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Jonah Reuleschließen
Im Uni-Viertel herrscht ab 20 Uhr in Kiosken Chips-Verbot. Ab 22 Uhr darf kein Flaschenbier mehr verkauft werden. Bürgermeister Krause hebt diese Regelung nun wieder auf.
Update vom 20. August, 8 Uhr: Die Kritik am Verkaufsverbot im Uni-Viertel ist groß. Die Initiative „Mehr Lärm für München“ hatte deshalb ein Statement veröffentlicht und einen „Ort für Geselligkeit gefordert“ (siehe Erstmeldung). Seit rund zwei Wochen ist ab 22 Uhr der Verkauf von Flaschenbier an Kiosken verboten, seit einigen Tagen dürfen dort ab 20 Uhr auch keine Chips mehr verkauft werden. Grund dafür waren Anwohnerbeschwerden. Bürgermeister Dominik Krause (Die Grünen) hat sich am Dienstagabend auf Instagram dazu zu Wort gemeldet. „Ich habe heute das Bier-Verbot ab 22 Uhr an den Spätis im Uni-Viertel vorerst aufgehoben, gültig ab diesem Freitag“, sagt er in dem Video.
Bürgermeister hebt umstrittenes Verkaufsverbot im Uni-Viertel wieder auf
„Wir können als Politik nicht immer nur sagen, dass es Freiräume für junge Menschen braucht – und sie dann, wenn’s konkret wird, immer hinten anstellen.“ Gleichzeitig gelte aber auch, dass es in der Stadt Rücksichtnahme braucht. Es sei zwar vollkommen „okay“, sein Bier zu trinken und sich zu unterhalten. In der Maxvorstadt wurde aber auch an Hauswände gepieselt und Müll achtlos auf den Boden geschmissen. „Zum Leben und leben lassen gehören immer alle Seiten.“ Er appelliert zum Schluss an alle Münchner, Rücksicht zu nehmen. Man werde es jetzt nochmal ohne Verbot versuchen. Bei der Chips-Regelung könne er leider nichts machen, das habe nicht die Stadt veranlasst, sondern sei im Gaststätten-Gesetz so geregelt.
Erstmeldung 19. August: München – Abends mit einer Flasche Bier oder einer Tüte Chips mit Freunden den Tag ausklingen lassen, oder noch eben Knabberzeug für den TV-Krimi besorgen – spontane Besorgungen zu später Stunde könnten so einfach sein. Zumindest in der Theorie. Im Münchner Uni-Viertel sieht es in der Praxis anders aus. Schon ab 20 Uhr gibt es in mehreren Kiosken keine Chips mehr. Ab 22 Uhr darf auch kein Flaschenbier mehr verkauft werden. Der Grund: Eine kuriose Regelung. Nun hagelt Kritik.
Initiative kritisiert abendliches Chips-Verbot an Kiosken: „Aus Geselligkeit ein Ordnungsproblem gemacht“
Nach Beschwerden von Anwohnern über nächtlichen Lärm, Müll und alkoholbedingte Störungen müssen fünf Kioske im Uni-Viertel seit kurzem nach 20 Uhr ihre Chipstüten mit Rollos abdecken. Das Kreisverwaltungsreferat verwies im Anschluss auf das bayerische Ladenschlussgesetz, demzufolge Geschäfte grundsätzlich um 20 Uhr schließen müssen. Gaststätten dürfen bestimmte Waren länger anbieten, sofern diese zum privilegierten Sortiment gehören. Chips zählen jedoch nicht dazu, so die Behörde deutlich.
Die Entscheidung stößt jedoch nicht überall auf Gegenliebe. Bei der Initiative „Mehr Lärm für München“ sieht man das Problem nicht bei den Kiosken. „Das Problem ist, dass es in München kaum Orte gibt, an denen Menschen ohne Konsumzwang zusammenkommen, reden, Musik hören und machen und auch mal laut sein dürfen – ja, auch nach 22 Uhr“, erklärt die Pressesprecherin der Initiative, Julia Richter, in einem Statement. Orte würden seit Jahren vergebens gefordert. „Anstatt Lösungen zu schaffen, kriminalisiert die Stadt spontanes Miteinander und macht aus Geselligkeit ein Ordnungsproblem“, so die Kritik.
Jeder hat eigene Wahrzeichen: München teilt sich in 25 Stadtbezirke, die sehr unterschiedlich sind




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Kritik an Umgang mit Oktoberfest – „Brauchen Orte für Geselligkeit und sozialen Lärm“
Leidtragende seien die Betreiber der Spätis, die weder für die Ursache der Menschenansammlungen noch für den Lärm etwas könnten. Im Vergleich zu Großevents sieht die Initiative eine Benachteiligung für die Leidtragenden der Regelung im Uni-Viertel. Als Beispiel nennt sie dabei das Oktoberfest, bei dem keiner auf die Idee käme, trotz Kot und Urin in Tiefgaragen den Bierkonsum einzuschränken. Im Univiertel rufe dagegen bereits ein lautes Gespräch, um Polizei und Auflagen auf den Plan zu rufen.
„München akzeptiert nur Lärm, der Geld bringt. Wir brauchen Orte für Geselligkeit und sozialen Lärm ohne Konsumzwang“, so die Forderung von Pressesprecherin Richter. Ob das tatsächlich umgesetzt wird, bleibt offen. (jr)


