Weg aus der Krise

Nach rapidem Schülerrückgang: Wirtschaftsschule Freising kämpft sich aus dem „Tal der Tränen“

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Die Wirtschaftsschule Freising kämpft gegen sinkende Schülerzahlen.
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Binnen sieben Jahren sind die Schülerzahlen an der Wirtschaftsschule Freising von 770 auf 430 eingebrochen. Langsam bahnt sich die Einrichtung einen Weg aus der Krise.

Freising – „Unsere Schülerzahlen sind in den vergangenen Jahren stark zurückgegangen“, berichtet Werner Kusch, Leiter der Wirtschaftsschule. Waren es vor sieben Jahren noch 770 Jugendliche, die die Einrichtung besucht haben, sind es jetzt nur noch 430. Ein Grund für den Rückgang ist der größere Wettbewerb mit anderen Schulen, wie Kusch erklärt: „Das Neun-plus-zwei-Modell der Mittelschulen und der kaufmännische Zweig der Realschulen stellen für uns eine enorme Konkurrenz da – gerade wenn man bedenkt, dass es vier Mal so viele Realschulen wie Wirtschaftsschulen gibt.“

Leiter Werner Kusch will Schulprofil neu schärfen

Vor allem aber macht allen Schulen der demografische Wandel zu schaffen. „Die Schüler werden weniger, das trifft nicht nur uns“, betont Kusch – im Gegenteil. „Wir sind durch das Tal der Tränen durch.“ Erstmals seit Längerem verzeichne die Wirtschaftsschule wieder leichte Zuwächse. Zahlen wie vor sieben Jahren seien dabei gar nicht erstrebenswert. „Damals waren wir total überbelegt“, sagt Kusch. Er orientiert sich an der Zahl 480. Für so viele Schüler ist das Gebäude ausgelegt.

Werner Kusch, Leiter der Wirtschaftsschule, setzt auf Internationalisierung.

Um sich weiter zu stabilisieren, will er der Schule wieder mehr Profil geben. „Denn durch Reformen sind uns viele Alleinstellungsmerkmale verloren gegangen“, berichtet Kusch. Künftig möchte er verstärkt auf Internationalisierung setzen. „Deutschland agiert als Industrienation global. Dafür müssen wir unsere Schüler fit machen.“ Bilingualer und ein noch Praxis-orientierterer Unterricht seien dafür die Grundlage.

Beifall von regionalen Firmen

Bei regionalen Firmen stößt diese Idee auf große Gegenliebe: „Bei uns ist eine erfolgreiche Ausbildung die Eintrittskarte für die persönliche Karriere“, erklärt Henning Mack, Regionalleiter der Firma Kühne + Nagel in Langenbach. „Die Wirtschaftsschule bietet hier eine sehr gute Basis.“ Dass die nach wie vor ein vertieftes, besonders an den regionalen Wirtschaftsraum angepasstes Grundwissen vermittelt, bestätigt Elfriede Graf vom Bankhaus Sperrer. „Für uns sind gute Kenntnisse in Wirtschaft und im Rechnungswesen eine wichtige Voraussetzung“, sagt sie. Daher seien in ihrem Haus Wirtschaftsschüler besonders angesehen. „Sie erbringen oft sehr gute Leistungen bei uns, aber auch in der Berufsschule. Daher kann die Lehrzeit meist erheblich verkürzt werden.“

Ein großer Fan der Wirtschaftsschule ist auch Erich Irlstorfer. Der Freisinger Bundestagsabgeordnete, Vorsitzender des Fördervereins, betont, dass die Einrichtung Schüler nach wie vor gezielt auf die Herausforderungen in den kaufmännischen Berufen vorbereite.

Bei der Abschlussquote ist die Wirtschaftsschule top

Ein weiteres Faustpfand der Wirtschaftsschule ist ihre hervorragende Abschlussquote und eine nahezu perfekt funktionierende Schnittstelle zur Fachoberschule. Laut Kusch würden von rund 60 Schülern, die von der Wirtschaftsschule jährlich auf die FOS wechseln, höchstens mal zwei durchfallen.

Dass die Wirtschaftsschule ein Sprungbrett für erfolgreiche Karrieren sein kann, zeigt Andreas Hadler. Von 2008 bis 2012 besuchte er die Einrichtung. „Für mich war sie ein absolutes Fundament für meinen beruflichen Werdegang.“ Heute arbeitet er als Schreinermeister in der Planungsabteilung der Firma M-Drei in Garching und profitiert dort von seinem Knowhow im Bereich Handel, Wirtschaft, Buchhaltung und Unternehmensführung. Kenntnisse, die ihm die Wirtschaftsschule vermittelt hat.

Tag der offenen Tür

Die Wirtschaftsschule Freising veranstaltet am Samstag, 9. Febraur, von 9 bis 12 Uhr einen  Tag der offenen Tür. Die Veranstaltung findet im Schulgebäude, Wippenhauser Straße 62, statt.

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