VonGabi Wernerschließen
Das einstige Jodschwefelbad in Bad Wiessee liegt in Schutt und Staub. Der Abbruch ist nahezu abgeschlossen. Doch wann geht es weiter? Bald, verspricht der Schweizer Hotel-Investor Florian Kamelger von SME.
Bad Wiessee – Gespenstische Ruhe liegt über dem Gelände, wo sich einst das altehrwürdige Jodschwefelbad präsentierte. Das Areal gibt nun den Blick frei auf den benachbarten Badepark und die wenig ansehnliche Rückseite der Spielarena. Einzig die denkmalgeschützte Wandelhalle und der zugehörige Turm blieben vom Abbruch verschont. Geht es nach Florian Kamelger, dem Geschäftsführer der Sports Medicine Excellence Group (SME), wird sich auf dem Grundstück schon bald wieder etwas bewegen. Der Bau von Hotel nebst Medizinzentrum solle noch 2018 starten – „insofern liegen wir nach wie vor im zeitlichen Rahmen“, sagt er.
Geplant ist ein medizinisches Funktionsgebäude zur Wilhelminastraße hin, an das sich die beiden Gebäudetrakte des Hotels L-förmig anschließen. In der Wandelhalle soll die Kulinarik Einzug halten. Kamelger spricht von mehreren „gastronomischen Outlets“, die nicht allein dem Hotel-Klientel vorbehalten bleiben sollen. „Die Wandelhalle wird ein offenes Haus sein“, versichert Kamelger. Die Wiesseer seien hier ebenso willkommen wie von extern kommende Gäste.
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„Wir wollen ein voll integraler Teil des Dorflebens sein“, versichert der smart auftretende Investor aus der Schweiz. Und will damit auch all jenen Skeptikern den Wind aus den Segeln nehmen, die nicht so recht an eine Realisierung des Projekts glauben möchten. „Wir verfolgen hier in Bad Wiessee eine langfristige Strategie – alles andere ist Spekulation.“
Die Abbrucharbeiten auf dem einstigen Jodbad-Areal sind so gut wie beendet. Bis auf ein, zwei kleine Verzögerungen seien sie planmäßig verlaufen, berichtet Kamelger. Ob im Untergrund böse Überraschungen lauern, sprich ob der Boden möglicherweise verseucht ist, wird sich erst beim Aushub herausstellen. Das Material müsse beprobt werden, sagt Kamelger. „Das ist die große Unbekannte, die uns schon ein wenig Kopfzerbrechen macht.“
Dennoch: Der Investor rechnet mit einer Fertigstellung der Bauten im zweiten Halbjahr 2021. Damit habe sich das Projekt freilich nach hinten verzögert, räumt Kamelger ein. Bei einem Vorhaben dieser Größenordnung sei dies aber nichts Ungewöhnliches. „Das ist Unternehmertum“, erklärt der SME-Chef, der selbst Unfallchirurg ist.
Ein Projekt, wie es die Schweizer planen, kostet natürlich eine Stange Geld. Allein für das 18.000 Quadratmeter große Grundstück sind sieben Millionen Euro an die Gemeinde geflossen. Über das gesamte Investitionsvolumen schweigt sich Kamelger aus. Allerdings dürfte neben den Neubauten auch die Sanierung der Wandelhalle nicht ganz günstig kommen. Hier haben die Denkmalschützer ein Auge drauf. „Die Wandelhalle stellt uns vor knifflige Aufgaben, aber ein wenig Herausforderung muss schon sein“, meint Kamelger und lässt dabei seinen Blick über die großzügige Terrasse schweifen. „Es wird ein unglaublich intensives Erlebnis werden, hier zu sitzen.“
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Auch der Turm der Wandelhalle steht noch in seiner ganzen Pracht. Hier werden ein Teil der insgesamt 121 Zimmer untergebracht sowie der Zugang zum Restaurant. Kamelger ist überzeugt davon, dass das Konzept seines Unternehmens aufgehen wird: „Es gibt ein klares Commitment zum Standort Bad Wiessee“, betont er. „Wir glauben, dass wir die Wirtschaft hier weiter ankurbeln und den Standort stärken können.“
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