VonManuela Schauerschließen
Die Stimmung in Garmisch-Partenkirchen kocht – befeuert von Martin Schröters (FDP) Aussagen nach dem Seilbahn-Unfall an der Zugspitze. Jetzt lässt sogar der eigene Partei-Nachwuchs kein gutes Haar mehr am Gemeinderat der Liberalen.
Garmisch-Partenkirchen – Martin Schröter schwimmt meist gegen den Strom, eckt mit seinen Aussagen an. Nach der Pressemitteilung des FDP-Mannes zum Unfall der Seilbahn Zugspitze, in dem er gegen Vorstand, Aufsichts- und Verwaltungsräte der Bayerischen Zugspitzbahn AG (BZB) schoss und Rücktritte forderte, schwappt ihm eine Welle an Kritik entgegen, die sich mehr und mehr in einen Tsunami verwandelt. Auch aus den eigenen Reihen. Die Jungen Liberalen (JuLis) Oberland – also der FDP-Nachwuchs – distanziert sich in aller Deutlichkeit von seinen Äußerungen zum Seilbahn-Drama. Mehr noch: Stephan Strzondala, Schatzmeister und Vertreter in Garmisch-Partenkirchen, dreht den Spieß um: Er pocht darauf, dass Schröter sein Amt als Marktgemeinderat quittiert.
Der einzige Liberale in diesem Gremium hatte einen Tag, nachdem bei einer Übung ein Bergewagen in die Gondel gekracht und dadurch ein Totalschaden entstanden war, das Unglück mit der Finanzierung der BZB in Zusammenhang gebracht. Seit vielen Jahren fordert der Vize-Botschafter an der deutschen Vertretung in Luxemburg, die AG – zu 100 Prozent im Besitz der Gemeinde – zu reprivatisieren. Durch den Stillstand der Bahn befürchtet er, der Schuldendienst könne nicht mehr bedient werden – zum Leidwesen des Steuerzahlers. „Vorstände und ihre Kontrolleure haben geschäftlich fahrlässig gehandelt“, teilte Schröter mit.
Kritik von vielen Seiten
Mit solchen Aussagen möchten die Jungen Liberalen nicht in Verbindung gebracht werden. „Einen Unfall, bei dem glücklicherweise keine Personen zu Schaden gekommen sind, als Bühne für Eigenprofilierung zu nutzen, lässt uns verwundert und verärgert zurück“, heißt es in ihrem Schreiben. Sie werfen ihm die Verbreitung von „alternativen Fakten“ und „Schulzuweisungen“ vor. Letztere seien ob des aktuellen Kenntnisstandes zur Unfallursache – ein gerissener Kettenzug – absurd. Strzondala schlägt ganz unverhohlen harte Töne an: Schröters Verhalten „ist nicht eines Marktgemeinderates würdig“. Worten, denen Kreisvorsitzender Lorenz Juffinger (Kreis Miesbach) noch einen oben drauf setzt: „Einen Unfall parteipolitisch auszuschlachten, ist pietätlos.“ Die Vorgehensweise Schröters deckt sich also nicht mit den JuLis-Vorstellungen von Lokalpolitik.
In Leserbriefen und im sozialen Netzwerk Facebook wird er indes mit Vorwürfen bombardiert. Von Bürgern, von Parteien. Die Garmisch-Partenkirchner SPD schreibt auf ihrer Seite: „Irgendwann ist das Maß des Populismus und der Geschmacklosigkeit voll, Herr Schröter. Sie sind eine Schande für unser Gremium.“ Aus dem Ägypten-Urlaub hat sich Andreas Grasegger, der Fraktionsvorsitzende der Bayernpartei beim Tagblatt gemeldet. „Wir fordern seinen sofortigen Rücktritt als Gemeinderat.“
Seine eigenen Erfahrungen hat Klaus Hilleprandt mit Schröter gemacht. Keine guten. Er trat wegen ihm als FDP-Ortsvorsitzender zurück. Die Zusammenarbeit? Für Hilleprandt „geradezu widerlich“. Der Hotelier bezeichnet seinen Schröter als „Populisten, wie ich ihn noch nie erlebt habe“, und schließt sich der Meinung der Kritiker an. Er erachtet Schröter als großes Ärgernis für Garmisch-Partenkirchen und meint dessen Antrieb zu kennen: eine Bürgermeisterkandidatur 2020.
Er wollte niemand für den Unfall verantwortlich machen
Schröter selbst erfuhr vom Tagblatt vom heftigen Gegenwind aus der eigenen Partei. Sein kurzer Kommentar: „Wir sind Freidenker in der Partei.“ Was er dementiert, sind die Anschuldigungen des CSB-Fraktionsvorsitzenden Florian Hilleprandt, der ihm Schadenfreude unterstellt hatte. „Es tut mir leid, wenn der Eindruck entstanden ist.“ Was er wirklich bezweckte? Ihm zufolge jedenfalls nicht, jemanden für den Unfall verantwortlich zu machen. Sondern lediglich diesen zum Anlass zu nehmen, das Geschäftsmodell zu überdenken.
Mittlerweile hat er seine erste Pressemitteilung zurückgezogen. Sie sei überholt, heißt es im zweiten Schreiben, einer gemeinsamen Erklärung von ihm und FDP-Kreisvorsitzendem André Göllrich. Der Inhalt unterscheidet sich aber nicht fundamental. Nur intensiver erläutern sie das „Hochrisikogeschäft“, wie es Schröter in der Vergangenheit schon oft getan hat. Die Gemeinde solle sich in erster Linie um die Daseinsvorsorge kümmern und deshalb bis zu 74,9 Prozent der Anteile an die BZB AG verkauft werden. Dass eine Privatisierung funktionieren kann – Schröter nennt Chamonix und Ehrwald. Mehr als Ausnahme, denn als Regel sieht er die Querelen bei der Karwendelbahn in Mittenwald. Dieser Fall sei lediglich ein „Negativbeispiel“.
Die Reaktion von Seiten der BZB-Verantwortlichen – sie überlegen, „geeignete Schritte“ gegen Schröter zu unternehmen – bestätigt die beiden Liberalen sogar noch in ihrer Denk- und Handlungsweise. Sie führen ein Sprichwort an: „Getroffene Hunde bellen.“
