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Die Bürgervereinigung diskutiert über die Zukunft des Heizens. Der Umbau auf Fernwärme wird teuer - aber irgendwann rentabel. Ein schwieriger Zwiespalt.
Wolfratshausen - Es war ein heißer Tanz um die Wärmeversorgung. Bis die Stadtwerke beschlossen haben, die Planung für ein Fernwärme-Netz prüfen zu lassen, gab es lange politische Diskussionen. Eine komprimierte Form des Für und Wider zu einer Beteiligung der Stadt am Geothermie-Netz aus Geltinger Grundwasser bot der monatliche Treff der Bürgervereinigung Wolfratshausen. Im Zentrum steht eine Frage: Wie groß dürfen die Ausgaben für das umweltfreundliche Zukunftsprojekt sein?
Fernwärme-Netz auf dem Prüfstand - Chance ist riesig, die Kosten auch
Bürgermeister Klaus Heilinglechner erläuterte die Bauchschmerzen, die manche Stadträte beim Gedanken an den Umbau hatten. Die Chance, die sehen alle, meinte der Rathauschef. Aber: 16 Kilometer Leitung müssten verlegt werden im Stadtgebiet – und das innerhalb von sechs Jahren, wenn man von einer Förderung profitieren will. Ob mit oder ohne Förderung: Kostspielig wird die Maßnahme so oder so. Dazu kommt eine Überlegung, die die Stadtwerke angestellt haben. Denn wenn die Straße eh schon aufgerissen ist, könne man auch gleich die Wasserleitungen austauschen.
Derzeit wird etwa ein Kilometer Wasserrohr pro Jahr saniert – würde man während der Fernwärme-Verlegung die Wasserleitungen berücksichtigen, wären es bedeutend mehr. „Das wird dazu führen, dass sich die Wasser- und Abwasser-Gebühren erhöhen.“ Und das für alle Nutzer, nicht nur für die Fernwärme-Bezieher. Wohlgemerkt: Man muss die Leitungen nicht sanieren, wenn die Straße offen ist. Es ist eine Möglichkeit, die sich anbietet und einen zweiten Aufriss Jahre später verhindert.
Teurer Umbau ist irgendwann rentabel
Der Verwaltungsrat der Stadtwerke hatte im Dezember sämtliche Planungen gestoppt. Dann wurde das Thema von einigen Fernwärme-Fans im Stadtrat in die Öffentlichkeit gerückt und kurz nach einer stundenlangen Diskussion entschied sich der Verwaltungsrat neu. Die Stadt plant ein Fernwärmenetz. Nur so viel ist klar. Ob Geltinger Geothermie-Wärme fließt, ob die Stadtwerke sich an einer Gesellschaft beteiligen und die Stadt hohe Ausgaben schultern muss, wird erst entschieden, „wenn es mit Zahlen hinterlegt wird“. Heilinglechners innere Zerrissenheit bei der Thematik war schwer zu übersehen. Die Geothermie-Anlage direkt in der Nachbarschaft sei „der Spatz in der Hand, klar“. Und bei steigenden CO₂-Abgaben ist nur eine klimaneutrale Heizquelle finanziell stabil. „Irgendwann rentiert es sich, aber es gibt Risiken.“
Wie heizt Wolfratshausen in Zukunft? Fernwärme könnte eine Chance sein
Für Stadträtin Dr. Ulrike Krischke standen die Vorteile im Vordergrund. Sie warb dafür, nach Möglichkeiten zu suchen, die schätzungsweise 16 Millionen Euro zu finanzieren, die die Stadt vorstrecken müsse. Der Preis für fossile Quellen werde massiv steigen. „Es ist zu kurz gegriffen, wenn wir die heutigen Energiekosten vergleichen.“ Heute kostet eine Tonne CO₂ rund 55 Euro – im Jahr 2030 schon 300 Euro, führte Ex-SPD-Rat Fritz Schnaller aus. Innerhalb von nur fünf Jahren würden Heizkosten explodieren. Krischke sah „eine Standortförderung, wenn wir da voll reingehen“ und nicht nur die Kurzzeit-Effekte, sondern auch den großen Nutzen nach ein paar Jahren zu betrachten. Schnaller fühlte sich bei der Debatte an viele früher verpasste Chancen Wolfratshausens erinnert. „Ich will nicht, dass es läuft wie bei der Umgehungsstraße und wir uns in drei Jahren denken, dass wir doch hätten mitmachen sollen.“ Krischke nahm auch die Zukunft in den Blick: „Wir müssen auch an unsere Kinder und Enkel denken.“ Heilinglechner schob nach: „Es muss aber leistbar sein.“
Bürger äußern Lösungsideen: Können Genossenschaften Finanzierung stemmen?
Die rund 20 Gäste der Veranstaltung machten sich Gedanken über Lösungen. Eberhard Hahn schlug etwa vor, das Projekt aus dem städtischen Haushalt zu entkoppeln und mehr Bürgerbeteiligung an der Finanzierung zu ermöglichen. Hahn engagiert sich bei einer Bürger-Energie und weiß: „Die Menschen rennen uns die Bude ein. Uns wird mehr Geld angeboten, als wir für Projekte ausgeben können.“ Bei einem Projekt wie der Geothermie – das einmal Gewinne abwerfen soll – sei bestimmt großes Interesse da.
Klaus Abeltshauser riet dazu, nicht nur auf Geothermie zu bauen, sondern auch Wasserkraftwerke anzudenken. Heilinglechner bestätigte, dass das bereits passiere. Krischke: „Es geht nicht um ein Entweder-Oder – wir werden beides brauchen.“ Denn laut aktueller Planung soll das Fernwärmenetz anfangs etwa 430 Anschlüsse umfassen können, wozu Riesen-Abnehmer wie Stäwo-Wohnblocks, das Gewerbegebiet und das Krankenhaus zählen. Im Oktober rechnet der Rathauschef mit klareren Zahlen – und mit einer neuen Diskussion über die Zukunft des Heizens. Bürgervereinigungs-Chef Thomas Eichberger warb schon jetzt für Weitblick. „Das Projekt ist zu groß, um nur die Kosten zu sehen. Wir sind alle dankbar, dass es nicht gekippt wurde.“

