VonBettina Stuhlweißenburgschließen
Deutsche Schüler haben in der internationalen Pisa-Studie so schlecht abgeschnitten wie nie zuvor. Über die Ursachen und Konsequenzen sprachen wir mit dem Sprecher der Fachgruppe Schulleiter im Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband, Markus Rewitzer.
Hausham – Deutsche Schüler haben in der internationalen Pisa-Studie so schlecht abgeschnitten wie nie zuvor (wir berichteten). Sowohl im Lesen als auch in Mathematik handelt es sich laut OECD um die niedrigsten Werte, die für Deutschland je im Rahmen von Pisa gemessen wurden. Woran das liegt und wie Schulen nun damit umgehen? Das haben wir den Sprecher der Fachgruppe Schulleiter im Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) und Leiter der Haushamer Grund- und Mittelschule, Markus Rewitzer, gefragt.
Herr Rewitzer, hat Sie das Ergebnis der Pisa-Studie überrascht?
Schwierige Frage (überlegt). Die Erhebung wird alle drei Jahre durchgeführt, und die jetzt vorgestellten Ergebnisse beziehen sich auf das Jahr 2022. Wenn man bedenkt, dass die Schüler in den letzten drei Jahren sehr gebeutelt waren, ist das Ergebnis keine große Überraschung. Corona hatte Distanzunterricht und viele Unwägbarkeiten im Schulalltag zur Folge. Ich glaube, das hängt ein Stück weit mit dem Ergebnis zusammen.
Andere Länder hatten auch pandemiebedingte Einschränkungen des Unterrichts...
Vielleicht waren sie besser darauf vorbereitet. Bei uns war Corona ja die Initialzündung für die Digitalisierung. Wobei: Die Studie bezieht sich auf Deutschland. Spannend wäre, zu sehen, wie Bayern abschneidet. Ich könnte mir vorstellen, dass Bayern besser da steht.
Inzwischen findet wieder normaler Unterricht statt. Heißt das, die deutschen Schüler werden bei Pisa künftig wieder besser abschneiden?
Nein, davon gehe ich nicht aus. Bildungsqualität hängt maßgeblich davon ab, wie unterrichtet wird. Mit dem Lehrermangel gehen Qualitätseinbußen einher. Wir haben zu wenig Personal, um einen guten Schlüssel zu bieten. Deshalb können Lehrer gerade auf die schlechteren Schüler nicht gut eingehen.
Welche Konsequenzen ziehen Sie aus der Pisa-Studie?
Im Moment keine. Ich kann die Corona-Jahre nicht rückgängig machen und ich kann den Lehrermangel nicht beheben. Wir müssen vor Ort pragmatische Lösungen finden. Das bedeutet, dass wir uns darauf konzentrieren, die elementaren Fähigkeiten wie Rechnen, Lesen und Schreiben so gut es geht zu schulen. Vielleicht werden die Schulen derzeit überfrachtet. Schulen können nicht die Reparaturwerkstatt der Gesellschaft sein.
Womit werden die Schulen überfrachtet?
Denken Sie an die Verfassungsviertelstunde, mit der verhindert werden soll, dass wir den demokratischen Konsens verlieren. Wenn man neue Dinge will, muss man zugleich überlegen, ob man an anderer Stelle abspecken kann. Denn wir haben nur eine begrenzte Zeit für den Unterricht. Mir scheint, dass die elementaren Dinge überlagert werden von einem Diskurs über Dinge, die den Kern nicht treffen. Die Digitalisierung zum Beispiel kann Kommunikationsstrukturen verbessern, sie führt aber nicht automatisch zu einem besseren Unterricht. Wenn das, was ich auf eine Tafel schreibe, ein Schmarrn ist, dann ist es egal, ob ich es auf eine grüne Tafel oder eine digitale Tafel schreibe. Es bleibt ein Schmarrn. Guter Unterricht kann entstehen, wenn eine gut ausgebildete Lehrkraft in einer Klasse unterrichtet, die nicht zum Bersten voll ist. Deshalb hoffe ich auf eine Kultuspolitik, die langfristig-konzeptionell arbeitet und nicht kurzfristig reagiert.
Das Gespräch führte Bettina Stuhlweißenburg
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