Münsing – Denkmäler, Ausstellungen und Präsentationen erinnern an den Humoristen Vicco von Bülow, der im August 2011 verstarb. Doch was ist von Loriot in seiner Wahlheimat Münsing geblieben?
Ein Denkmal möchte ihm Bürgermeister Michael Grasl noch setzen. In Berlin, wo Loriot auf dem Waldfriedhof Heerstraße begraben ist, wird heute ein bunter Gruß aus Münsing eintreffen. „Wir haben einen Strauß mit Hortensien, seinen Lieblingsblumen, geschickt“, erzählt Grasl. Am 12. November 1923 in Brandenburg an der Havel geboren, landete Bernhard Victor (Vicco) Christoph-Carl von Bülow exakt 40 Jahre später am Starnberger See. 1963 zog die vierköpfige Familie Bülow nebst mehreren Möpsen in ihr Haus im Ortsteil Wimpasing ein.
Spuren in der Gemeinde Münsing
Im Laufe der Jahrzehnte entwickelte sich eine enge Verbundenheit zwischen ihnen und den Einheimischen. Vicco von Bülow hat also viele Spuren in der Gemeinde hinterlassen. Seit dem Tod des Ehrenbürgers vor zwei Jahren überlegt die Gemeinde, wie und wo sie ihm ein Denkmal setzen könnte. Laut Grasl sollen nächstes Jahr gemeinsam mit der Witwe und der Tochter von Bülows konkrete Pläne geschmiedet werden. Fest stehe, dass man nicht bloß eine Tafel aufstellen wolle, sondern „irgendetwas Humoristisches“. Apropos Denkmal: Die Idee mit dem Sofa – das zu einer Art Ikone der Fernseh-Unterhaltung geworden ist – hatte vor einiger Zeit schon der in Ammerland lebende Bildhauer Ernst Grünwald, als er zusammen mit Bürgermeister Michael Grasl zu einer Gedenkfeier nach Brandenburg gefahren ist. „Das war natürlich nur so eine Gedankenspinnerei, denn dafür hätte man in Münsing ja den entsprechenden Platz gebraucht.“
Im Goldenen Buch und beim Friseur
Dafür hat der Karikaturist, Regisseur und Schauspieler Loriot seinen Münsingern zahlreiche Erinnerungsstücke hinterlassen, denn der Preuße schätzte die „Weltoffenheit seiner zweiten Heimat über alle Maßen“, wie er einmal schmunzelnd bemerkte. Im Goldenen Buch der Gemeinde hat er sich mit einem Knollennasenmännchen – es soll einen Rathausmitarbeiter darstellen – verewigt, das vor einem Wust von Akten sitzt und „Moment“ sagt. Ein Foto mitsamt der Widmung „Meinem Friseur Oswald mit herzlichem Dank für beste Betreuung“ sowie eine Karikatur zieren eine Wand des Friseursalons Oswald an der Hauptstraße. Vicco von Bülow war dort 32 Jahre lang Kunde.
Beim Stammtisch im Gasthaus Limm
Im Gasthaus Limm hält man Loriots einstigen Lieblingstisch am Eck in der Stube immer reserviert für die Familie von Bülow. „Wenn seine Frau in Ammerland ist, kommt sie gerne zu uns“, erzählt Inge Limm. Mit ihrem ebenfalls kürzlich verstorbenem Schwiegervater Sebastian Limm pflegte Loriot ein fast freundschaftliches Verhältnis. Deshalb schenkte er ihm 2008 ein Bild, das er für die ausscheidenden Münsinger Gemeinderäte gezeichnet hatte. Es hängt über seinem früheren Stammplatz. Darauf ist ein Zwitterwesen aus Bauer und Büromensch zu sehen, mit einer Mistgabel in der einen und einem Aktenordner in der anderen Hand. So sah der Humorist die ehrenwerten Mandatsträger. Mit der Karikatur hatte er sich seinerzeit dafür bedankt, dass der Rat der Bauwut im Ammerlander Ortsteil Wimpasing, wo Loriot lebte, einen Riegel vorschob.
Beim örtlichen Judoverein
Beim Judoverein Ammerland-Münsing kommen Loriots berühmte Knollennasenmännchen ebenfalls zu Ehren – in sportlicher Hinsicht versteht sich. Seit rund 33 Jahren besteht der Verein, „und ebenso lange gibt es das Vereinslogo, das Loriot damals eigens für die Judokas gezeichnet hat: zwei typische Loriot-Männchen im Clinch miteinander“, berichtet der Vereinsvorsitzende Martin von Gregory nicht ohne Stolz. Loriot sei mit einigen der Gründungsmitglieder gut bekannt gewesen.
Roswitha Diemer und Tanja Lühr
Rubriklistenbild: © Sabine Hermsdorf