VonVeronika Machtschließen
Maria Feckl (58) aus Forstern ist Mitorganisatorin der Münchner Friedenskonferenz.
Forstern/München – Maria Feckl aus Forstern ist Friedensaktivistin und Mitorganisatorin der Internationalen Münchner Friedenskonferenz, die sich als inhaltliche Alternativveranstaltung zur Münchner Sicherheitskonferenz (MSC) versteht und am Wochenende zum 21. Mal stattfindet. Wir sprachen mit der 58-Jährigen über ihre Aufgaben als Projektleiterin, die Ziele der Friedenskonferenz, und warum es ihrer Meinung nach ein Fehler ist, dass kein Vertreter der russischen Regierung zur MSC eingeladen wurde.
Frau Feckl, wie kam es zu Ihrem Engagement bei der Friedenskonferenz?
Ich war lange in einer Firma tätig, die als Kunden auch mit Unternehmen aus Luft- und Raumfahrt zu tun hatte. Solche Firmen sind auch schnell mit Rüstungsunternehmen verwickelt, schon da kam bei mir große Unzufriedenheit mit dem System auf. Ich bin zudem schon länger als Mitglied bei Pax Christi Erding-Dorfen engagiert, und Pax Christi ist eine der Trägerorganisationen der Münchner Friedenskonferenz. So kam ich dazu. Die Tätigkeit der Projektleiterin habe ich voriges Jahr übernommen.
Was erwarten Sie von der diesjährigen MSC?
Es wird auf jeden Fall sehr spannend und herausfordernd angesichts des Ukraine-Kriegs. Da gibt es keine einfachen Lösungen. Aber wir haben klare Positionen, die auch eine breite Bevölkerungsschicht vertritt: Viele Menschen haben Angst, dass sich der Krieg ausweiten könnte, dass er zum Welt- oder Atomkrieg werden könnte.
Wie bewerten Sie die Sicherheitskonferenz grundsätzlich?
Man muss deren Geschichte betrachten. Sie wurde einst als „Wehrkundetagung“ gegründet, inzwischen heißt sie Sicherheitskonferenz. Im Kern ist es ein transatlantisches Bündnis, das der NATO verpflichtet ist, einem sehr aggressiven Verteidigungsbündnis.
Die Konferenz leistet also keinen Beitrag zum Frieden?
Nein, und das liegt an der militärischen Ausrichtung der Sicherheitskonferenz. Das zeigt sich auch an den Geldgebern, zu denen unter anderem Rüstungsunternehmen gehören. Dabei lassen sich unsere drängendsten Weltprobleme – Klimawandel, Hungerproblematik, Verlust von Biodiversität oder die wachsende Schere zwischen Arm und Reich – nicht mit Militarisierung lösen. Doch die Ausrichtung der Sicherheitskonferenz ist mit dem neuen Vorsitzenden Christoph Heusgen noch extremer geworden.
Inwiefern?
Seine Vorgänger wie Wolfgang Ischinger haben noch versucht, Dialoge zu eröffnen und diplomatische Verbindungen zu knüpfen. Sie haben dazu auch iranische und russische Vertreter eingeladen, das ist heuer nicht der Fall. Wir aber meinen, dass genau diese diplomatischen Wege wieder gesucht und eröffnet werden müssen.
Dabei heißt es doch immer, mit dem russischen Präsidenten Putin könne man nicht verhandeln.
Ich sage nicht, dass verhandeln leicht ist oder je leicht war. Aber UN-Generalsekretär Guterres hat mit Putin die Getreidelieferungen verhandelt. Mit dem Roten Kreuz und Putin wurde der Gefangenenaustausch verhandelt. Dies beweist, dass verhandeln möglich ist.
Die Friedenskonferenz versteht sich als inhaltliche Alternativveranstaltung zur Sicherheitskonferenz. Welche Positionen vertritt sie?
Wir sagen Nein zu Aufrüstung und Militarisierung. Nein zur Profitgier der Rüstungsindustrie. Nein zu weiteren Eskalationen. Wir verurteilen den völkerrechtswidrigen russischen Angriffskrieg auf die Ukraine und erkennen das Selbstverteidigungsrecht der Ukraine an. Wir fordern Initiativen zu Gesprächen und Verhandlungen über einen Waffenstillstand.
Was sind die Ziele der Friedenskonferenz?
Ein wesentliches Ziel ist es, Denkprozesse anzustoßen und konstruktive Konzepte zu entwickeln, um andere Sichtweisen darzustellen. Wir wollen Perspektiven aufzeigen für eine am Wohl von Mensch und Natur orientierte Sicherheit. Wir wollen die derzeit polarisierende und auch moralisierende Debatte überwinden und zurück kommen zu einer respektvollen Diskussion verschiedener Positionen. Wir wollen Frieden und Gerechtigkeit gestalten und sagen Nein zu jedem Krieg – ob in der Ukraine, in Syrien oder im Jemen.
Was erwartet die Besucher am Wochenende?
Im Team des Trägerkreises, zu dem Organisationen und Vereine wie Greenpeace, die Internationale Frauenliga für Frieden und Freiheit oder die Projektgruppe „Münchner Sicherheitskonferenz verändern“ gehören, haben wir ein breit gefächertes Programm erarbeitet. Dazu gehören eine Podiumsdiskussion, ein Workshop, die Teilnahme an der Anti-Siko-Demo, eine Punk-Rock-Lyrik-Lesung und ein Friedensgebet (siehe Kasten unten).
Wie ist die Resonanz auf Ihre Forderungen und Positionen bisher?
Ich höre sehr viel Positives, auch in den Sozialen Medien. Sicher gibt es immer wieder Kontrameinungen, das haben wir aber auch erwartet. Ich bin jedoch froh, dass es in der Hinsicht nicht ausgeartet ist. Es kommen viele Anmeldungen auch für den Newsletter rein, die Leute sind durchaus interessiert.
Wie geht es nach dem Wochenende für Sie weiter?
Im März werden sich die Vertreter des Trägerkreises zur Nachbesprechung treffen. Ab Mai folgen monatliche Zusammenkünfte, um die Friedenskonferenz für nächstes Jahr vorzubereiten, Themen und Referenten zu suchen.
Das Gespräch führte Vroni Macht.
Das Programm der 21. Internationalen Münchner Friedenskonferenz
Freitag, 17. Februar, 19 bis 22 Uhr: „Die Zivilgesellschaft und die vermeintliche ,Zeitenwende‘“, Podiumsdiskussion mit Vertretern von Verdi, Letzte Generation, Migrationsbeirat, Internationalem Versöhnungsbund und Ärzteorganisation IPPNW. Ort: Altes Rathaus München, Marienplatz 15.
Samstag, 18. Februar, 10 bis 12 Uhr: Workshop „Wehrhaft ohne Waffen? Wie kann das gehen?“. Ort: Hochschule für Philosophie München
Samstag, 18. Februar, 13 Uhr: Anti-Siko-Demo und Menschenkette am Stachus in München
Samstag, 18. Februar, 19 bis 21.30 Uhr: Kriegsinteressen und Kriegsnarrative: Afghanistan, Ukraine; Ort: Hochschule für Philosophie München
Sonntag, 19. Februar, 11 Uhr: „Make Punk NOT War!“ – Punk-Rock-Lyrik-Lesung mit Thomas Winklmeier. Ort: Eine-Welt-Haus, Schwanthalerstraße 80
Sonntag, 19. Februar, 18 Uhr: Friedensgebet der Religionen. Ort: Nazarethkirche, Barbarossastraße 3
Alle Informationen zur Münchner Friedenskonferenz und Ausführliches zum Programm stehen auf https://friedenskonferenz.info. vam
