VonVolker Ufertingerschließen
Hans-Peter Huber will vom Münchner Oktoberfest aus den Weltfrieden herbeiführen. Er lässt die Leute miteinander schmusen - und zwar nach dem Schneeballsystem. In fünf Jahren, sagt er, herrscht Frieden auf Erden.
Münsing/München - Hans Peter Huber (28) aus Holzhausen kennt man als begabten Musiker, mit seiner Band Tromposaund hat er schon einige Säle im Landkreis (und weit darüber hinaus) aufgemischt. Aber er hat noch eine ganz andere Ambition, und zwar die größtmögliche: Er will den Weltfrieden herbeiführen. „Dafür mit weißen Fahnen zu demonstrieren, ist ein bisserl langweilig und bringt auch nicht so viel“, sagt er. Statt dessen hat er sich die Münchner Wiesn als Ausgangspunkt für (s)eine weltweite Bewegung ausgesucht.
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Der junge Mann, der auch ein Fan der Wittelsbacher ist, findet das Oktoberfest den perfekten Ort, um von hier aus die Liebe in die Welt zu tragen. Das Publikum ist international, die allermeisten Gäste sind gut aufgelegt und die Menschen einander zugetan. „Das muss man doch nutzen“, sagt er. Deshalb hat er 8888 Buttons anfertigen lassen mit der Aufschrift: „Es g’herd vui mehra g’schmust“. Wobei die Zahl kein Zufall ist: Die 8 symbolisiert Unendlichkeit.
Zur Zeit ist Hansi von Bayern, wie er sich auch nennt, fast immer am Fuß der Bavaria anzutreffen. Mitten im bierseligen Massenspektakel geht er von Tisch zu Tisch. In Kontakt mit den Menschen kommt er meist durch die Papp-Krone, die er auf dem Kopf trägt und die er einst auf Schloss Neuschwanstein für zwei Euro erworben hat. „Viele fragen mich, ob ich Geburtstag hätte“, erzählt er. Nein, es geht um etwas ganz anderes. Aber immerhin, man ist man schon mal im Gespräch. Und in dem geht es ganz schnell um die Liebe.
In fünf Jahren dürfte die Mission erfüllt sein
Das Ganze funktioniert so: Jeder, der mitmacht, soll nach Erhalt des (kostenlosen) Buttons zwei Tischnachbarn herzen. Und die dann ihrerseits zwei, quasi ein Schneeballsystem. Natürlich ist niemand zu irgendetwas verpflichtet, man kann das Angebot zum nett gemeinten Körperkontakt auch ablehnen mit dem Hinweis: „Ohnana“ oder mit dem Satz: „Mit einem andern gern.“ Aber das passiert selten, die Leute machen liebend gerne mit und werfen sich bereitwillig dem Nebenmann / der Nebenfrau an den Hals. „Es ist herrlich zu sehen, wie sich an den Tischen nach und nach alle in den Armen liegen“, erzählt er. Manchmal kommen auch junge Mädchen angelaufen, die fragen, warum er ihnen noch keinen Button gegeben hätte.
Nun ist der junge Mann aber nicht nur ein überzeugter Friedensstifter, sondern auch ein kühler Rechner. Er weiß, wie viele Leute im Schnitt auf die Wiesn kommen (letztes Jahr waren es 6,2 Millionen) und kann infolgedessen hochrechnen, wie oft er seine Aktion wiederholen muss, bis wirklich alle knapp acht Milliarden Erdenbürger einmal abgeschmust worden sind. „Ich gehe einmal von fünf Jahren aus“, erklärt er – und meint das keineswegs ironisch.
Übrigens hat Hansi von Bayern für alle, die sich seiner Mission anschließen, noch ein Zuckerl parat. Wer ein Foto von der Schmuserei macht und es mit #mogstschmusen oder #hansivonbayern taggt, kann eine Ballonfahrt über Schloss Neuschwanstein oder eine Nacht für zwei Personen im Seehof in Herrsching gewinnen. Der dortige Wirt ist übrigens zugleich Chef des Zelts „Schönheitskönigin“ auf der Oidn Wiesn. „Hier wird besonders viel gesungen und schön gefeiert“, erzählt Hans-Peter Huber. Und er selbst, der ganz besondere Friedensaktivist, ist ein gern gesehener Gast. An jedem Tisch.

