Der Ostuferschutzverband ist gespalten

Wegen Seniorenstift in Ambach: „Villenbesitzer und Großkopferte“ streiten weiter

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Dr. Neumeister gibtScriba KontraDie neugewählte Führung des Ostuferschutzverbands: (v. li.) Dr. Gustav Neumeister (Beirat), Ursula Scriba (Vorsitz), Johannes Umbreit (2. Vorsitzender) und Manfred Stecher (Kasse) . Foto: hermsdorf-HissDurch den Vereinzieht sich ein Graben

Die Mitglieder des Ostuferschutzverbands (OSV) sind – mal wieder – heftig zerstritten. In der Jahresversammlung ging es um das KWA-Seniorenwohnstift und um interne Personalien. Einige forderten, dass die Vorsitzende Ursula Scriba nicht mehr antreten sollte.

Münsing – Man kennt das von dem aktuell 240 Mitglieder zählenden Verein, der sich den Schutz der Landschaft, der Denkmäler und der Umwelt am Ostufer des Starnberger Sees auf die Fahnen geschrieben hat: Spannungen und Animositäten sind an der Tagesordnung. Im vergangenen Jahr hatte die Vorstandschaft die Presse nicht eingeladen, weil es wegen des geplanten Seniorenwohnstifts des „Kuratorium Wohnen im Alter“ (KWA) unterschiedliche Marschrichtungen gab. Das hat sich bis heute nicht geändert. So wurde man am Freitagabend im rappelvollen Gasthaus Gerer, unter mächtigen Hirschköpfen sitzend, zunächst Zeuge einer kurios anmutenden Debatte zum Versammlungsablauf. Münsings Ehrenbürger Loriot hätte seine helle Freude daran gehabt, wie sich die nicht wenigen Juristen, Professoren und Doktoren im Saal wegen Formalitäten in die Haare gerieten. In der Sache drehte sich letztlich alles um die umstrittene Seniorenwohnanlage auf dem ehemaligen Wiedemann-Sanatoriumsgelände in Ambach.

Chefin Ursula Scriba, gleichzeitig Gemeinderätin der Bürgerliste, steht den jüngsten Plänen zwar kritisch, aber nicht ablehnend gegenüber. In ihrem Bericht erinnerte sie daran, dass der OSV gegen den ursprünglichen Testentwurf mit 90 Wohnungen protestiert hatte. Auch bei den beiden neuen Fassungen nannte sie mögliche Probleme wie die Wirtschaftlichkeit des Projekts, den Verkehr, den Personalmangel im Pflegebereich, die Pflegefälle, die auf die Gemeinde mit der Zeit zukommen würden, die Steilheit des Geländes, die Signalwirkung auf andere Investoren. Sie forderte eine weitere Reduzierung der Wohnungen.

Dr. Neumeister gibt Scriba Kontra

Scribas Hauptwidersacher und Wortführer in der Versammlung, Dr. Gustav Neumeister, geht der Einsatz der Vorsitzenden im Gemeinderat nicht weit genug. Sie befinde sich als Mitglied des Gremiums in einem „unguten Spannungsfeld“, sagte er. Konflikte seien programmiert. Neumeister wie auch Dr. Florian Müller und Anatol Regnier legten der OSV-Chefin deshalb nahe, nicht erneut für den Vorsitz zu kandidieren, sondern ins zweite Glied zurückzutreten, was diese jedoch nicht einsah.

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Der Ambacher Neumeister, von Beruf Anwalt und bisher Beiratsmitglied, sagte, er würde wesentlich strikter gegen die Pläne des KWA vorgehen. Die neuesten Entwürfe erscheinen ihm immer noch überdimensioniert für den kleinen Ort Ambach. Wie berichtet sehen die beiden zur Auswahl stehenden Architekten Matteo Thun und Sebastian Dellinger jeweils etwa 80 Wohnungen auf dem rund 13.000 Quadratmeter umfassenden Areal vor. 60 Apartments wären Neumeisters Meinung nach akzeptabel und für KWA rentabel. Eine Reduzierung um 15 Prozent fordert im Übrigen auch der Sprecher der Initiative Ambach, Sebastian Wiedemann, in seiner Stellungnahme zu den beiden, noch bis Ende nächster Woche im Rathaus ausgestellten Modellen und Plänen. Neumeister appellierte an den anwesenden Bürgermeister Michael Grasl: „Hören Sie auf die Ambacher Bürger.“ Andernfalls, so stellte er in den Raum, wolle er mit 20 bis 30 Mitstreitern, die noch zu finden seien, Unterschriften für die Zulassung eines Bürgerbegehrens sammeln. Neumeister: „Das wäre für den Gemeinderat eine elegante Lösung. Mit dem Bürgervotum im Rücken könnte man KWA gegenüber eine geringere Bebauung fordern“.

Andere OSV-Mitglieder brachten den Alternativplan des Kuratoriums Wohnen im Alter, eine Schlaganfall-Rehaklinik auf dem Grundstück zu errichten, wieder ins Spiel. Für eine Klinik existiert ein genehmigter Vorbescheid für einen früheren, wieder abgesprungenen Investor, auf den KWA zurückgreifen würde, sollte das vom Unternehmen favorisierte Wohnstift scheitern. Rathauschef Grasl gab zu bedenken, dass eine Klinik Nachteile wie verstärkten An- und Abfahrtsverkehr mit sich bringe. Zwei Ärzte unter den Anwesenden rieten von diesem Standort ebenfalls ab.

Durch den Verein zieht sich ein Graben

Die Diskussion zeigte, wie gespalten der im nächsten Jahr 90-jährige OSV ist. Einst stellte er ein Bündnis von Fischern, Landwirten und anderen Seeuferbewohnern dar. Heute wird er laut Neumeister wahrgenommen als überalterter Verein von „Villenbesitzern und Großkopferten“. Gespalten ist auch das Verhältnis zu Ursula Scriba, der bereits vor einigen Jahren einmal das Misstrauen ausgesprochen worden war, damals wegen ihrer Doppelfunktion als Architektin und OSV-Vorsitzender im Fall eines Bauvorhabens am Seeufer. Sie erhielt bei der Wahl 30 Ja-Stimmen,15 Nein-Stimmen und drei Enthaltungen. Ebenfalls wiedergewählt wurden ihr Stellvertreter Johannes Umbreit und Kassier Manfred Stecher. Dr. Gustav Neumeister wurde zum Beisitzer gewählt, obwohl Scriba dies durch einen Gegenvorschlag (Markus Feigl) zu verhindern versucht hatte. Der Streit wird wohl weitergehen. Tanja Lühr 

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