Exklusiv nach Landratswahl Traunstein

„Derzeit überwiegt noch Enttäuschung“: Walch über Wahlniederlage, Nachfolger Danzer und ‚Wahlheimat‘

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Die Stichwahl ist entschieden. Der CSU-Kandidat Lackner unterliegt klar. Andreas Danzer (rechts) von den Freien Wählern ist neuer Landrat im Landkreis Traunstein. Wie findet das der ehemalige Landrat Siegfried Walch (links)?
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„Nein, also Berlin ist wirklich nicht meine Wahlheimat“, stellt der ehemalige Landrat, Siegfried Walch (CSU) im Gespräch mit Chiemgau24 klar. Die bliebe immer der Chiemgau - für seine Heimat sei er nun in der Hauptstadt. Als Landrat leitet jetzt aber Andreas Danzer von den Freien Wählern die Geschicke des Landkreises Traunstein. Bei der Stichwahl lag er klar vor dem CSU-Kandidaten Martin Lackner. Wie geht es Siegfried Walch damit?

Herr Walch, die Traunsteiner Landratswahl ist entschieden. Mit einem Ergebnis von 54,6 Prozent bei der Stichwahl machte Andreas Danzer von den Freien Wählern klar das Rennen. Erstmals seit 1970 kein Landrat der CSU. Woran lag’s?

Siegfried Walch: „Die Zahlen verraten es schon, die geringe Wahlbeteiligung hat viel ausgemacht. Aber, unsere Leute, das muss man ehrlich sagen, denken oft, sie sind weit vorne und dann bleiben die Wahlurnen leer bei der Stichwahl. Ein häufiges Phänomen ist aber auch, dass bei Stichwahlen dann alle anderen gegen die CSU zusammenhalten. Deshalb sind Stichwahlsituationen schwierig.“

Lag es eventuell auch daran, dass Kandidat Martin Lackner als Bürgermeister der nördlichsten Gemeinde im Landkreis weniger bekannt war? Die Stichwahl-Ergebnisse zeigen: Der Süden wählte Danzer.

Siegfried Walch: „Das ist, denke ich, immer so und das war auch bei mir damals dasselbe. Dort, wo der Kandidat herkommt, wird er stärker gewählt. Was aber schon eine Rolle gespielt hat: Andreas Danzer kommt aus einer Gegend mit überdurchschnittlich vielen Einwohnern. Bei der Stichwahl insofern relevant. Aber generell - wenn ein Kandidat nicht dort gewählt wird, wo er herkommt, dann hat man offensichtlich ein Problem mit dem Kandidaten.“

Wird es auch mit Danzer einen ‚kurzen Draht nach oben‘ geben oder ist die Zusammenarbeit durch unterschiedliche Parteizugehörigkeit jetzt gebremst?

Siegfried Walch: „Natürlich werden wir zusammenarbeiten, das haben wir ja bereits, Andreas Danzer war ja auch mein Stellvertreter. Trotzdem: Es fehlt vielleicht die natürliche Verbundenheit nach München oder Berlin, wie es sonst der Fall wäre. Wir werden aber nach Kräften unterstützen und alles dafür tun, dass für die Region das Beste herauskommt. Es macht keinen Sinn, hier Parteikonflikte auszutragen.“

Das beste für die Region - jetzt Hauptaufgabe ihres Nachfolgers Andreas Danzer von den Freien Wählern. Wie geht es ihnen damit, die Geschicke des Landkreises jetzt in der Hand des Gegenkandidaten der CSU zu sehen?

Siegfried Walch: „Das ist, so kurz nach der Wahl, eine schwierige Frage. Man kämpft ja für seinen Kandidaten und derzeit überwiegt einfach noch die Enttäuschung und natürlich ist man da in erster Linie niedergeschlagen, so ist das eben, wenn man eine Wahl verliert. Wir werden sehen, wie die Arbeit läuft. Unsere Aufgabe ist nicht, Opposition zu sein. Unsere Rolle muss immer sein, die Region bestmöglich zu fördern. So werden wir damit umgehen.“

Springen wir vom Landkreis Traunstein in die Hauptstadt: Wie läuft es in der Wahlheimat Berlin?

Siegfried Walch: „Nein, also Berlin ist wirklich nicht meine Wahlheimat. Ich sehe das ja wirklich so, dass ich für diese Region dort hingegangen bin. Das ist für mich keine Entscheidung für Berlin, sondern eine Entscheidung für unsere Heimat und dazu muss man das in Kauf nehmen. Umso mehr bin ich froh, wenn ich auch immer wieder hier sein darf.“

Haben Sie sich trotzdem schon in der Hauptstadt eingerichtet, eine Wohnung gefunden?

Siegfried Walch: „Entscheidend ist eigentlich nur die Arbeitsfähigkeit. Wenn Sie mich mal begleiten würden, wüssten sie: Man ist soviel unterwegs, kommt nur für ein paar Stunden zum Schlafen. Da spielt die Wohnsituation keine Rolle.“

Mit einem Blick auf ihre Aufgaben im Bundestag ist das gut nachvollziehbar: Mitglied im Innenausschuss, stellvertretendes Mitglied im Auswärtigen Ausschuss, im Ausschuss für Gesundheit und im Ausschuss für Arbeit und Soziales, innenpolitischer Sprecher der CSU-Fraktion und Mitglied im Europarat. Ganz schön viel, oder?

Siegfried Walch: „Ja, es ist viel Arbeit und deshalb muss ich mich auch gerade darauf fokussieren und anders hinten anstellen. Die Mitgliedschaft im Auswärtigen Ausschuss und im Europarat sowie die Sprecherfunktion im Innenausschuss sind so ein bisschen die Schnittstelle zwischen Außen- und Innenpolitik – das finde ich mega spannend, extrem interessant und für unsere Region unglaublich wichtig.“

Mit welchen Themen haben sie sich letzte Woche im Bundestag beschäftigt?

Siegfried Walch: „In der letzten Woche war Haushaltswoche. Insofern für uns natürlich schwerpunktmäßig auch Thema: die innere Sicherheit. Also wo geht insgesamt der Weg im Bereich Migration und Sicherheit hin? Wir wollen einen Schwerpunkt darauf legen, Migration zu begrenzen, sie zu steuern. Auch Rückführungen verstärkt zu forcieren, Pull-Faktoren, sprich hohe Sozialleistungen für jemanden, der noch nie eingezahlt hat, wirklich beseitigen.“

Schaffen sie es bei diesem Arbeitspensum überhaupt noch in ihre Heimat? Fehlt ihnen der Chiemgau?

Siegfried Walch: „Ja, klar. Ich versuche wirklich am Wochenende heimzukommen, aber immer geht das nicht. Ich bin einfach sehr stark mit der Region verbunden, ich freue mich jedes Mal, wenn ich wieder den Bernauer Berg herunterfahre und der Chiemgau vor mir liegt.“

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