Naturfreunde in Sorge

Nach Kahlschlag an der Rottach: Droht hier ein weiteres Baum-Massaker?

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Mahnt zum genauen Hinschauen: Naturschutzwächter Klaus Altmann, der im Auftrag der Schutzgemeinschafts Tegernseer Tal die gekennzeichneten Bäume an der Weißach dokumentiert hat.
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Kürzlich fielen 73 Bäume entlang der Rottach. Jetzt sorgt die Kennzeichnung von 65 Bäumen an der Weißach für Aufregung. Sollen auch sie weg?

Weissach/Rottach-Egern – Plant das Wasserwirtschaftsamt eine weitere Abholzaktion? Das befürchten Anwohner, die die kleinen blauen und weißen Tafeln an vielen Bäumen entlang der Weißach entdeckt und die Schutzgemeinschaft Tegernseer Tal (SGT) darauf aufmerksam gemacht machten.

Der Kahlschlag am Rottach-Damm hat bei Umweltfreunden Spuren hinterlassen. Das zeigt die leidenschaftliche Diskussion, die sich bei der SGT-„Lichtblick“-Verleihung um das Tun des Wasserwirtschaftsamts entspann. Im Auftrag der STG ist Naturschutzwächter Klaus Altmann jetzt losgezogen und hat dokumentiert, dass das Wasserwirtschaftsamt insgesamt 65 Bäume links und rechts entlang der Weißach – und auch im Biber-Biotop – markiert hat: Bergahorne, Spitzahorne, Grau-Erlen, eine Sommerlinde, Rotbuchen, Fichten und vor allem auch vier der besonders schützenswerten Bergulmen sowie zehn Eschen. Alles stattliche Bäume mit einem Brusthöhendurchmesser zwischen 17 und 65 Zentimetern.

Wasserwirtschaftsamt nimmt Stellung

Auf Nachfrage erklärt Paul Geisenhofer, Leiter des Wasserwirtschaftsamts Rosenheim gibt Auskunft: „Das Wasserwirtschaftsamt ist als Grundeigentümer in der Verkehrssicherungspflicht. Wir erstellen ein Baumkataster, um eine saubere Dokumentation über Jahre hinweg zu gewährleisten und den von Fußgängern und Radlern stark frequentierten Fußweg, regelmäßig kontrollieren zu können.“ Wenn jeder Baum gekennzeichnet ist, erleichtere das die Kontrolle von etwaigem Schädlingsbefall oder abgestorbener Äste. Es begünstige auch die Arbeitsabläufe, wenn gegebenenfalls Äste zurückgeschnitten werden müssen. „Alle Maßnahmen“, versichert Geisenhofer, „sind mit der Naturschutzbehörde abgestimmt.“

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Der Behördenchef bittet auch darum, zu differenzieren: „An der Weißach geht es um die Verkehrssicherung. An der Rottach arbeiten wir an einem Hochwasserschutz mit geprüfter Planung und Planfeststellung.“ Zudem bekräftig er: „Momentan sind keinerlei Gehölzarbeiten an der Weißach geplant. Erst im Herbst und Winter, nach der Brutzeit der Vögel, sind einzelne Entnahmen geplant.“ Das würde vor allem einige Eschen betreffen, die vom Falschen Weißen Stengelbecherchen, einem Schlauchpilz, der für das europaweite Eschentriebsterben verantwortlich ist, befallen sind.

Der Naturschutzwächter und ehemalige Förster Klaus Altmann wiederum mahnt: „Es gibt unter den alten Bäumen einzelne resistente oder tolerante Exemplare. Da muss man genau drauf achten, dass keinesfalls solche völlig gesunden und wichtigen Bäume entnommen werden.“ Denn mit deren Saatgut könne für eine künftige gesunde Eschengeneration gesorgt werden.

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