Wenn Cannabis ab 1. April legal wird, will Linken-Stadtrat Alexander Strobl in Moosburg den ersten Cannabis Social Club gründen. Dafür sucht er Mitstreiter.
Moosburg – Das Gesetz zur Cannabis-Legalisierung ist auf der Zielgeraden, Ende der Woche soll der Bundestag abstimmen. Dann könnten bald nicht nur Privatleute straffrei ihr eigenes Gras anbauen, sondern dürften auch Cannabis-Clubs die Konsumenten versorgen. Eine solche Anbauvereinigung bereitet Alexander Strobl aus Moosburg vor: Der Elektromeister und Technische Betriebsleiter (45) sitzt für Die Linke im Stadtrat und möchte das Thema aus der Schmuddelecke holen, wie er im Interview sagt.
Herr Strobl, am Freitag soll der Bundestag über die Cannabis-Legalisierung abstimmen. Wie blicken Sie diesem Tag entgegen?
Eigentlich bin ich guter Hoffnung, dass das Gesetz nicht mehr scheitert. Aber es könnte doch noch passieren. Man hat immer ein Pro und Contra, in der öffentlichen Debatte werden aber gerade die negativen Stimmen deutlich lauter wiedergegeben. Das belastet die Diskussion. Auf jeden Fall ist die Abstimmung ein Meilenstein. Ich bin selbst kein Kiffer mehr, ich hab’ Kinder (lacht). Wenn man aber das portugiesische oder kanadische Modell der Legalisierung anschaut, dann hat es dort zu weniger Süchtigen und Drogentoten geführt. Es gibt weniger Missbrauch und der Schwarzmarkt wird eingedämmt. Natürlich könnte bei uns erst einmal durch Neugierde der Konsum steigen, aber die Auflagen sind hoch und es ist wichtig, konsumierende Erwachsene nicht länger zu kriminalisieren.
Sofern das Gesetz durchgeht: Wird dann sofort der erste Moosburger Cannabis-Club gegründet?
Nein, der darf erst im Juli gegründet werden. Aber man kann sich ja schon mal vorher zusammensetzen. Es ist heftig, was man alles regeln muss. Das wird ein bürokratisches Monster und braucht eine gewisse Vorlaufzeit.
Wieso ergreifen gerade Sie die Initiative?
Ich hab’ keinen grünen Daumen, dafür Erfahrung im Gründen von Vereinen. Mein primäres Ziel ist es, das Thema aus der Schmuddelecke zu holen und offen darüber zu reden – weil es die Lebensrealität vieler Menschen darstellt. Niemand soll sich mehr hinter irgendeinem Busch etwas besorgen müssen. Deshalb stell’ ich mich als liberaler Mensch und auch als öffentliche Person hin und propagiere das. Ich bin schon bei der örtlichen Polizei vorstellig geworden und hab’ erklärt, was mein Plan ist und dass ich es so transparent wie möglich gestalten möchte. Dort hat man mir aber nur gesagt: Wir warten das mit dem Gesetz ab und können noch keine Aussagen treffen.
Wo sehen Sie die größten Herausforderungen?
Die Leute müssen ihr Gesicht zeigen. Und, egal, ob in der Öffentlichkeitsarbeit oder beim Tütchenkleben: In einem Cannabis Social Club muss sich jedes Mitglied aktiv einbringen, passive gibt es nicht. Diese 100, 200 Leute musst du dann auch erst einmal unter einen Deckel bringen.
Ist es da nicht viel einfacher, privat anzubauen?
Zu 100 Prozent! Aber nicht jeder hat die Möglichkeiten. Außerdem gibt es daheim nicht so eine Qualitätskontrolle. Und es soll ja bewusst auch ein Social Club sein, die soziale Komponente gefällt mir sehr gut: Das gemeinsame Ziel kann zusammenschweißen, man schaut aufeinander. Obendrein braucht es zum Beispiel auch geschulte Beauftragte für Sucht und Prävention. Das finde ich gut.
Sie haben bei Facebook zu einem ersten Infotreffen eingeladen. Haben sich schon Interessenten oder gar Mitstreiter gefunden?
Ungefähr 20 bis 30 Leute haben sich gemeldet. Darunter Experten, wie zum Beispiel Botaniker, oder auch jemand, der in Kanada ausgebildet wurde, um die Cannabis-Blüten mikroskopisch zu spezifizieren. Die Resonanz bildet die Realität ab: Von 20-Jährigen bis zu Rentnern wird in allen Altersgruppen und sozialen Schichten gekifft.
Das ist nach der Legalisierung geplant
Ab 1. April soll Kiffen keine Straftat mehr sein – darauf hat sich die Ampel-Koalition geeinigt. Laut ihrem Gesetzesentwurf soll Erwachsenen der Besitz von bis zu 50 Gramm Cannabis für den Eigenkonsum im privaten und maximal 25 Gramm im öffentlichen Raum erlaubt werden. Gewerbliche Verkaufsstellen sind nicht vorgesehen, stattdessen sollen vereinsähnliche, nicht-gewerbliche Cannabis Social Clubs THC-haltige Hanfpflanzen anbauen dürfen und an Mitglieder begrenzte Mengen (25 Gramm/Tag, maximal 50 Gramm/Monat) abgeben können – mit maximal zehn Prozent THC-Gehalt; Erwachsene von 18 bis 21 Jahre erhalten nur 30 Gramm/Monat. Die kontrollierte Abgabe startet voraussichtlich im Juli. Um vor allem Kinder und Jugendliche vor der Droge zu schützen, gilt ein allgemeines Werbe- und Sponsoring-Verbot für Konsumcannabis und Anbauvereinigungen. Geplant ist außerdem eine Stärkung der Prävention durch eine Aufklärungskampagne des Bundes.
Gut zu wissen
Der erste Infoabend zur späteren Gründung eines Cannabis Social Clubs in Moosburg findet am Samstag, 2. März, um 18.30 Uhr in der Sportgaststätte des TSV Moosburg Neustadt (Buchenlandstraße 32) statt.
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