Die Hochhäuser an der Paketposthalle wären ein Dammbruch“, sagt Brannekämper.
Der erste Zoff um die Höhe
Es war mehr als eine Abstimmung. Es war der Kampf zweier kommunalpolitischer Kolosse: zwischen Münchens damaligem OB Christian Ude und seinem Vorgänger Georg Kronawitter (beide SPD). Letzterer hatte 2004 einen Bürgerentscheid auf den Weg gebracht und die Münchner aufgefordert, über Hochhäuser abzustimmen. Anlass waren zwei vom Stadtrat genehmigte 148 Meter hohe Bürotürme auf dem Siemens-Gelände und ein 146 Meter hohes Gebäude des Süddeutschen Verlags im Osten. Kronawitter sah dadurch das Stadtbild beschädigt. Das Ergebnis war knapp. Mit 50,8 Prozent votierte die Mehrheit der Wähler dafür, dass in München Gebäude nicht über die 100-Meter-Grenze wachsen dürfen. Letztlich gaben 3055 Stimmen den Ausschlag. Von den damals knapp 920 000 wahlberechtigten Münchnern beteiligten sich 21,9 Prozent.
Hochhäuser in München: SPD-Fraktionschef spricht von „Leuchtturmprojekt“
Befürworter der Hochhaus-Pläne sehen das anders. „Auf dem Paketpost-Areal haben wir die Möglichkeit, ein zukunftsfähiges Quartier zu entwickeln, das zentrumsnah bezahlbaren Wohnraum schafft und gleichzeitig hohe Nachhaltigkeitsstandards setzt“, sagt SPD-Fraktionschef Christian Müller. Es könne ein Leuchtturmprojekt entstehen, das moderne Architektur, mutigere Hochpunkte und großzügige Frei- und Grünflächen vereine.
„Dafür müssen die Planungen in engem Dialog zwischen Politik, Stadtverwaltung, Bürgern sowie dem Investor weiterlaufen.“ Der Denkmalschutz sei ein wichtiges Instrument, das bei der Stadtplanung zu berücksichtigen sei. „Wir müssen an geeigneter Stelle aber auch fortschrittliche Architektur zulassen, damit sich die Stadt weiterentwickeln kann.“
Hochhaus-Debatte in München: Legt der Stadtrat ein Ratsbegehren auf?
Denkbar ist weiterhin, dass der Stadtrat sich entscheidet, ein Ratsbegehren aufzulegen. Dann würden die Münchner nicht einfach nur befragt, ob sie gegen die Hochhäuser sind. Sondern die Bürger könnten auch abstimmen, ob sie dafür sind. Grünen-Chef Dominik Krause sagt, die Frage, ob Hochhäuser gut in ein Viertel passen, hänge nicht allein von der Höhe ab. „Allerdings haben die Münchner 2004 entschieden, dass es eine feste Obergrenze von 100 Metern geben soll. Daher gilt es jetzt – 18 Jahre später–, die Münchner zu befragen, ob sie diese Entscheidung noch für zeitgemäß halten.“
Das sieht auch CSU-Chef Manuel Pretzl so. „Wir streben ein Ratsbegehren an, damit die Bürger entscheiden.“ Er persönlich könne sich in München auch einzelne architektonisch spannende Hochhäuser vorstellen, die über 100 Meter hoch sind. „Es kommt immer auf den Einzelfall an: Wo soll das Hochhaus stehen, wie sieht die Umgebung aus und wie fügt sich der konkrete Entwurf ins Stadtbild ein?“
