Die Geothermiebohrung in Gelting war ein wichtiger Teil des Klimaschutzkonzeptes. Nun muss sich die Stadt Geretsried eine Alternative einfallen lassen.
Geretsried – In Zeiten des Klimawandels versucht jeder, sich von fossilen Energieträgern zu lösen. Die Stadt Geretsried setzte sich das Ziel, im Jahr 2035 unabhängig davon zu sein, als die Kommune vor über zehn Jahren Gründungsstifterin der Energiewende Oberland wurde. Bis November vergangenen Jahres war die Stadt eigentlich auf einem ganz guten Weg dahin. Dann kam die niederschmetternde Nachricht vom Hofgut Breitenbach: die zweite Geothermiebohrung der Firma Enex in Gelting war gescheitert.
„In den darauffolgenden Tagen stellte sich die Frage, wie es jetzt weitergeht“, erinnerte sich Energiemanagerin Roswitha Foißner in der jüngsten Sitzung des Geretsrieder Stadtrats, die zu diesem Zeitpunkt seit drei Monaten als Energiemanagerin bei der Stadtverwaltung beschäftigt war. Das Klimaschutzkonzept der Stadt sehe zwar eine Alternative zur Geothermiebohrung vor, der Plan B sei aber nun zehn Jahre alt. Und er berücksichtige auch nicht die neue Hackschnitzelheizung an der Adalbert-Stifter-Straße.
Nun soll das Energiewende oberland Kompetenzzentrum Energie aus Penzberg einen sogenannten Teil-Energienutzungsplan als zukünftiges Planungsinstrument erstellen. Es erhielt den Zuschlag für ein entsprechendes Angebot in Höhe von rund 27.000 Euro. Die Erstellung von Energienutzungsplänen wird vom Innovations- und Technologiezentrum Bayern zu 70 Prozent gefördert. Solch ein Plan koordiniert die Energieverbräuche und Siedlungsstrukturen, die regionalen Energieressourcen und potentiellen Energieprojekte in einem Gesamtkonzept.
Um einen Teil-Energienutzungsplan handelt es sich, weil Geothermie und Windkraft herausgenommen werden, wie Foißner erläuterte. Beides könne man aber jederzeit nachreichen. Günther Fuhrmann (FDP), der sich über das aktuell laufende Geothermie-Projekt in Icking informiert hat, hatte angemerkt, „dass Wolfratshausen und Geretsried unter Umständen auch beliefert werden können“, sagte er.
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Das weitere Vorgehen für die Erstellung des Planungsinstruments erklärten Vorstandsvorsitzender Stefan Drexlmeier und Projektmitarbeiterin Christiane Regauer. Ausgangspunkt sei eine sehr detaillierte Analyse der Ausgangssituation. Das heißt, es werden aktuelle Zahlen erhoben und Akteure vor Ort, zum Beispiel Hausmeister und Kaminkehrer, vor Ort integriert. „Zusammenarbeit ist uns sehr wichtig“, sagte Regauer. Die Maßnahmen, die das Kompetenzzentrum aus der Analyse ableitet, sollen laut Drexlmeier kurz- und mittelfristig umgesetzt werden. „Wir haben in jeder Kommune neue Maßnahmen entwickelt und werden auch für Geretsried ein Konzept schreiben, das genau auf die Stadt zugeschnitten ist“, sagte er und forderte auch die Stadträte auf, ihn anzurufen, wenn jemandem etwas in Sachen Energie auffällt.
Detlev Ringer (Grüne) lobte die Erstellung des Energienutzungsplans, mahnte aber, auch den Sektor Verkehr und Mobilität zu berücksichtigen. „Das macht einen großen Teil des Verbrauchs aus, da müssen wir uns Gedanken machen und das angehen“, sagte er. Ringer und seine Stadtratskollegen stimmten für die Beauftragung des Kompetenzzentrums Energie. Dagegen votierte Arthur Wolfseher. Er bemängelte, dass bei der Erstellung von Energienutzungsplänen vergessen werde, die Bürger einzubeziehen, obwohl sie davon betroffen seien.
sw