VonJana Stäbenerschließen
Ein Experte für Sicherheit analysiert die Schüsse in München und erläutert, was ihn an der vermeintlichen Waffe des Täters überrascht.
In der Nähe des israelischen Generalkonsulats und NS-Dokumentationszentrums in München fielen am Donnerstagvormittag (5. September) Schüsse. Beim mutmaßlichen Täter handelt es sich laut Polizei München um einen 18-Jährigen aus Österreich. Sein Motiv war zunächst unklar. Ein Video des Vorfalls bei X (ehemals Twitter) zeigt einen Mann, bekleidet mit Turnschuhen, schwarzer Jacke und roter Hose, beim Laden und Abfeuern einer Langwaffe.
„Wenn ich mich nicht täusche, handelt es sich bei der Tatwaffe um eine Repetierbüchse mit Bajonett Typ Mauser 98K, wie sie zu Wehrmachtszeiten von 1934 bis 1945 hergestellt wurde“, sagt der Waffenexperte Malte Roschinski BuzzFeed News Deutschland von IPPEN.MEDIA. „Fast schon historisch“, sagt er. „Das muss aber natürlich erst verifiziert werden!“
Waffenexperte: Mutmaßlicher Schütze hatte „keinen ausgefeilten Plan“
Sollte es sich tatsächlich um eine Mauser 98K handeln, so wundere es ihn, dass der Täter solch eine Waffe verwendet hat. Bei diesem Gewehr müsse man nach jedem Schuss einen Hebel betätigen, um erneut schießen zu können. Das dauere ein paar Sekunden, bei ungeübten Personen noch länger. „Damit sind, wenn es gut läuft, fünf Schüsse möglich“, sagt Roschinski. „Die Waffe ist nicht für einen Massenmord geeignet, auch wenn das Messer vorne natürlich schon großen Schaden anrichten kann.“
Ging der Täter also gewissermaßen auf Selbstmord-Mission? „Er hatte zumindest keinen ausgefeilten Plan“, sagt der Waffenexperte, der Firmen, NGOs und politische Institutionen in Sicherheitsfragen berät. Bereits zum Attentat auf den ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump hatte er unserer Redaktion eine Einschätzung gegeben.
Schüsse in München: „Grundidee seiner Tat ist mehr als rätselhaft"
„Was hat er sich vorgestellt? Nach einem Schuss aus solch einer Waffe ist sofort die ganze Umgebung alarmiert“, fragt sich Roschinski. Weil vor israelischen Institutionen immer bewaffnete Polizisten stehen, hätte dem Mann klar gewesen sein müssen, dass die nach den Schüssen in München sofort eingreifen würden. Tatsächlich wurde der mutmaßliche Täter dem israelischen Generalkonsulat niedergeschossen.
Dass der mutmaßliche Täter nicht so richtig wusste, was er tut, erkennt der Waffenexperte nach eigenen Angaben auch am Abschuss-Moment. Die Waffe habe einen „enormen Rückstoß“, den sehe man daran, dass „der Täter fast aus den Schuhen kippt“. „Er zuckt richtig zusammen und er hat seine Füße parallel, was Schützen mit Erfahrung bei solch einer Waffe nicht tun würden. Die ganze Grundidee seiner Tat ist also mehr als rätselhaft.“
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