VonMelina Staarschließen
Das Corona-Virus sorgt dafür, dass sich viele Menschen Vorräte zulegen. Die Geschäfte merken das –auch im Landkreis. Engpässe gibt es allerdings nur bei ein paar bestimmten Produkten – vor allem in Apotheken.
Bad Tölz-Wolfratshausen – Bilder von leeren Supermarkt-Regalen machen derzeit im Internet die Runde. Menschen decken sich aufgrund der Meldungen über den Corona-Virus vorsorglich mit Lebensmitteln und anderen wichtigen Dingen ein. Auch die Lebensmittel-Geschäfte im Landkreis merken eine höhere Nachfrage.
„Vor allem Konservendosen und Nudeln“ landen derzeit in größeren Mengen in den Einkaufswägen, sagt Michaela Markreiter, stellvertretende Marktleiterin des Rewe in Bad Heilbrunn. Desinfektionsmittel seien komplett ausverkauft. Insgesamt stellt sie fest, dass die Menschen sehr viel einkaufen. Die gesamte letzte Woche schon, „brutal“ sei es dann Freitag und Samstag gewesen.
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Desinfektionsmittel sind ausverkauft
„Eindeutig“ stellt auch Kaspar März-Kastenmüller eine erhöhte Nachfrage bei bestimmten Produkten fest. „Vor allem haltbare Lebensmitteln wie Mehl, Zucker, Nudeln oder auch Tomaten in Dosen“ seien in seinen Edeka-Märkten gefragt. Als allererstes seien aber die Desinfektionsmittel „ratzeputz“ aus gewesen.
Lebensmittel würden täglich nachgefüllt, daher gebe es dort keinen Notstand. „Es gibt für alles eine Alternative.“ Aber die Umsätze seien teilweise bis zu 50 Prozent gestiegen, „das geht fast in Dimensionen, die wir sonst nur vor den Weihnachtsfeiertagen kennen“, sagt März-Kastenmüller.
Klaus Heininger ist Geschäftsführer der Edeka-Märkte in Geretsried und Waldram. Die höhere Nachfrage spürt auch er. „Teigwaren, Tomaten als Soße oder gewürfelt oder auch Konserven“ seien in höheren Maßen gekauft worden. Auch Toilettenpapier war zwischenzeitlich gänzlich ausverkauft. Auch er sagt, dass vor allem Freitag und Samstag „wie verrückt“ eingekauft worden sei – seitdem deutlich mehr als an normalen Tagen. Auch bei der H-Milch, Mehl und den Tiefkühlprodukten schlugen die Kunden zu – am Montag bekam Heininger aber genügend Nachschub geliefert. Bei der frischen Ware hingegen sei der Absatz normal. Grundsätzlich sieht er schon, dass die Kunden derzeit mehr in ihre Einkaufswägen legen.
Entwarnung: „Es wird alles nachgeliefert“
Er beruhigt: Zwar sei erkennbar an den Regalen, dass mehr gekauft werde. „Aber das kommt alles wieder, wir sind nicht leer geräumt. Es wird alles nachgeliefert.“
Stark nachgefragt bei „Lidl“ sind nach Auskunft aus der Pressestelle „Artikel aus dem Trockensortiment“ wie etwa Konserven oder Nudeln sowie Toilettenpapier und Desinfektionsmittel. Man arbeite intensiv daran, die Warenversorgung in allen Filialen sicherzustellen. Auch „Aldi“ bemerkt eine höhere Nachfrage nach haltbaren Produkten wie etwa Konserven. Aber die Warenversorgung sei überall gesichert, so die Pressestelle. Man beobachte die Ausbreitung des Corona-Virus genau. „Unser Ziel ist es, eine Anlieferung aller Artikel zu gewährleisten und an den jeweiligen Verkaufsstarts unserer Produkte insbesondere auch der Aktionsartikel festzuhalten. Sollte es dennoch zu vorübergehenden Engpässen kommen, bitten wir bei unseren Kundinnen und Kunden hierfür um Verständnis.“
In dm-Drogeriemärkten steigt die Nachfrage nach Hygiene-Produkten, wie Geschäftsführerin Kerstin Erbe mitteilt: „So sind derzeit viele Artikel nahezu nicht mehr verfügbar. Wir arbeiten daran, die Verfügbarkeit der Produkte in unseren dm-Märkten sicherzustellen.“
Kein Mundschutz mehr lieferbar
Engpässe gibt es auch in den Apotheken, wie Sprecher Christopher Hummel auf Anfrage sagt. „Seit Wochen gibt es keinen Mundschutz mehr, seit Freitag kein Desinfektionsmittel.“ Und das, obwohl er frühzeitig viel eingelagert habe. „Ich habe vom Großhandel gesagt bekommen, ich brauche derzeit gar nicht mehr anzurufen.“ Eine Zusage für eine Lieferung an Mundschutz sei kurzfristig abgesagt worden. In seinen beiden Apotheken habe er unzählige Voranfragen für Mundschutz, dessen Preis zuletzt rasant in die Höhe gegangen sei. Er habe von einem Kunden erfahren, dass inzwischen sogar in Baumärkten die Staubmasken aufgekauft würden. „Ich sehe das durchaus kritisch, wenn gesagt wird, wir seien gut vorbereitet – wenn es schon am Einfachsten scheitert.“
Er empfindet es als Skandal für ein Land wie Deutschland, dass auch kein Desinfektionsmittel mehr zu bekommen sei. „Es ist jetzt nicht die Zeit, um in Panik zu verfallen. Aber man fragt sich schon, warum man keine größeren Vorräte angelegt hat.“
Engpass bei bestimmten Medikamenten wird schlimmer
Er sieht das größte Problem darin, dass sehr viel in Dritte-Welt-Länder ausgelagert werde. „Es wird kein Antibiotikum mehr in Deutschland hergestellt, der Mundschutz kommt aus China, das Desinfektionsmittel sonst wo her. Das ist eine Frechheit.“
Erhebliche Einschränkungen prognostiziert er in den nächsten Wochen und Monaten für ohnehin schon knappe Medikamente. „Es wird jetzt schon schlecht oder zu wenig produziert. Aber momentan stehen viele Fabriken beispielsweise in China komplett still.“
Er hofft, dass die aktuelle Situation für ein Umdenken sorgt. „Es wird höchste Zeit, dass in Europa wieder Medikamente produziert werden.“
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