Die Mehrheit des Vorstands des Ostuferschutzverbands kann sich mit dem Seniorenstift Ambach grundsätzlich nicht anfreunden - und hat dies erneut deutlich gemacht.
Münsing – Ein Teil des Vorstands des Ostuferschutzverbands (OSV) hat in einem Offenen Brief an Bürgermeister Michael Grasl und die Gemeinderäte seine Bedenken gegen das geplante Seniorenwohnstift in Ambach geäußert. Die Vorsitzende Ursula Scriba hat das Schreiben nicht unterzeichnet.
Die Verfasser sind Prof. Johannes Umbreit, Dr. Gustav Neumeister, Petra Schulze und Manfred Stecher. Die Vier haben ihrerseits eine Reihe von Fragen an den Investor und Betreiber, das Kuratorium Wohnen im Alter (KWA), nachdem der Gemeinderat KWA zuvor schon einen Fragenkatalog geschickt hatte (wir berichteten). Die Vorstandsmitglieder wollen wissen, wie viele der Seniorenwohnungen der Gemeinde mit Sozialbindung zur Belegung zur Verfügung gestellt werden, wie viele Tages- und Kurzzeitpflegeplätze geplant sind, inwieweit die Nutzung der Gemeinschaftseinrichtungen wie Schwimmbad und Veranstaltungssaal durch die Münsinger Bürger gesichert ist, welche Altersgrenzen für die künftigen Mieter gelten und welche Mieten zu erwarten sind. Laut OSV will das Unternehmen südlich oder nördlich der Wohnanlage 20 Personalwohnungen errichten – ein Gerücht, dem KWA kürzlich bei einem Pressetermin widersprochen hatte.
Die OSV-Vertreter lehnen das Projekt – in ihren Augen eine „Luxusanlage“, die sich nicht mit dem Rahmenplan der Gemeinde verträgt – im Gegensatz zu ihrer Vorsitzenden Scriba ab. Sie würden lieber eine Reha-Klinik auf dem Grundstück sehen, für die KWA bereits eine Baugenehmigung hat, die von dem Unternehmen aber nur als Notlösung betrachtet wird. „Warum ist es überhaupt erforderlich, dass die Gemeinde einen Bebauungsplan nach den Wünschen des Investors aufstellt, wenn es doch einen genehmigten Antrag für eine Klinik gibt?“, fragen die Briefschreiber. Sie halten beide zur Debatte stehenden Architektenentwürfe für das Wohnstift für „überdimensioniert“. Dr. Neumeister sagt im Gespräch mit unserer Zeitung, ihm sei klar, dass der Gemeinderat sich wohl für das Wohnstift entscheiden werde. Doch wenn dies schon nicht zu verhindern sei und die Gemeinde „weiter den Wünschen des Investors folgt“, müsse sie wenigstens eine massive Reduzierung der Wohnungsanzahl und des Bauvolumens festsetzen. In dem Pressegespräch hatte KWA auf der Zahl von 80 Wohnungen bestanden. Dies sei aus wirtschaftlicher Sicht notwendig.
Bürgermeister Michael Grasl, dem das OSV-Schreiben schon länger vorliegt, hat darauf nun mit einem ebenfalls Offenen Brief reagiert. Seiner Ansicht nach rückt der Begriff „Luxusanlage“ die Arbeit des KWA in ein völlig falsches Licht. Es handle sich bei dem Wohnstift um eine Einrichtung, in der Senioren betreut und gegebenenfalls bis zur Palliativmedizin gepflegt würden. Jeder könne sich im KWA-Ruperti-Hof in Rottach-Egern ein Bild von der Einrichtung machen.
Grasl nennt nochmals die Vorteile eines Wohnstifts für die Gemeinde: die Schaffung von Arbeitsplätzen, die Versorgung eines Teils der eigenen Bevölkerung mit Wohnraum am Lebensabend, frei werdender Wohnraum für Nachkommen und damit Vermeidung weiterer Verdichtung speziell am Seeufer, das Angebot eines Saales und einer Tagespflege, die Belebung des Orts Ambach sowie die Entwicklung eines ehemals ähnlich genutzten Areals, das sonst eine Bauruine bleiben würde.
Der Rathauschef ist sich sicher, dass genügend Nachfrage aus der Bürgerschaft zu erwarten ist. Für eine Klinik, wie von Neumeister und Co. favorisiert, müsse erst einmal ein tatsächlicher Bedarf nachgewiesen werden. Grasl: „Schließungen von Standorten in der näheren Umgebung in besserer Lage und Anbindung wie Kempfenhausen geben Anlass zur Wachsamkeit.“ Grasl betont, dass die Gemeinde ihre Belange in einem städtebaulichen Vertrag regeln und durchsetzen werde. Sie begegne KWA auf Augenhöhe, ohne dabei den Blick für die eigenen Interessen zu verlieren. Tanja Lühr
