VonSebastian Grauvoglschließen
Ziemlich genau ein Jahr liegt die Schließung des Pflege- und Therapiezentrums in Fischbachau zurück. Jetzt haben sich zwei Kaufinteressenten gemeldet. Beide haben Konzepte vorgelegt.
Fischbachau – So was kommt nicht alle Tage auf den Markt: Ein 3500 Quadratmeter großes Grundstück im Ortskern von Fischbachau steht zum Verkauf. Es handelt sich um das Gelände des früheren Pflege- und Therapiezentrums an der Hauptstraße, das nach der Insolvenz von Teilen der Merkel-Unternehmensgruppe verwertet werden soll (wir berichteten). Die Nachricht machte schnell die Runde. Viele Investoren hätten sich gemeldet, berichtete Bürgermeister Josef Lechner (CSU) im Gemeinderat. Nach intensiven Gesprächen laufe es nun auf zwei Konzepte zu.
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Die Inntal Immobilien- und Projektentwicklungs GmbH habe den Bau von bezahlbaren Mietwohnungen mit Ladengeschäften vorgeschlagen, die Deutsche Seniorenresidenzen GmbH aus Berlin ein betreutes Wohnen für Senioren, ebenfalls mit Gewerbe. In beiden Fällen handle es sich um „seriöse Interessenten“, betonte Lechner. Und beide hätten Entwürfe vorgelegt, die Fischbachau attraktiver machen würden und zu einer Belebung des Ortskerns führen würden.
Dass die Gemeinde überhaupt Einfluss auf die zukünftige des seit rund einem Jahr leer stehenden Areals hat, liegt am Bebauungsplan, dessen Aufstellung der Gemeinderat im Juli dieses Jahres beschlossen hat (wir berichteten). Hintergrund ist laut Lechner damals gewesen, dass Investoren erst im Rathaus vorstellig werden müssen, bevor sie tätig werden können. Auch die Option einer Veränderungssperre für das bislang unbeplante Innenbereichs-Grundstück habe man sich so gesichert. Ursprünglich sei es auch Wunsch des Gemeinderats gewesen, einen Kauf durch die Gemeinde zu prüfen. Zum Beispiel, um selbst geförderten sozialen Wohnungsbau zu verwirklichen.
Diese Karte brauche man nun aber nicht mehr ziehen, fand Lechner. Da beide vorgelegten Konzepte grundsätzlich zum Ansinnen der Gemeinde für die künftige Entwicklung Fischbachaus passen würden, brauche man nicht selbst als Bauträger auftreten. „Das ist auch nicht unsere originäre Aufgabe“, betonte der Bürgermeister. Die Gemeinderäte teilten diese Einschätzung und beschlossen einstimmig, bis auf Weiteres von einem Kaufangebot abzusehen.
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Die Vorhaben der beiden Interessenten unterscheiden sich derweil nicht nur in der Nutzung, sondern auch in der Gestaltung. Die Deutsche Seniorenresidenzen GmbH habe einen – einfach ausgedrückt – U-förmigen Gebäudekörper mit Erdgeschoss, zwei Obergeschossen und einem Dachgeschoss entworfen, teilt Lechner auf Nachfrage unserer Zeitung mit. Der Haupttrakt soll dabei der Straße zugewandt sein und im Erdgeschoss Platz für Geschäfte bieten. Für die Zimmer im betreuten Wohnen ließen sich Pflegeleistungen je nach Bedarf hinzubuchen. „Das wäre schon eine relativ dichte Bebauung“, findet der Bürgermeister.
Deutlich „lockerer“ falle der Entwurf der Inntal Immobilien- und Projektentwicklungs GmbH aus. Hier handle es sich um vier Baukörper, in denen Wohnungen im Bereich von 50 bis 100 Quadratmeter zu Mietpreisen von unter zehn Euro pro Quadratmeter angeboten werden sollen. Auch hier handle es sich jeweils um drei Vollgeschosse und ein Dachgeschoss. „Die umliegende Bebauung gibt das her“, erklärt Lechner. Zudem seien eine Tiefgarage sowie oberirdische Kurzzeitparkplätze für die Läden Richtung Straße vorgesehen.
Wer am Schluss den Zuschlag erhält, ist offen. Das Mitspracherecht des gemeinderats bleibe aber im Planverfahren in jedem Fall erhalten, versicherte Lechner. „Wir können uns jederzeit wieder einklinken.“
